Kurzdefinition
Desistenz bezeichnet den Prozess des dauerhaften oder schrittweisen Abbruchs kriminellen oder deviantem Handelns im Lebensverlauf.
Ausführliche Erklärung
Der Begriff Desistenz stammt aus der Lebensverlaufs- und Karrierekforschung der Kriminologie und beschreibt nicht ein einzelnes Ereignis, sondern einen prozesshaften Wandel: den Übergang von anhaltender Kriminalität zu regelkonformem Verhalten. Dabei wird zwischen primärer Desistenz (vorübergehende Unterbrechung kriminellen Handelns) und sekundärer Desistenz (stabile Abkehr inklusive Identitätswandel) unterschieden.
Zentrale Ansätze – etwa bei Sampson und Laub – betonen die Bedeutung sozialer Bindungen und informeller sozialer Kontrolle. Andere Perspektiven, insbesondere narrative und symbolisch-interaktionistische Ansätze, rücken die Neukonstruktion der eigenen Identität in den Mittelpunkt. Desistenz ist damit weniger das Ergebnis von Sanktionen als vielmehr von sozialen Einbindungen, biografischen Wendepunkten (Turning Points) und veränderten Selbstdeutungen.
Theoriebezug
Age-Graded Theory of Informal Social Control (Sampson/Laub); Lebensverlaufs-Kriminologie; Karrieremodelle der Kriminalität; Symbolischer Interaktionismus