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Sie befinden sich hier: Home / Kriminalitätstheorien / Karriere/ Entwicklung/ Lebenslauf / Age-Graded Theory of Crime (Sampson & Laub) – Turning Points

Age-Graded Theory of Crime (Sampson & Laub) – Turning Points

Zuletzt aktualisiert: 4. April 2026 | Veröffentlicht: 3. Juni 2018 von Christian Wickert

[auch bekannt unter: Age-Graded Life-Course Theory of Crime, Age-Graded Development Theory, Theorie der Turning PointsTurning Points sind biografische Wendepunkte, die den Verlauf kriminellen Handelns nachhaltig verändern können.]

Die Age-Graded Theory of Crime von Robert J. Sampson und John H. Laub erklärt kriminelles Verhalten als Teil eines dynamischen Lebensverlaufs. Entscheidend sind sogenannte Turning Points – biografische Wendepunkte wie Heirat, stabile Beschäftigung oder Militärdienst –, die kriminelle Karrieren verstärken, unterbrechen oder beenden können. KriminalitätKriminalität bezeichnet gesellschaftlich normierte Handlungen, die gegen das Strafgesetz verstoßen. wird damit nicht als statische Eigenschaft einer Person verstanden, sondern als Ergebnis sich verändernder sozialer Bindungen und Formen informeller sozialer Kontrolle.

Robert J. Sampson und John H. Laub beschreiben mit ihrer Age Graded Theory oder Theorie der Turning Points (Wendepunkte) den Wandel der Kriminalitätsbelastung von Personen in AbhängigkeitAbhängigkeit beschreibt den Zustand, in dem eine Person nicht mehr in der Lage ist, den Konsum einer Substanz oder ein bestimmtes Verhalten ohne psychische und/oder physische Entzugserscheinungen zu beenden. biographischer Ereignisse. Hierzu ziehen sie die sogenannten ‚Turning Points‘, Lebenswendepunkte, heran, die kriminelles Verhalten entweder verstärken, abschwächen oder unterbrechen können.

Inhaltsverzeichnis

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  • Merkzettel
    • Age-Graded Theory of Crime – Sampson & Laub
  • Die Age-Graded Theory of Crime nach Sampson & Laub
    • Kriminelle Karrieretypen nach Sampson & Laub
    • Typische biografische Wendepunkte („Turning Points“)
    • Karriere- und Lebenslauftheorien der Kriminalität
    • Kritische Würdigung / Aktualitätsbezug
  • Kriminalpolitische Implikationen der Age-Graded Theory
  • Literatur
    • Primärliteratur
    • Sekundärliteratur
    • Weiterführende Informationen
      • Video

Merkzettel

Age-Graded Theory of Crime – Sampson & Laub

Hauptvertreter: Robert J. Sampson, John H. Laub

Erstveröffentlichung: 1993 (Crime in the Making)

Land: USA

Idee/Annahme: Kriminalität ist im Lebenslauf durch Kontinuität und Wandel geprägt. Biografische Wendepunkte (Turning Points) wie Heirat, stabile Beschäftigung oder Militärdienst können kriminelle Karrieren unterbrechen oder fortsetzen. Soziale Bindungen und soziale KontrolleKontrolle bezeichnet soziale Mechanismen, mit denen Verhalten überwacht, reguliert und an geltende Normen angepasst wird. spielen eine zentrale Rolle.

Knüpft an: Mehrfaktorenansatz nach Sheldon Glueck & Eleanor Turoff Glueck, Kontrolltheorien, Developmental Criminology, Labeling-Ansatz, Life-Course Criminology

Die Age-Graded Theory of Crime nach Sampson & Laub

Mit der Age Graded Theory oder Theorie der Turning Points legen Sampson und Laub 1993 eine der „herausragendsten Entwicklungs- und Lebenslauftheorien“ (Schneider, 2007, S. 7) vor. Die Theorie besagt, dass Kriminalität im Lebenslauf einer Person nicht unabdingbar konstant verlaufen muss, sondern biographische Wendepunkte (turning points) mit einem Abbruch aber auch der (Wieder-)Aufnahme kriminellen Verhaltens in Verbindung gebracht werden kann. Turning Points sind als „abrupte, radikale ‚Umdreher‘ oder Chancen im Leben, die die Vergangenheit von der Zukunft trennen“ (Sampson & Laub, 1997, S. 143; hier zitiert nach: Schneider,  2007, S. 146) zu verstehen, wie etwa eine Eheschließung, Elternschaft, die Aufnahme eines festen Beschäftigungsverhältnisses, der Eintritt in den Militärdienst usw.

