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Machiavellismus

Kurzdefinition

Machiavellismus bezeichnet ein Persönlichkeitsmerkmal, das durch strategisches Denken, Manipulationsbereitschaft und eine starke Orientierung an eigenen Interessen gekennzeichnet ist. Gemeinsam mit Psychopathie und Narzissmus bildet Machiavellismus die sogenannte Dunkle Triade.

Ausführliche Erklärung

Was ist Machiavellismus?

Machiavellismus bezeichnet in der Persönlichkeitspsychologie die Neigung, soziale Beziehungen strategisch zu nutzen, andere Menschen gezielt zu beeinflussen und eigene Ziele auch durch Manipulation oder Täuschung zu verfolgen. Der Begriff geht auf den italienischen Staatsphilosophen Niccolò Machiavelli zurück, dessen Werk Il Principe (Der Fürst) häufig – wenn auch nicht immer zutreffend – mit einer zweckorientierten Machtpolitik in Verbindung gebracht wird.

In der modernen Psychologie beschreibt Machiavellismus jedoch kein politisches Konzept, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal. Menschen mit hohen Machiavellismus-Werten gelten häufig als berechnend, emotional distanziert und besonders geschickt darin, soziale Situationen zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen.

Häufiges Missverständnis: Machiavellismus ist keine psychische Erkrankung und keine psychiatrische Diagnose. Das Konzept beschreibt ein Persönlichkeitsmerkmal, das in unterschiedlicher Ausprägung in der Allgemeinbevölkerung vorkommt.

Machiavellismus und die Dunkle Triade

Gemeinsam mit Psychopathie und Narzissmus bildet Machiavellismus die sogenannte Dunkle Triade. Während Psychopathie vor allem mit Impulsivität und geringer Empathie verbunden wird und Narzissmus durch ein übersteigertes Selbstbild gekennzeichnet ist, steht beim Machiavellismus die strategische Manipulation anderer Menschen im Vordergrund.

Bedeutung für die Kriminologie

Kriminologische Forschung untersucht, ob ausgeprägte machiavellistische Persönlichkeitsmerkmale mit bestimmten Formen normverletzenden oder kriminellen Verhaltens zusammenhängen. Diskutiert werden insbesondere Betrugsdelikte, Korruption, Wirtschaftskriminalität oder andere Formen instrumentellen Handelns. Persönlichkeitsmerkmale allein erklären kriminelles Verhalten jedoch nicht. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenwirken individueller Eigenschaften mit sozialen und situativen Bedingungen.

Machiavellismus im öffentlichen Diskurs

Der Begriff wird häufig verwendet, um besonders machtorientiertes oder manipulatives Verhalten in Politik, Wirtschaft oder zwischenmenschlichen Beziehungen zu beschreiben. Dabei wird Machiavellismus nicht selten als moralisches Urteil verwendet. In der wissenschaftlichen Psychologie dient der Begriff dagegen der Beschreibung eines Persönlichkeitsmerkmals und erlaubt keine unmittelbaren Rückschlüsse auf strafbares oder unethisches Verhalten.

Fazit

Machiavellismus beschreibt die Neigung zu strategischem und manipulativen Verhalten im Umgang mit anderen Menschen. Als Bestandteil der Dunklen Triade stellt das Konzept einen möglichen Einflussfaktor auf normverletzendes Verhalten dar, erklärt Kriminalität jedoch nicht allein.

Theoriebezug

Bezug zu Persönlichkeit und Kriminalität: Machiavellismus gehört zu den Persönlichkeitsmerkmalen, die im Zusammenhang mit abweichendem Verhalten und Kriminalität untersucht werden. Anders als frühe biologische Kriminalitätstheorien, etwa die Arbeiten Cesare Lombrosos, betrachtet die moderne Kriminologie Persönlichkeit nicht als alleinige Ursache kriminellen Handelns. Vielmehr entstehen Straftaten im Zusammenwirken individueller, sozialer und situativer Faktoren.

Verwandte Begriffe

Abweichendes Verhalten (Devianz) Antisoziale Persönlichkeitsstörung Dunkle Triade Narzissmus Psychopath Psychopathie

Weiterführende Beiträge

Cesare Lombroso wird heute mit der Idee vom "geborenen Verbrecher" assoziiert

Lombrosos anthropologische (anthropogenetische) Kriminalitätstheorie

Die anthropologische Kriminalitätstheorie von Cesare Lombroso geht davon aus, dass Kriminalität auf angeborenen körperlichen und psychischen Dispositionen beruht. Im Zentrum steht die Annahme eines atavistischen Verbrechertyps, also eines in der zivilisatorischen Entwicklung zurückgebliebenen Menschen. Merkzettel Der geborene Verbrecher Hauptvertreter: Cesare…

Verwandte Filme und Serien

Die folgenden Filme, Serien und Dokumentationen greifen zentrale Aspekte dieses Begriffs auf und veranschaulichen sie anhand konkreter Beispiele. Sie eignen sich als anschauliche Ergänzung zu den wissenschaftlichen Erläuterungen.
Luxusyacht auf offenem Meer als Symbol für Reichtum, Exzess und die Welt der Finanzelite in The Wolf of Wall Street.

The Wolf of Wall Street (2013)

Spielfilm

Basierend auf den Memoiren des Börsenmaklers Jordan Belfort erzählt The Wolf of Wall Street den rasanten Aufstieg eines Finanzbetrügers, der durch aggressive Verkaufsmethoden, Marktmanipulation und Wertpapierbetrug ein Vermögen verdient. Während Belfort und seine Mitarbeiter in Luxus, Drogenexzessen und maßlosem Konsum schwelgen, geraten ihre Geschäfte zunehmend ins Visier der Strafverfolgungsbehörden. Der Film zeichnet das Bild einer Unternehmenskultur, in der Erfolg wichtiger erscheint als Recht und Moral.

Straßenschild der Wall Street vor der New Yorker Börse – Symbolbild zum Film „Wall Street“ (1987).

Wall Street (1987)

Spielfilm

Wall Street erzählt die Geschichte des ehrgeizigen Nachwuchsbrokers Bud Fox, der unter die Fittiche des erfolgreichen Investors Gordon Gekko gerät. Um beruflich aufzusteigen, überschreitet Fox zunehmend rechtliche und moralische Grenzen und verstrickt sich in Insiderhandel, Marktmanipulation und Betrug. Oliver Stones Film gilt als einer der bekanntesten Wirtschaftsfilme der Filmgeschichte und prägte mit Gordon Gekkos Motto „Greed is good“ das öffentliche Bild einer enthemmten Finanzwelt.



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Prof. Dr. Christian Wickert

Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

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