• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen
  • Zur Fußzeile springen

SozTheo

Sozialwissenschaftliche Theorien

  • Soziologie
    • Soziologische Theorien
    • Allgemeine Soziologie
    • Stadtsoziologie
    • Soziologie der Gewalt
    • Polizeigeschichte
    • Seminar: Polizei & Pop
    • Schlüsselwerke der Soziologie
  • Kriminologie
    • Schlüsselwerke der Kriminologie
  • Kriminalitätstheorien
    • Theorienfinder
    • Anomie-/ Druck-Theorien
    • Biologische Kriminalitätstheorien
    • Konflikttheorien
    • Karriere/ Entwicklung/ Lebenslauf
    • Kontrolle
    • Kultur/ Emotion/ Situation
    • Lernen/ Subkultur
    • Rational Choice
    • Sanktionierung
    • Soziale Desorganisation
  • Dossiers
    • Personenregister
    • Medien, Kultur & Kriminalität
    • Forschungsprojekt: Rap & Polizei
    • Cannabis: Artikelserie
    • Mode, Körper und Devianz
    • Studium, Wissenschaft & Beruf
  • Forschung
    • Forschungsdesign
    • Operationalisierung
    • Stichprobe (Sampling)
    • Quantitative Methoden
      • Standardisierte Befragungen
      • Experiment
    • Qualitative Methoden
      • Experteninterview
      • Beobachtung
      • Dokumentenanalyse
      • Inhaltsanalyse
      • Diskursanalyse
      • Grounded Theory
    • Qualitätskriterien für wissenschaftliches Arbeiten
  • Wissenschaftliches Arbeiten
    • Bachelorarbeit Thema finden
    • Systematische Literaturrecherche
    • Exposé schreiben
    • Hausarbeit schreiben
    • Wissenschaftliche Arbeit schreiben
    • APA-Stil zitieren
    • Checkliste wissenschaftliche Arbeit
  • Film- und Serienkanon
  • Glossar
Sie befinden sich hier: Home / Glossar / Polizeikorruption

Polizeikorruption

Kurzdefinition

Polizeikorruption bezeichnet den Missbrauch polizeilicher Befugnisse oder dienstlicher Stellung zum eigenen oder fremden Vorteil.

Ausführliche Erklärung

Polizeikorruption bezeichnet den Missbrauch polizeilicher Befugnisse, Informationen oder dienstlicher Stellung zum eigenen oder fremden Vorteil. Sie stellt eine besondere Form der Korruption dar, weil Polizeibedienstete über hoheitliche Befugnisse verfügen und mit der Durchsetzung von Recht und der Verfolgung von Straftaten betraut sind.

Polizeikorruption kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. Dazu gehören etwa die Annahme von Geld oder anderen Vorteilen, die Weitergabe vertraulicher Informationen, die Manipulation oder Unterdrückung von Beweismitteln, die gezielte Nichtverfolgung von Straftaten oder die Zusammenarbeit mit kriminellen Akteuren. Korruptes Verhalten muss dabei nicht ausschließlich der persönlichen Bereicherung dienen. Vorteile können auch anderen Personen oder Gruppen verschafft oder zur Erreichung dienstlich erwünschter Ziele eingesetzt werden.

Eine wichtige Unterscheidung besteht zwischen individueller und struktureller Korruption. Einzelne Polizeibedienstete können ihre dienstlichen Möglichkeiten eigenständig missbrauchen. Korruption kann jedoch auch durch informelle Normen, gegenseitige Loyalität und organisatorische Praktiken begünstigt oder innerhalb bestimmter Einheiten geduldet werden. Von besonderer Bedeutung ist deshalb die Frage, unter welchen Bedingungen aus individuellem Fehlverhalten ein dauerhaftes oder kollektiv gestütztes Muster werden kann.

