Dawn of the Dead (1978)

Dawn of the Dead (1978) spielt in den USA während einer sich rasch ausbreitenden Zombie-Epidemie. Zwei Mitglieder eines SWAT-Teams fliehen gemeinsam mit einer Fernsehmitarbeiterin und einem Piloten aus der zusammenbrechenden Gesellschaft und finden Zuflucht in einem großen Einkaufszentrum. Nachdem sie die Mall gegen die Untoten gesichert haben, richten sich die Überlebenden zwischen Geschäften, Waren und Konsumgütern ein. Doch die scheinbare Sicherheit erweist sich als fragil: Während sich immer mehr Zombies vor dem Einkaufszentrum sammeln, bedrohen schließlich auch andere Überlebende den geschützten Rückzugsort.

Film- / Serienprofil

  • Originaltitel: Dawn of the Dead
  • Deutscher Titel: Zombie
  • Erscheinungsjahr: 1978
  • Land: USA, Italien
  • Regie / Creator / Showrunner: George A. Romero
  • Medium: Spielfilm
  • Laufzeit / Umfang: 127 Minuten
  • Schwerpunkte: Kriminalitätstheorien im Film

Kriminologische Relevanz

Dawn of the Dead (1978) gehört zu den bekanntesten filmischen Auseinandersetzungen mit Konsumgesellschaft und kapitalistischer Warenwelt. George A. Romero verlegt die Handlung einer Zombie-Apokalypse in ein Einkaufszentrum und macht damit einen Ort zum Zentrum des Films, der in den 1970er-Jahren zunehmend zum Symbol amerikanischer Konsumkultur geworden war. Die Mall bietet den Überlebenden Schutz und scheinbar unbegrenzten materiellen Wohlstand – zugleich aber wird sie zum Schauplatz einer Gesellschaft, deren soziale Ordnung bereits zusammengebrochen ist.

Die zentrale Metapher des Films entsteht durch das Verhalten der Zombies. Obwohl ihre bisherigen sozialen Beziehungen, Bedürfnisse und Identitäten verschwunden sind, kehren sie immer wieder zum Einkaufszentrum zurück. Der Film deutet dieses Verhalten ausdrücklich als Fortsetzung früherer Gewohnheiten: Die Mall war zu Lebzeiten ein wichtiger Ort ihrer alltäglichen Existenz. Konsum erscheint damit als derart tief verankerte soziale Praxis, dass selbst die Untoten gewissermaßen weiterhin den Routinen der Konsumgesellschaft folgen.

Die Kritik richtet sich jedoch nicht allein gegen die Zombies. Auch die Überlebenden eignen sich das Einkaufszentrum an und beginnen, seinen Warenreichtum zu genießen. Kleidung, Lebensmittel, Unterhaltungselektronik, Schmuck und andere Konsumgüter stehen ihnen nun kostenlos zur Verfügung. Gerade weil Geld und Marktordnung ihre Bedeutung verloren haben, tritt die Absurdität des Warenbesitzes besonders deutlich hervor: Die Figuren verfügen über nahezu alles, was die Konsumgesellschaft als begehrenswert definiert hatte, während die gesellschaftlichen Voraussetzungen, die diesen Gütern Bedeutung verliehen, nicht mehr existieren.

Damit lässt sich Dawn of the Dead als Kritik an der Verbindung von Konsum, Identität und sozialem Status lesen. Waren befriedigen nicht lediglich materielle Bedürfnisse, sondern erhalten ihren Wert innerhalb gesellschaftlicher Bedeutungs- und Distinktionsordnungen. Nach dem Zusammenbruch dieser Ordnung reproduzieren die Überlebenden dennoch vertraute Konsummuster. Ähnlich wie die Zombies bleiben auch sie an Verhaltensweisen gebunden, deren ursprünglicher sozialer Kontext weitgehend verschwunden ist.

Für eine kriminologische Betrachtung wird diese Konsumkritik dort besonders interessant, wo die Mall zum umkämpften Eigentumsraum wird. Die Überlebenden behandeln das Einkaufszentrum zunehmend als ihren Besitz und verteidigen den angeeigneten Warenreichtum gegen andere Gruppen. In einer Situation, in der staatliche Ordnung, Eigentumsrechte und formelle soziale Kontrolle weitgehend zusammengebrochen sind, entstehen neue Ansprüche auf Besitz und neue Formen ihrer gewaltsamen Durchsetzung. Der Film verbindet damit Konsumkritik mit grundlegenden Fragen nach Eigentum, sozialer Ordnung und der Legitimität von Gewalt.

Dawn of the Dead nutzt den Horrorfilm somit für eine umfassendere Gesellschaftskritik. Die Zombies sind nicht lediglich eine äußere Bedrohung, sondern ein verzerrtes Spiegelbild der Lebenden. Gerade die kaum unterscheidbare Fixierung beider Gruppen auf das Einkaufszentrum macht Romeros Pointe sichtbar: Der gesellschaftliche Zusammenbruch beendet die Konsumordnung nicht – ihre Routinen überleben die Gesellschaft, die sie hervorgebracht hat.

Bildquelle:
Marty Aligata, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser