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Sadismus

Kurzdefinition

Sadismus bezeichnet die Neigung, Freude oder Befriedigung aus der Zufügung von Leid, Schmerz oder Demütigung anderer Menschen zu ziehen. Der Begriff wird sowohl in der Persönlichkeitspsychologie als auch in der Psychiatrie verwendet, jedoch mit unterschiedlicher Bedeutung.

Ausführliche Erklärung

Was ist Sadismus?

Sadismus bezeichnet die Neigung, Freude, Befriedigung oder Lust aus dem Leiden, der Demütigung oder dem Schmerz anderer Menschen zu ziehen. Der Begriff geht auf den französischen Schriftsteller Donatien Alphonse François de Sade (Marquis de Sade) zurück, dessen literarische Werke durch die Verbindung von Sexualität, Gewalt und Machtausübung geprägt waren.

Heute wird Sadismus sowohl in der Persönlichkeitspsychologie als auch in der Psychiatrie verwendet. Während die Psychologie darunter ein Persönlichkeitsmerkmal versteht, beschreibt die Psychiatrie mit der Sexuellen Sadismusstörung eine spezifische Diagnose, die nur unter bestimmten Voraussetzungen gestellt wird.

Häufiges Missverständnis: Sadismus bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Person Straftaten begeht oder psychisch krank ist. Ebenso wenig ist jede grausame oder gewalttätige Handlung Ausdruck einer sadistischen Persönlichkeit.

Sadismus als Persönlichkeitsmerkmal

Die Persönlichkeitspsychologie versteht Sadismus als die Tendenz, anderen Menschen bewusst Schaden zuzufügen oder ihre Demütigung als befriedigend zu erleben. Dieses Merkmal kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und tritt auch außerhalb strafbaren Verhaltens auf.

In der neueren Persönlichkeitsforschung wird Sadismus teilweise gemeinsam mit Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus als Bestandteil der sogenannten Dunklen Tetrade betrachtet. Diese erweitert die Dunkle Triade um sadistische Persönlichkeitsmerkmale.

Sadismus und Kriminalität

In der Kriminologie wird Sadismus vor allem im Zusammenhang mit schwerer Gewaltkriminalität und einzelnen Formen der Sexualkriminalität diskutiert. Ein sadistisches Persönlichkeitsprofil findet sich jedoch nur bei einem sehr kleinen Teil aller Straftäter. Die überwiegende Mehrheit der Gewalt- und Sexualdelikte lässt sich nicht durch Sadismus erklären.

Auch bei Serienmördern wird gelegentlich über sadistische Persönlichkeitszüge diskutiert. Wissenschaftlich besteht jedoch Einigkeit darüber, dass Serienmorde durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren entstehen und nicht auf ein einzelnes Persönlichkeitsmerkmal zurückgeführt werden können.

Sadismus im Alltag

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff häufig verwendet, um besonders grausames oder gefühlloses Verhalten zu beschreiben. Diese alltagssprachliche Verwendung ist deutlich weiter gefasst als die wissenschaftliche Definition und sollte nicht mit einer psychologischen oder psychiatrischen Diagnose gleichgesetzt werden.

Fazit

Sadismus beschreibt die Neigung, Freude am Leiden anderer Menschen zu empfinden. Das Persönlichkeitsmerkmal besitzt insbesondere für die Gewalt- und Kriminalitätsforschung Bedeutung, erklärt strafbares Verhalten jedoch nicht allein.

Theoriebezug

Bezug zu Persönlichkeit und Gewaltkriminalität: Sadistische Persönlichkeitsmerkmale werden insbesondere im Zusammenhang mit schwerer Gewalt- und Sexualkriminalität untersucht. Moderne kriminologische Forschung betrachtet Sadismus jedoch nicht als eigenständige Ursache kriminellen Verhaltens, sondern als einen möglichen individuellen Risikofaktor im Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Einflüsse. Gleichzeitig verweist die Forschung zu abweichendem Verhalten darauf, dass Begriffe wie „sadistisch“ im öffentlichen Diskurs häufig unscharf verwendet und vorschnell zur Charakterisierung von Straftätern eingesetzt werden.

Verwandte Begriffe

Abweichendes Verhalten (Devianz) Antisoziale Persönlichkeitsstörung Dunkle Triade Machiavellismus Narzissmus Psychopath Psychopathie

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Verwandte Filme und Serien

Die folgenden Filme, Serien und Dokumentationen greifen zentrale Aspekte dieses Begriffs auf und veranschaulichen sie anhand konkreter Beispiele. Sie eignen sich als anschauliche Ergänzung zu den wissenschaftlichen Erläuterungen.
Weißer Golfhandschuh auf einem Golfschläger als Symbol für die scheinbar harmlose Fassade der Täter in Funny Games.

Funny Games (1997)

Spielfilm

Funny Games erzählt die Geschichte einer wohlhabenden Familie, die ihren Urlaub in einem abgelegenen Ferienhaus verbringen möchte. Dort werden sie von zwei höflich auftretenden jungen Männern aufgesucht, deren Verhalten zunächst harmlos erscheint. Aus einem scheinbar belanglosen Besuch entwickelt sich jedoch ein grausames Spiel aus Kontrolle, Erniedrigung und Gewalt. Die Täter behandeln ihre Verbrechen wie ein Unterhaltungsspiel und beziehen dabei indirekt auch das Publikum in ihr Spiel ein.

Zerbrochenes Ei als Symbol für Verletzlichkeit und den Verlust von Unversehrtheit im Film „I Spit on Your Grave“ (1978).

I Spit on Your Grave (1978)

Spielfilm

I Spit on Your Grave erzählt die Geschichte der jungen Schriftstellerin Jennifer Hills, die während eines Aufenthalts auf dem Land Opfer einer brutalen Gruppenvergewaltigung wird. Nachdem sie den Angriff überlebt hat, beginnt sie systematisch Rache an ihren Peinigern zu nehmen. Der Film zählt zu den umstrittensten Werken der Filmgeschichte und löste seit seiner Veröffentlichung intensive Debatten über Gewalt, Zensur und die Darstellung sexueller Übergriffe im Kino aus.



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Prof. Dr. Christian Wickert

Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

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