Polizeikorruption ist von Polizeigewalt und anderem polizeilichen Fehlverhalten zu unterscheiden. Nicht jede rechtswidrige oder unverhältnismäßige polizeiliche Handlung ist Korruption. Kennzeichnend ist vielmehr der Missbrauch einer dienstlichen Position oder Befugnis zur Erlangung eines Vorteils für sich selbst oder andere. Die verschiedenen Formen polizeilichen Fehlverhaltens können sich in der Praxis allerdings überschneiden.

Die Aufdeckung von Polizeikorruption ist mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Polizeibedienstete verfügen über Kenntnisse polizeilicher Ermittlungsverfahren und können Zugang zu vertraulichen Informationen besitzen. Zugleich können ausgeprägte Loyalitätsnormen innerhalb einer Organisation die Meldung von Fehlverhalten erschweren. In der Polizeiforschung wird in diesem Zusammenhang unter anderem der Code of Silence diskutiert: die informelle Erwartung, Fehlverhalten von Kolleginnen und Kollegen nicht nach außen zu tragen.

Polizeikorruption besitzt besondere gesellschaftliche Bedeutung, weil sie das Verhältnis zwischen staatlicher Macht und rechtsstaatlicher Kontrolle berührt. Polizei verfügt über weitreichende Eingriffsbefugnisse und repräsentiert gegenüber Bürgerinnen und Bürgern unmittelbar die staatliche Rechtsordnung. Werden diese Befugnisse für private, organisationale oder kriminelle Interessen missbraucht, kann dies nicht nur einzelne Betroffene schädigen, sondern auch die Legitimität polizeilichen Handelns und das Vertrauen in staatliche Institutionen beeinträchtigen.

Theoriebezug

Die Analyse von Polizeikorruption ist eng mit der Forschung zu Polizeikultur und Cop Culture verbunden. Polizeiliche Organisationen verfügen neben formalen Regeln über informelle Normen, Loyalitätserwartungen und berufliche Deutungsmuster. Diese können den Zusammenhalt innerhalb einer Gruppe stärken, unter bestimmten Bedingungen aber auch dazu beitragen, dass Fehlverhalten toleriert, gerechtfertigt oder gegenüber Außenstehenden verschwiegen wird.

Aus der Perspektive der Subkulturtheorie lässt sich untersuchen, wie sich innerhalb bestimmter Gruppen Normen entwickeln können, die von den offiziellen Normen der Organisation abweichen. Korruptes Verhalten muss dann nicht ausschließlich als individuelles moralisches Versagen verstanden werden, sondern kann durch Gruppenprozesse erlernt, normalisiert und abgesichert werden. Anschlussfähig ist hier auch die Theorie der differenziellen Assoziation von Edwin H. Sutherland: Einstellungen und Praktiken, die Regelverstöße begünstigen, können in sozialen Interaktionen erlernt und weitergegeben werden.

Eine organisationssoziologische Perspektive richtet den Blick darüber hinaus auf Strukturen, Kontrollmechanismen und Handlungsspielräume innerhalb der Polizei. Korruption kann dort begünstigt werden, wo Beschäftigte über erhebliche Ermessensspielräume verfügen, ihr Handeln nur begrenzt beobachtbar ist und wirksame interne oder externe Kontrollmechanismen fehlen. Damit verbindet sich die Untersuchung individuellen Fehlverhaltens mit der Frage nach den institutionellen Bedingungen, unter denen dieses Verhalten ermöglicht oder begrenzt wird.

Schließlich verweist Polizeikorruption auf das grundlegende Verhältnis von Macht, Legitimität und sozialer Kontrolle. Die Polizei verfügt im Auftrag des Staates über besondere Eingriffsbefugnisse und trägt zur Durchsetzung gesellschaftlicher Normen bei. Der Missbrauch dieser Stellung macht Polizeikorruption deshalb zu einem besonderen Problem rechtsstaatlicher Herrschaft: Kontrolliert werden müssen gerade diejenigen Institutionen, denen selbst weitreichende Kontrollbefugnisse übertragen wurden.

