Definition
Sousveillance (französisch sous, „unter“, und surveillance, „Überwachung“) bezeichnet Formen der Beobachtung und Dokumentation, bei denen Menschen das Handeln mächtiger Institutionen, Organisationen oder Autoritätspersonen aus einer untergeordneten beziehungsweise betroffenen Position heraus sichtbar machen. