Kurzdefinition
Transitional Justice umfasst rechtliche, politische und gesellschaftliche Maßnahmen zur Aufarbeitung schwerer Menschenrechtsverletzungen nach Diktaturen, Bürgerkriegen oder bewaffneten Konflikten.
Ausführliche Erklärung
Als Transitional Justice werden Maßnahmen bezeichnet, mit denen Gesellschaften nach Diktaturen, Bürgerkriegen oder anderen Phasen massiver Menschenrechtsverletzungen Vergangenheit aufarbeiten und den Übergang zu Frieden und Demokratie gestalten. Ziel ist es, Verantwortung festzustellen, Opfer anzuerkennen und langfristig gesellschaftliche Versöhnung zu ermöglichen.
Zur Transitional Justice gehören strafrechtliche Verfahren ebenso wie Wahrheitskommissionen, Entschädigungsprogramme, institutionelle Reformen oder traditionelle Formen der Konfliktbearbeitung. Welche Instrumente eingesetzt werden, hängt von den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen der jeweiligen Gesellschaft ab.
Im Unterschied zum klassischen Strafrecht verfolgt Transitional Justice nicht ausschließlich das Ziel individueller Bestrafung. Ebenso bedeutsam sind Wahrheitsfindung, gesellschaftliche Anerkennung des erlittenen Unrechts sowie die Verhinderung zukünftiger Gewalt.
Theoriebezug
Transitional Justice verbindet strafrechtliche, politische und sozialwissenschaftliche Perspektiven. Kriminologisch steht die Frage im Mittelpunkt, wie Gesellschaften nach massiver Gewalt Legitimität wiederherstellen und neue rechtsstaatliche Institutionen aufbauen können.
Besondere Bedeutung besitzen Konzepte der Restorative Justice sowie des Reintegrative Shaming. Beide betonen die Bedeutung von Verantwortungsübernahme, Wiedergutmachung und gesellschaftlicher Reintegration gegenüber einer ausschließlich straforientierten Reaktion.
Zu den bekanntesten Beispielen zählen die südafrikanische Wahrheits- und Versöhnungskommission nach dem Ende der Apartheid sowie die ruandischen Gacaca-Gerichte nach dem Genozid von 1994.
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