Verwandte Begriffe

Code of Silence Cop Culture Corpsgeist Differenzielle Assoziation Herrschaft Korruption Macht Polizei Soziale Kontrolle Subkulturtheorien

Weiterführende Beiträge

Polizisten stehen mit dem Rücken zur Kamera vor einer mit Graffiti bemalten Hauswand

Cop Culture (Polizei- vs. Polizistenkultur)

Die Polizei steht zunehmend im Spannungsfeld zwischen rechtsstaatlicher Verfahrensbindung und realitätsnaher Einsatzpraxis. In diesem Kontext spielt die sogenannte „Cop Culture“ – die informelle Kultur der Polizistinnen – eine zentrale Rolle: Sie prägt das berufliche Selbstverständnis, Handlungsroutinen und den Umgang mit…

Soziale Netzwerke und Beziehungen als Grundlage der Differential Association Theory nach Edwin H. Sutherland

Theorie der differentiellen Kontakte (Sutherland)

Mit der Theorie der differentiellen Assoziation entwickelte Edwin H. Sutherland eine der einflussreichsten kriminalsoziologischen Lerntheorien des 20. Jahrhunderts. Ihre zentrale Annahme lautet: Kriminalität ist kein angeborenes Merkmal, sondern ein sozial erlerntes Verhalten. Die sogenannte Differential Association Theory gilt heute als Grundlage…

Jugendliche Gruppe in einer urbanen Unterführung – Symbolbild für Jugendsubkulturen und Statusfrustration in der Subkulturtheorie von Albert K. Cohen

Subkulturtheorie (Cohen)

Die Subkulturtheorie von Albert K. Cohen erklärt Jugenddelinquenz als kollektive Reaktion auf soziale Statusprobleme und die daraus entstehende Statusfrustration. Cohen geht davon aus, dass sich Jugendliche – insbesondere Jungen aus benachteiligten sozialen Milieus – zu sogenannten delinquenten Subkulturen zusammenschließen, in denen…

Der Begriff im Film

Zwei New Yorker Polizeibeamte der 1970er Jahre als Symbolbild für Serpico

Serpico (1973)

Spielfilm

Serpico (1973) thematisiert Polizeikorruption nicht nur als individuelles Fehlverhalten, sondern als Problem informeller Normen und kollegialer Loyalität innerhalb der Polizei. Der Film veranschaulicht insbesondere, wie Korruption durch Schweigen und gegenseitige Absicherung stabilisiert werden kann und welche Risiken entstehen, wenn Polizeibedienstete dieses Verhalten öffentlich machen.



← Zur Glossarübersicht

Seitenspalte

Über SozTheo

Prof. Dr. Christian Wickert

Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

→ Zur Profilseite

Beliebte Inhalte

Links

SozTheo.com Logo
SozTheo.com (englisch)
Criminologia Logo
Criminologia Kriminologie-Blog
Krimpedia Logo
Krimpedia

Webseite durchsuchen

Footer

Über SozTheo

SozTheo ist eine Informations- und Ressourcensammlung, die sich an alle an Soziologie und Kriminologie interessierten Leserinnen und Leser richtet.

SozTheo wurde als private Seite von Prof. Dr. Christian Wickert, Dozent für die Fächer Soziologie und Kriminologie an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen, erstellt. Die hier verfügbaren Beiträge und verlinkten Artikel spiegeln nicht die offizielle Meinung, Haltung oder Lehrpläne der HSPV NRW wider.

Impressum & Kontakt

  • Impressum & Datenschutz
  • Sitemap
  • zurück zur Startseite

Partnerseiten

Criminologia – Kriminologie-Blog

Krimpedia

Looking for the English version? Visit soztheo.com

Spread the word


Teile diesen Beitrag
  • teilen 
  • teilen 
  • teilen 
  • E-Mail 

Social Media

Besuche SozTheo auf Facebook

Besuche SozTheo auf Instagram

© 2026 · SozTheo · Admin