Glossarbegriff

Forensische Psychiatrie

Begriff & Konzept

Definition

Die forensische Psychiatrie ist ein Teilgebiet der Psychiatrie, das sich mit psychischen Erkrankungen und Störungen im Zusammenhang mit rechtlichen Fragestellungen befasst. Im Strafrecht untersucht sie insbesondere, welche Bedeutung psychische Störungen für die Schuldfähigkeit einer beschuldigten Person haben, wie das Risiko zukünftiger Straftaten einzuschätzen ist und welche psychiatrischen Behandlungsmaßnahmen gegebenenfalls erforderlich sind.

Aufgaben der forensischen Psychiatrie

Eine zentrale Aufgabe ist die psychiatrische Begutachtung im Strafverfahren. Sachverständige untersuchen, ob bei einer beschuldigten Person zum Tatzeitpunkt eine psychische Störung vorlag und ob diese ihre Fähigkeit beeinträchtigte, das Unrecht der Tat einzusehen oder entsprechend dieser Einsicht zu handeln. Die rechtliche Entscheidung über die Schuldfähigkeit trifft das Gericht.

Im deutschen Strafrecht unterscheiden die §§ 20 und 21 StGB zwischen Schuldunfähigkeit und verminderter Schuldfähigkeit. Eine psychiatrische Diagnose führt dabei nicht automatisch zur Annahme einer eingeschränkten strafrechtlichen Verantwortlichkeit. Entscheidend ist, ob die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind und wie sich die betreffende Störung auf die Fähigkeiten der Person zum Tatzeitpunkt ausgewirkt hat.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld ist die Einschätzung des Risikos zukünftiger Straftaten. Hierfür werden unter anderem die individuelle Vorgeschichte, klinische Befunde und empirisch untersuchte Risikofaktoren berücksichtigt. Solche Prognosen sind grundsätzlich mit Unsicherheiten verbunden und erlauben keine zuverlässige Vorhersage einzelner zukünftiger Handlungen.

Maßregelvollzug und kriminologische Bedeutung

Die forensische Psychiatrie ist außerdem an der Behandlung und Betreuung psychisch erkrankter Straftäter im psychiatrischen Maßregelvollzug beteiligt. Nach § 63 StGB kann unter bestimmten Voraussetzungen die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet werden. Anders als eine Freiheitsstrafe dient diese Maßregel insbesondere der Behandlung und der Abwehr weiterer erheblicher Straftaten.

Für die Kriminologie ist die forensische Psychiatrie vor allem an der Schnittstelle zwischen individueller Täterdiagnostik, strafrechtlicher Verantwortlichkeit und gesellschaftlichem Umgang mit gefährlichen Personen relevant. Dabei ist zwischen psychischer Erkrankung und Gewaltkriminalität sorgfältig zu unterscheiden: Die große Mehrheit psychisch erkrankter Menschen begeht keine schweren Gewalttaten.

Ein historisches Beispiel ist der Fall des amerikanischen Mörders Albert Fish. In seinem Strafverfahren von 1935 standen psychiatrische Begutachtungen und unterschiedliche Einschätzungen seiner Schuldfähigkeit im Mittelpunkt. Der Fall illustriert die Schwierigkeiten, psychiatrische Befunde in rechtliche Kategorien der Verantwortlichkeit zu übersetzen.

Film- und Serienkanon

Film-/Serien-Beispiele

Einordnung

Personen

Illustriert durchAlbert Fish
Illustriert durchPeter Kürten

Verwandte Begriffe

Befasst sich mitSchuldfähigkeit
Befasst sich mitMaßregelvollzug