Empirische Grundlage der Theorie ist eine klassische Längsschnittstudie des Ehepaars Sheldon und Eleanor Glueck. Diese untersuchten bereits in den 1940er und 1950er Jahren die Lebensverläufe von 500 delinquenten Jugendlichen aus einer Erziehungsanstalt und verglichen sie mit einer Kontrollgruppe von 500 nicht delinquenten Jugendlichen.

Die ursprüngliche Studie erfasste die Entwicklung der Probanden bis zum Alter von 32 Jahren. Sampson und Laub griffen diese Daten später erneut auf, ergänzten sie durch Aktenanalysen und führten Interviews mit noch lebenden Teilnehmern, die inzwischen etwa 70 Jahre alt waren. Dadurch entstand eine der längsten Längsschnittstudien zur Entwicklung kriminellen Verhaltens über den gesamten LebensverlaufDer Lebensverlauf bezeichnet die zeitliche Abfolge sozialer Rollen, Ereignisse und Übergänge im Leben einer Person..

Sampson und Laub führen nun die Längsschnittstudie fort, indem sie die bereits erhobenen und ausgewerteten Daten mittels neuer statistischer Verfahren re-evaluierten, Daten aus Kriminalakten zu 475 Delinquenten erhoben und noch lebenden Probanden (die mittlerweile ca. 70 Jahre alt sind) aufsuchen und zu ihrer Delinquenzbelastung nach dem 32. Lebensjahr befragen.  Das Studiendesign bietet so eine bis dato einmalige Gelegenheit, die Delinquenzverläufe von Personen über eine annähernd komplette Lebensspanne zu untersuchen. Aufgrund der geführten Interviews und des dokumentierten Verhaltens in der Vergangenheit können Sampson und Laub unterschiedliche Verlaufsformen krimineller Karrieren identifizieren. Diese werden im Folgenden zusammengefasst:

Kriminelle Karrieretypen nach Sampson & Laub

  • Persisters: Personen, die über den gesamten Lebensverlauf hinweg kriminell aktiv bleiben. Kriminalität ist bei ihnen durch Kontinuität gekennzeichnet.
  • Desisters: Personen, die ihre kriminelle Karriere beenden, häufig im Zusammenhang mit positiven Wendepunkten wie Heirat oder stabiler Beschäftigung.
  • Zigzag Criminals: Personen mit diskontinuierlichen Delinquenzverläufen: Phasen kriminellen Verhaltens wechseln sich mit Phasen normkonformen Lebens ab.

Die Kategorien verdeutlichen, dass DelinquenzDelinquenz beschreibt die Neigung, strafbare Handlungen zu begehen. im Lebensverlauf dynamisch ist und sowohl von biografischen Ereignissen als auch von der Stärke sozialer Bindungen beeinflusst wird.

Daraus schlussfolgern sie, dass abweichendes Verhalten im Lebenslauf sowohl durch Kontinuität als auch Veränderung gekennzeichnet ist.
Der Grund für kriminelles Verhalten liegt nach Sampson und Laub vor allem in schwachen sozialen Bindungen und einer geringen informellen sozialen Kontrolle. Stabile Beziehungen – etwa Ehe, Familie oder Beschäftigung – erhöhen dagegen das soziale KapitalKapital bezeichnet in der Soziologie und Ökonomie Ressourcen, die zur Erzielung von Einkommen, Macht oder sozialem Einfluss genutzt werden können. Je nach theoretischem Zugang unterscheidet man verschiedene Kapitalformen. und stärken die Einbindung in konventionelle Lebenszusammenhänge. Die Art und Stärke der sozialen Bindungen variiert im Entwicklungsverlauf mal mehr und mal weniger und somit variiert auch das soziale Kapital. Besondere Bedeutung wird hier den informellen Bindungen wie Freundschaften, Nachbarschaften aber auch Ehen zugesprochen.

Hauptaugenmerk dieser Kriminalitätstheorie liegt auf den so genannten turning points, Wendepunkten, die in einem Zusammenhang mit dem Aufbau oder der Beendigung sozialer Bindungen stehen. Eine Heirat, das Eintreten in den Militärdienst und/oder der Beginn eines festen Arbeitsverhältnisses stärken das Maß sozialer Bindungen und gehen einher mit einem stärkeren Maß sozialer Kontrolle. Das Eingehen bedeutungsvoller sozialer Bindungen geht mit einem Wandel gelebter Alltagsroutinen einher. Dadurch entstehende neue informelle Verpflichtungen und eine vermehrte soziale Kontrolle, wirken sich positiv auf die Entwicklung abweichenden Verhaltens aus.

