Kurzdefinition
Das Dunkelfeld umfasst alle Straftaten, die nicht polizeilich bekannt oder statistisch erfasst werden.
Ausführliche Erklärung
Als Dunkelfeld wird in der Kriminologie die Gesamtheit der Straftaten bezeichnet, die den Strafverfolgungsbehörden nicht bekannt werden und deshalb nicht in der amtlich registrierten Kriminalität erscheinen. Dem Dunkelfeld steht das Hellfeld gegenüber, also jene Kriminalität, die den zuständigen Institutionen bekannt und statistisch erfasst wird. Beide Bereiche bilden zusammen einen Teil dessen, was als Kriminalitätswirklichkeit bezeichnet werden kann.
Die Unterscheidung ist für die Interpretation von Kriminalstatistiken von grundlegender Bedeutung. Insbesondere die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) bildet nicht die Gesamtheit aller tatsächlich begangenen Straftaten ab, sondern grundsätzlich nur solche Sachverhalte, die der Polizei bekannt geworden sind und von ihr als Straftaten registriert wurden. Veränderungen der registrierten Kriminalität müssen deshalb nicht unmittelbar entsprechenden Veränderungen der tatsächlich stattfindenden Kriminalität entsprechen.
Ob eine Straftat vom Dunkel- in das Hellfeld gelangt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Von besonderer Bedeutung ist das Anzeigeverhalten von Opfern und anderen Personen. Straftaten können beispielsweise aus Scham, Angst vor negativen Konsequenzen, persönlichen Beziehungen zur tatverdächtigen Person, geringer wahrgenommener Schadenshöhe oder mangelndem Vertrauen in Polizei und Justiz nicht angezeigt werden. Auch die Einschätzung, ein Vorfall sei nicht schwerwiegend genug oder eine Anzeige werde ohnehin keinen Erfolg haben, kann eine Rolle spielen.
Daneben beeinflusst die Tätigkeit der Strafverfolgungsbehörden selbst das Verhältnis von Hell- und Dunkelfeld. Bei sogenannten Kontrolldelikten, zu denen beispielsweise zahlreiche Drogendelikte gehören, werden Straftaten häufig erst durch polizeiliche Kontroll- und Ermittlungsmaßnahmen entdeckt. Intensität und Ausrichtung polizeilicher Kontrollen können deshalb erheblichen Einfluss darauf haben, wie viele Fälle im Hellfeld sichtbar werden. Ein Anstieg registrierter Fälle kann in solchen Bereichen auch auf verstärkte Kontrollen zurückzuführen sein und muss nicht notwendig eine entsprechende Zunahme der Kriminalitätswirklichkeit anzeigen.
Die Größe des Dunkelfeldes unterscheidet sich erheblich zwischen verschiedenen Deliktsarten und sozialen Kontexten. Bei Straftaten mit hoher Anzeigewahrscheinlichkeit kann das Dunkelfeld vergleichsweise klein sein, während beispielsweise bei sexualisierter Gewalt, häuslicher Gewalt oder anderen Delikten innerhalb enger sozialer Beziehungen ein erheblicher Teil der Vorfälle den Strafverfolgungsbehörden verborgen bleiben kann. Es gibt deshalb nicht das Dunkelfeld mit einem für alle Formen von Kriminalität einheitlichen Verhältnis zum Hellfeld.
Um Erkenntnisse über nicht registrierte Kriminalität zu gewinnen, verwendet die Dunkelfeldforschung insbesondere Opferbefragungen (Victim Surveys) und Täter- beziehungsweise Selbstberichtsbefragungen (Self-Report Studies). Auch diese Verfahren können die Kriminalitätswirklichkeit jedoch nicht vollständig erfassen. Erinnerungsprobleme, unterschiedliche Interpretationen von Erlebnissen, fehlende Auskunftsbereitschaft oder die Nichterreichbarkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen können die Ergebnisse beeinflussen.
Das Konzept des Dunkelfeldes macht damit deutlich, dass die Kriminalitätswirklichkeit grundsätzlich nur unvollständig beobachtbar ist. Weder amtliche Kriminalstatistiken noch Dunkelfeldstudien bilden sie vollständig ab. Sie eröffnen vielmehr unterschiedliche empirische Zugänge zu Kriminalität, deren jeweilige Entstehungsbedingungen und Grenzen bei der Interpretation berücksichtigt werden müssen.
Theoriebezug
In der Viktimologie und der empirischen Kriminologie wird das Dunkelfeld genutzt, um ein realistischeres Bild von Kriminalität und Opfererfahrungen zu gewinnen.
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