Squid Game (2021–2025)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: Squid Game
- Deutscher Titel: Squid Game
- Erscheinungsjahr: 2021–2025
- Land: Südkorea
- Regie / Creator / Showrunner: Hwang Dong-hyuk
- Medium: Serie
- Laufzeit / Umfang: 3 Staffeln, 22 Episoden
- Schwerpunkte: Kriminalitätstheorien im Film
Kriminologische Relevanz
Squid Game verbindet extreme Gewaltdarstellungen mit einer grundlegenden Kritik an sozialer Ungleichheit, ökonomischem Druck und gesellschaftlicher Konkurrenz. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden formal nicht zur Teilnahme gezwungen. Ihre Verschuldung, Armut und prekären Lebenssituationen schränken ihre tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten jedoch erheblich ein. Die Serie stellt damit die Frage, wie freiwillig Entscheidungen sein können, wenn Menschen unter massivem ökonomischem Druck handeln.
Besonders deutlich wird dieses Spannungsverhältnis, als die Teilnehmer nach dem ersten tödlichen Spiel von der vorgesehenen Möglichkeit Gebrauch machen, den Wettbewerb durch eine Mehrheitsentscheidung abzubrechen. Sie kehren in ihr bisheriges Leben zurück – und viele entscheiden sich anschließend freiwillig dafür, erneut an den Spielen teilzunehmen. Gerade diese Rückkehr gehört zu den gesellschaftstheoretisch interessantesten Elementen der Serie: Nicht unmittelbarer physischer Zwang bringt die Menschen zurück, sondern die Erfahrung, dass Verschuldung, Perspektivlosigkeit und soziale Abhängigkeit auch außerhalb der Arena ihre Handlungsmöglichkeiten begrenzen. Squid Game problematisiert damit die Grenze zwischen formaler Entscheidungsfreiheit und strukturellem Zwang.
Kriminologisch lässt sich die Serie besonders überzeugend mit Mertons Anomietheorie verbinden. Geld und wirtschaftlicher Erfolg besitzen für die Teilnehmer einen hohen Stellenwert, während ihre Möglichkeiten, diese Ziele auf legalem und gesellschaftlich akzeptiertem Weg zu erreichen, begrenzt erscheinen. Das Spiel radikalisiert diese gesellschaftliche Konstellation: Materieller Erfolg wird zum dominierenden Ziel, während außergewöhnliche und schließlich tödliche Mittel zu seiner Erreichung akzeptiert werden.
Zugleich eignet sich Squid Game für eine Rational-Choice-Perspektive. Die Teilnehmer müssen fortwährend Risiken und mögliche Gewinne gegeneinander abwägen und strategisch auf das Verhalten anderer reagieren. Ihre freiwillige Rückkehr macht zugleich die Grenzen eines ausschließlich auf individuelle Entscheidungen konzentrierten Erklärungsansatzes sichtbar. Was unter gegebenen Bedingungen als rationale Wahl erscheint, lässt sich nicht unabhängig von den sozialen und ökonomischen Bedingungen beurteilen, unter denen diese Entscheidung getroffen wird.
Die Organisation der Spiele übersetzt schließlich gesellschaftliche Konkurrenz in ein buchstäbliches Ausscheidungsverfahren. Für alle gelten formal dieselben Regeln, während die gesellschaftlichen Voraussetzungen, die sie überhaupt zur Teilnahme bewegen, höchst ungleich verteilt sind. Wohlhabende Zuschauer konsumieren den Überlebenskampf der Verschuldeten als Unterhaltung, und mit jedem Todesfall steigt das Preisgeld der Überlebenden. Squid Game macht damit menschliches Leben zur ökonomisch bewerteten Ressource und verbindet soziale Ungleichheit, Konkurrenz und Gewalt zu einer zugespitzten Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse.
Bildquellen:
Jothefiredragon, CC0, via Wikimedia Commons
Triplecaña, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
Kriminologische Einordnung
Kriminalitätstheorien
Anomietheorie (Merton)
Rational Choice
Marxistische Kriminalitätstheorien
Cultural Criminology
Schlüsselwerke
Robert K. Merton – Sozialstruktur und Anomie (1949)