Allerdings kann ein biographischer Wendepunkt auch im Kontext einer Zunahme der Delinquenzbelastung stehen: bei dem Verlust eines Beschäftigungsverhältnisses oder der Beendigung einer Partnerschaft o.ä. sinkt das Maß informeller Verpflichtungen und der sozialen Kontrolle. Ein Anstieg des devianten/ kriminellen Verhaltens kann die Folge sein.

Demnach sind es dieselben zugrundeliegenden sozialen Faktoren und die Stärke der hiermit einhergehenden Bindungen, die – je nach ihrer Ausprägung – sowohl für eine Delinquenzbelastung im Lebenslauf verantwortlich, als auch für eine Beendigung einer kriminellen Karriere stehen. Oder wie Sampson und Laub selbst schreiben: “explanations of desistance from crime and persistent offending are two sides of the same coin” (2005: 171).

Typische biografische Wendepunkte („Turning Points“)

Wendepunkte im Lebensverlauf können einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung oder den Abbruch krimineller Karrieren haben. Zu den zentralen Ereignissen zählen:

  • Eheschließung: Aufbau stabiler sozialer Bindungen und Alltagsroutinen
  • Elternschaft: Übernahme neuer Verantwortlichkeiten und Rollen
  • Aufnahme eines stabilen Jobs: Stärkung sozialer Kontrolle und Strukturierung des Alltags
  • Militärdienst: Disziplinierung und IntegrationIntegration bezeichnet den Prozess der Eingliederung von Personen oder Gruppen in eine bestehende Gesellschaft, bei dem sowohl Anpassung als auch Teilhabe angestrebt werden. in formale Strukturen
  • Verlust einer wichtigen Bezugsperson oder des Arbeitsplatzes: Schwächung sozialer Kontrolle, Risiko für erneute DevianzVerhalten, das in einer Gesellschaft als unangemessen, abweichend oder regelverletzend gilt – unabhängig davon, ob es strafrechtlich relevant ist.

Je nach Art und Wirkung können Wendepunkte sowohl eine Distanzierung von als auch eine Zunahme an devianten Verhaltensmustern bewirken.

Turning Points (Wendepunkte) markieren ein biographisches Ereignis und dessen Einfluss auf die Kriminalitätsbelastung
Ein „Turning Point“ markiert einen einschneidenden Wendepunkt in der Biographie, der mit mit dem Abbruch oder dem (Wieder-)Beginn einer kriminellen Karriere zusammenfällt.

 

Turning Points lönnen sowohl für eine Abnahme als auch Zunahme der Kriminalitätsbelastung verantwortlich sein
Turning Points können sowohl den Übergang von einem deviantem zu einem normgerechten Lebensstil markieren als auch eine Kehrtwende zu einem deviantem Lebensstil einläuten.

Karriere- und Lebenslauftheorien der Kriminalität

Mehrere kriminologische Ansätze untersuchen Kriminalität nicht als einmaliges Ereignis, sondern als Entwicklung im Lebensverlauf. Diese sogenannten Karriere- oder Lebenslauftheorien analysieren, wie Menschen in abweichendes Verhalten hinein- oder wieder herausgelangen und welche sozialen Prozesse kriminelle Karrieren stabilisieren oder beenden können.

  • Karrieremodell (Hess)
    Kriminalität entsteht in einem mehrphasigen Prozess aus Motivation, Gelegenheiten, sozialen Reaktionen und Rollenübernahme.
  • Drift-Theorie (Matza)
    Jugendliche „driften“ zwischen konventionellen Normen und delinquentem Verhalten und sind nicht dauerhaft von der GesellschaftEine Gesellschaft ist ein strukturiertes Gefüge von Menschen, die innerhalb eines geografischen Raumes unter gemeinsamen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen leben und durch institutionalisierte soziale Beziehungen miteinander verbunden sind. abgekoppelt.
  • Age-Graded Theory (Sampson & Laub)
    Kriminalität im Lebensverlauf wird durch soziale Bindungen und biographische Wendepunkte wie Arbeit oder Partnerschaft beeinflusst.
  • Developmental Taxonomy (Moffitt)
    Unterscheidung zwischen lebenslang persistierenden Tätern und jugendtypischer Delinquenz.

