Gary S. Becker

Gary S. Becker, 2008
Gary S. Becker, 2008
MAR, Public domain, via Wikimedia Commons

Personenprofil

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Gary Stanley Becker war ein US-amerikanischer Ökonom und Sozialwissenschaftler, der als einer der einflussreichsten Vertreter der sogenannten ökonomischen Imperialismus gilt. Er war Professor an der University of Chicago, erhielt 1992 den Wirtschaftsnobelpreis und war über Jahrzehnte hinweg ein führender Denker der Chicago School of Economics. Becker wandte wirtschaftswissenschaftliche Denkweisen systematisch auf soziale Phänomene an – darunter Bildung, Familie, Diskriminierung, Drogenkonsum und Kriminalität.

Beckers bekanntester Beitrag zur Kriminologie ist die ökonomische Theorie des Verbrechens, die er 1968 im Aufsatz Crime and Punishment: An Economic Approach formulierte. Er geht davon aus, dass Menschen rational handelnde Akteure sind, die Entscheidungen auf Basis von Kosten-Nutzen-Kalkülen treffen. Kriminalität ist demnach das Ergebnis einer bewussten Abwägung zwischen dem erwarteten Nutzen der Tat und den erwarteten Kosten (z. B. Strafhöhe, Entdeckungswahrscheinlichkeit).

Diese als deterrence-based rational choice theory bekannte Perspektive wurde zum Fundament der ökonomischen Kriminalitätstheorien und beeinflusste maßgeblich die Strafrechtspolitik – etwa in Form von Zero Tolerance oder Broken Windows Policing. Kritisiert wurde Becker jedoch für die Reduktion sozialer Prozesse auf ökonomische Logik und für das Ausblenden struktureller Ungleichheiten.

Schlüsselwerke

  • Becker, G. S. (1968). Crime and Punishment: An Economic Approach. Journal of Political Economy, 76(2), 169–217.

  • Becker, G. S. (1976). The Economic Approach to Human Behavior. University of Chicago Press.

  • Becker, G. S. (1981). A Treatise on the Family. Harvard University Press.