Albert Fish

Personenprofil
- Name
- Hamilton Howard "Albert" Fish
- Geboren
- 19.05.1870
- Gestorben
- 16.01.1936
- Land
- USA
Albert Fish (1870–1936), geboren als Hamilton Howard Fish, war ein US-amerikanischer Sexualstraftäter und Mörder, der insbesondere durch die Entführung und Ermordung der zehnjährigen Grace Budd im Jahr 1928 bekannt wurde. Fish gestand mehrere Tötungsdelikte und wurde mit weiteren Verbrechen in Verbindung gebracht. Seine tatsächliche Opferzahl ist jedoch nicht gesichert. Der Fall besitzt vor allem für die Geschichte der forensischen Psychiatrie, die Untersuchung sexualisierter Gewalt gegen Kinder und die mediale Konstruktion des Serienmörders Bedeutung.
Biografie und Verbrechen
Fish wurde 1870 in Washington, D.C., geboren und verbrachte einen Teil seiner Kindheit in einem Waisenhaus. Später arbeitete er als Anstreicher und lebte überwiegend im Raum New York. Seine Biografie war von familiären Konflikten und auffälligen sexuellen Verhaltensweisen geprägt. Rückblickende Darstellungen seiner Persönlichkeit stützen sich allerdings vielfach auf psychiatrische Untersuchungen und Aussagen, die erst nach seiner Festnahme entstanden.
1928 gewann Fish unter falschem Namen das Vertrauen der Familie Budd und nahm deren zehnjährige Tochter Grace unter einem Vorwand mit. Er ermordete das Mädchen und blieb zunächst unentdeckt. Erst 1934 führte ein Brief, den er an die Mutter des Opfers geschickt hatte, die Ermittler auf seine Spur. Nach seiner Festnahme gestand Fish weitere Tötungen, darunter die des zwölfjährigen Francis McDonnell und des vierjährigen Billy Gaffney.
Fish berichtete außerdem von zahlreichen weiteren Gewalttaten und sexuellen Übergriffen. Seine Aussagen enthielten teilweise extreme Schilderungen von Folter, Verstümmelung und Kannibalismus. Da viele dieser Behauptungen nicht unabhängig bestätigt werden konnten, ist zwischen nachgewiesenen Taten, glaubhaften Geständnissen und möglicherweise übertriebenen Selbstdarstellungen zu unterscheiden.
1935 wurde Fish wegen des Mordes an Grace Budd vor Gericht gestellt. Im Mittelpunkt des Verfahrens stand neben der Tatfrage insbesondere seine psychische Verfassung. Die Verteidigung argumentierte, Fish sei aufgrund schwerer psychischer Störungen nicht strafrechtlich verantwortlich. Das Gericht folgte dieser Auffassung nicht. Fish wurde zum Tode verurteilt und am 16. Januar 1936 im Gefängnis Sing Sing auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet.
Kriminologische Bedeutung
Der Fall Albert Fish ist insbesondere für die Geschichte der forensischen Psychiatrie und die Frage nach dem Verhältnis von psychischer Störung und strafrechtlicher Verantwortlichkeit von Bedeutung. Im Strafverfahren wurden seine sexuellen Verhaltensweisen, Selbstverletzungen und weitere psychische Auffälligkeiten ausführlich erörtert. Die psychiatrischen Sachverständigen gelangten jedoch zu unterschiedlichen Bewertungen seiner Schuldfähigkeit.
Damit illustriert der Fall ein grundlegendes Problem der strafrechtlichen Begutachtung: Das Vorliegen schwerer psychischer Auffälligkeiten bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Person zum Tatzeitpunkt unfähig war, das Unrecht ihres Handelns zu erkennen oder entsprechend dieser Einsicht zu handeln. Psychiatrische Diagnosen und rechtliche Schuldfähigkeit sind unterschiedliche Beurteilungsebenen.
Eine weitere Perspektive eröffnet die Untersuchung sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Fish nutzte Vertrauen, Täuschung und die Verletzlichkeit seiner Opfer aus. Seine Verbrechen verdeutlichen damit die Bedeutung von Machtasymmetrien und situativen Gelegenheiten bei der Analyse schwerer Gewalt- und Sexualdelikte.
Schließlich zeigt der Fall die Schwierigkeiten einer wissenschaftlich fundierten Auseinandersetzung mit historischer Serienkriminalität. Fish wurde in populären Darstellungen zu einer nahezu monströsen Figur stilisiert. Dabei werden dokumentierte Verbrechen, psychiatrische Befunde und unbestätigte Täterbehauptungen häufig miteinander vermischt. Der Fall eignet sich deshalb auch zur Untersuchung der medialen Konstruktion extremer Gewalt und der Grenzen retrospektiver Täterdiagnosen.