Gemeinsam ist diesen Ansätzen die Annahme, dass kriminelles Verhalten über den Lebensverlauf hinweg dynamisch ist und sich durch soziale Erfahrungen, Rollenübernahmen und biographische Veränderungen verändert.

Bezüglich Erwachsenendelinquenz sind fehlende oder geschwächte Bindungen, sowie eine kumulative Kontinuität als Ursachen zu sehen.
Anhand der von ihnen erhobenen Biografien und den ergänzenden eigenen Interviews zeigen Sampson und Laub, dass Delinquenz nicht immer permanent in einem Lebensverlauf vorhanden sein muss. Durch vermehrte soziale Kontrolle ist ein Mensch weniger frei, sich abweichend zu verhalten. Selbst Langzeitstraffällige können durch bestimmte Wendepunkte ihre kriminelle Karriere hinter sich lassen.

Schaubild zur Turning Point/ Age Graded Theory
eigene Darstellung nach: Sampson & Laub, 1993, S. 244f.; hier zitiert nach: Siegel, 2011, S. 234. Für größere Ansicht Bild anklicken.

Kritische Würdigung / Aktualitätsbezug

Die Age-Graded oder Turning Points-Theorie von Sampson und Laub ist die bis heute einflussreichste Theorie aus dem Bereich der Entwicklungs-KriminologieKriminologie ist die interdisziplinäre Wissenschaft über Ursachen, Erscheinungsformen und gesellschaftliche Reaktionen auf normabweichendes Verhalten. Sie untersucht insbesondere Prozesse sozialer Kontrolle, rechtliche Rahmenbedingungen sowie individuelle und strukturelle Einflussfaktoren. (Developmental-Criminology). Keine andere Studie bietet einen vergleichbaren Einblick in Delinquenzbelastung über die nahezu vollständige Lebensspanne von Menschen.

Die Fokussierung auf biographische Wendepunkte und deren Einfluss auf die Intensität sozialer Kontrolle weisen starke inhaltliche Parallelen zu Kontrolltheorien auf, aber auch eine inhaltliche Nähe zum Labelling-Ansatz ist gegeben. So weisen die Autoren auf verbaute Zukunftschancen durch eine Inhaftierungserfahrung im Jugendalter hin: “the connection between official childhood misbehavior and adult outcomes may be accounted for in part by the structural disadvantages and diminished life chances accorded institutionalized and stig- matized youth.” (Sampson & Laub, 1993, S. 137).

Die Betonung wandelbarer delinquenter Karrieren (Zigzag criminals) und Personen, die im höheren Lebensalter ihre kriminelle Karriere beenden (Desisters) stehen in einem Widerspruch zu anderen Entwicklungstheorien, die ein deterministischeres Bild von Karrierekriminellen zeichnen (siehe z.B. Moffits Two-Path-Theory). Die Age Graded Theory steht auch im Widerspruch zur Kontrolltheorie, wie sie Travis Hirschi in seiner Social Bond Theory (1969) formulierte. Im Unterschied dazu betonen Sampson und Laub aber die Möglichkeit der Veränderung über den gesamten Lebensverlauf, während Hirschis Ansatz stärker von stabilen frühen Bindungen ausgeht.

Anlass für Kritik an der Age-Graded-Theory bietet fehlende Erklärung, warum die einen ihr Verhalten durch die Wendepunkte verändern, während die biographische Einschnitte bei anderen keinen Einfluss auf die Delinquenzentwicklung haben. Des Weiteren bleibt unscharf, welche Faktoren und Qualitäten feste Bindungen kennzeichnen. Schließlich basiert die Studie auf einem Sample rein männlicher Probanden. Über die Kriminalität von Frauen bzw. den Einfluss biographischer Wendepunkte können somit hier keine Aussagen getroffen. Die Theorie kann demnach keine Allgemeingültigkeit für sich beanspruchen.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die mangelnde Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede: Die zugrundeliegende Studie von Glueck & Glueck basierte ausschließlich auf männlichen Probanden. Daher bleibt unklar, inwieweit die aus der Age-Graded Theory abgeleiteten Mechanismen auf weibliche Delinquenzverläufe übertragbar sind. Biografien und Sozialisationsmuster von Frauen unterscheiden sich oftmals erheblich von denen von Männern – insbesondere in Bezug auf Rollenanforderungen, soziale Kontrolle und Bindungserfahrungen. Eine Generalisierung der Ergebnisse auf die Delinquenzentwicklung von Frauen ist daher problematisch und bedarf weiterer geschlechtsspezifischer Forschung.

