Glossarbegriff

Jim Crow

Begriff & Konzept

Definition

Jim Crow bezeichnet ein historisches System institutionalisierter rassistischer Segregation und Diskriminierung in den Vereinigten Staaten. Es entwickelte sich nach dem Ende der Sklaverei und der Reconstruction-Ära (1865–1877) und prägte insbesondere die amerikanischen Südstaaten bis zur Bürgerrechtsgesetzgebung der 1960er-Jahre. Ziel und Wirkung dieses Systems waren die Aufrechterhaltung weißer Vorherrschaft und die gesellschaftliche Unterordnung der Schwarzen Bevölkerung.

Historischer Hintergrund

Der Ausdruck Jim Crow geht auf eine rassistische Bühnenfigur des 19. Jahrhunderts zurück. Der weiße Schauspieler Thomas D. Rice popularisierte in den 1830er-Jahren eine entsprechende Darstellung in Blackface-Aufführungen. Später entwickelte sich der Begriff zur Bezeichnung der rassistischen Gesellschaftsordnung, die nach der Abschaffung der Sklaverei in weiten Teilen der USA entstand. Nach dem Ende der Reconstruction wurden insbesondere in den Südstaaten politische und rechtliche Maßnahmen eingeführt, die die gesellschaftliche Gleichstellung ehemals versklavter Menschen und ihrer Nachkommen verhinderten. Dazu gehörten die Einschränkung des Wahlrechts, die Trennung öffentlicher Einrichtungen sowie systematische Benachteiligungen im Bildungswesen, auf dem Arbeitsmarkt und beim Zugang zu Wohnraum.

Segregation und gesellschaftliche Herrschaft

Jim Crow beruhte nicht ausschließlich auf gesetzlichen Regelungen. Das System wurde auch durch gesellschaftliche Normen, wirtschaftliche Abhängigkeiten, institutionelle Diskriminierung und rassistische Gewalt aufrechterhalten. Lynchjustiz, Einschüchterung und politische Repression dienten insbesondere dazu, die gesellschaftliche und politische Teilhabe der Schwarzen Bevölkerung zu verhindern. Die rechtliche Segregation wurde unter anderem durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA in Plessy v. Ferguson (1896) gestützt, die eine Rassentrennung nach dem Grundsatz separate but equal (getrennt, aber gleich) für verfassungsgemäß erklärte. Tatsächlich waren die Lebensbedingungen und öffentlichen Einrichtungen für Schwarze Menschen regelmäßig erheblich schlechter.

Überwindung und Nachwirkungen

Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung bekämpfte das Jim-Crow-System durch Proteste, Gerichtsverfahren und politische Mobilisierung. Bedeutende Einschnitte waren die Entscheidung Brown v. Board of Education (1954), der Civil Rights Act (1964) und der Voting Rights Act (1965). Diese Entwicklungen beseitigten wesentliche rechtliche Grundlagen der Segregation, beendeten jedoch nicht sämtliche Formen rassistischer Ungleichheit.

Sozialwissenschaftliche Bedeutung

Jim Crow gilt als historisches Beispiel dafür, wie rassistische Herrschaft durch das Zusammenwirken von Recht, staatlichen Institutionen, gesellschaftlichen Normen und Gewalt aufrechterhalten werden kann. Die amerikanische Juristin Michelle Alexander greift den Begriff in The New Jim Crow (2010) auf. Sie argumentiert, dass die massenhafte Inhaftierung Schwarzer Menschen und die anschließende gesellschaftliche Entrechtung ehemals Verurteilter eine neue Form rassistischer Ausgrenzung hervorbringen. Die Bezeichnung New Jim Crow verweist dabei auf funktionale Gemeinsamkeiten zwischen historischer Segregation und gegenwärtigen Mechanismen strafrechtlicher Kontrolle, ohne beide Systeme vollständig gleichzusetzen.

Einordnung

Verwandte Begriffe

BehandeltRassismus