Wild Style (1983)
Wild Style! spielt in der frühen Hip-Hop-Szene der New Yorker Bronx und begleitet den Graffiti-Writer Raymond „Zoro“, der nachts illegal Züge und Wände bemalt. Während Zoro innerhalb der Szene nach Anerkennung und einem eigenen Stil sucht, beginnt sich zugleich die etablierte Kunstwelt für Graffiti zu interessieren. Der Film verbindet seine Geschichte mit Auftritten realer Graffiti-Künstler, DJs, Rapper und Breakdancer und dokumentiert damit zugleich die Entstehungsphase der Hip-Hop-Kultur im New York der frühen 1980er Jahre.
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: Wild Style
- Deutscher Titel: Wild Style
- Erscheinungsjahr: 1983
- Land: USA
- Regie / Creator / Showrunner: Charlie Ahearn
- Medium: Dokumentation
- Laufzeit / Umfang: 82 Minuten
- Schwerpunkte: Devianz, Gruppen & soziale Beziehungen, Kultur & soziale Normen, Rollen & Identität, Soziale Ungleichheit & Sozialstruktur, Subkultur, Urbanisierung & Großstadt
Kriminologische Relevanz
Aus kriminologischer Perspektive ist Wild Style! insbesondere für die Analyse von Graffiti als devianter Freizeit- und Subkulturpraxis relevant. Das illegale Bemalen von Zügen und öffentlichen Flächen stellt aus rechtlicher Perspektive eine Normverletzung dar, besitzt für die beteiligten Writer jedoch eine andere soziale Bedeutung. Graffiti dient der kreativen Selbstdarstellung, der Aneignung öffentlichen Raums und dem Erwerb von Anerkennung innerhalb einer Szene, in der eigene Regeln, Statusordnungen und ästhetische Maßstäbe gelten.
Der Film veranschaulicht damit eine zentrale Perspektive der Cultural Criminology: Devianz lässt sich nicht allein über ihre Ursachen oder ihre rechtliche Bewertung verstehen. Ebenso relevant sind die Bedeutungen, Emotionen und ästhetischen Ausdrucksformen, die mit normverletzendem Verhalten verbunden sind. Stil, Sichtbarkeit und Anerkennung sind für Zoro und die anderen Writer wesentliche Bestandteile ihrer Praxis.
Zugleich eignet sich Wild Style! zur Veranschaulichung des Konzepts Deviant Leisure. Graffiti erscheint als freiwillige Freizeit- und Kulturpraxis, die Kreativität, Vergnügen, Gruppenzugehörigkeit und Identität ermöglicht, gleichzeitig jedoch gesellschaftliche und rechtliche Normen überschreitet. Besonders interessant ist dabei das Spannungsverhältnis zwischen Devianz und kultureller Anerkennung: Während illegales Graffiti im öffentlichen Raum sanktioniert wird, beginnt die etablierte Kunstwelt dieselben ästhetischen Ausdrucksformen als Kunst anzuerkennen und wirtschaftlich zu verwerten.
Bildquelle: https://www.flickr.com/people/sweet_child_of_mine/, CC BY-SA 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0>, via Wikimedia Commons