Faktoren wie einem festen Arbeitsplatz oder einer Partnerschaft gelten im Allgemeinen als wichtige Unterstützungsfaktoren, die z.B. bei der Beurteilung der Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftätern berücksichtigt werden. So spielt z.B. ein Beschäftigungsverhältnis, welches einen routinierten Tagesablauf sowie soziale Kontrolle mit sich bringt, nach der Entlassung aus der Haft eine große Rolle. Des Weiteren wird vor Entlassung verstärkt Wert auf kontinuierlichen Kontakt zu FamilieFamilie bezeichnet eine soziale Institution, in der Verwandtschafts-, Sorge- und Intimitätsbeziehungen organisiert sind und zentrale Prozesse der Sozialisation stattfinden. und Partnern gelegt, da diese im Idealfall als Unterstützungsfaktoren dienen.

Kriminalpolitische Implikationen der Age-Graded Theory

Sampson und Laub stehen mit ihrer Theorie für ein resozialisierendes StrafrechtDas Strafrecht umfasst die Gesamtheit der Gesetze, die bestimmen, welche Handlungen strafbar sind und welche Sanktionen dafür vorgesehen sind.. Im Gegensatz etwa zu Gottfredsons und Hirschis General Theory of Crime oder Moffits Two-Path-Theory betonen Sampson und Laub, dass die Delinquenzbelastung im Lebenslauf von Menschen durch Kontinuität UND Wandel charakterisiert sein kann. Der Übergang zur Delinquenz bzw. die Beendigung eines delinquenten Lebenswandels ist nicht an bestimmte Zeitpunkte oder Zeitspannen im Lebenslauf festzumachen, sondern jederzeit theoretisch möglich.

Somit kann jedem, auch schweren Langstraflern, durch die richtige soziale Bindung der Weg in ein straffreies Leben geebnet werden.

Literatur

Primärliteratur

  • Sampson, R. J. & Laub, J. H. (1993). Crime in the making : pathways and turning points through life. Cambridge, Mass. [u.a.] : Harvard Univ. Press.
  • Laub, J. H. & Sampson, R. J. (2003). Shared beginnings, divergent lives : delinquent boys to age 70. Cambridge, Mass. [u.a.] : Harvard Univ. Press.
  • Sampson, R. J. & Laub, J. H. (2005). A general age-graded theory of crime: lessons learned and the future of life-course criminology. In: Farrington, D. P. (Hrsg.) Integrated developmental and life course theories of offending. New Brunswick: Transaction, S. 165–181.

Sekundärliteratur

  • Schneider, H. J. (2007). Internationales Handbuch der Kriminologie. [Band 1: Grundlagen der Kriminologie]. Berlin: De Gruyter Recht.
  • Siegel, L. J. (2011). Criminology: The Core (4. Aufl.). Belmont: Wadsworth.

Weiterführende Informationen

Video

Interview with John Laub and Robert Sampson — The Stockholm Prize in Criminology

John Laub, Director, Director, National Institute of Justice
Robert Sampson, Henry Ford II Professor of the Social Sciences, Harvard University
NIJ Conference 2011
June 20-22

 

Robert J. Sampson und John H. Laub wurden 2011 für ihre Arbeit zur Age Graded Theory mit dem Stockholm Prize in Criminology ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es:

Jury Motivation
The authors of the longest life-course study of criminal behavior ever conducted, Laub and Sampson discovered that even very active criminals can stop committing crimes for good after key “turning points” in their lives. In their sample of 500 male offenders born in the 1920s, these turning points included marriage, military service, employment, and other ways of cutting off their social ties to their offending peer group.
These findings have had broad influence in criminology world-wide. They have also influenced the policy debate about criminal justice and sentencing policy, especially concerning the potential for rehabilitation. Their work has influenced other scholars to search for means by which offenders can be assisted to break their links to other offenders, such as by moving to new communities.

Quelle: https://stockholmprizeincriminology.org/


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Kategorie: Kriminalitätstheorien Tags: Age Graded Theory, Desistance, Developmental Criminology, Glueck Studie, Informelle Soziale Kontrolle, John H. Laub, Kriminalität im Lebensverlauf, Kriminalitätskarrieren, kriminelle Karrieren, Lebensverlaufsforschung, Life Course Criminology, Robert J. Sampson, soziale Bindungen, Turning Points

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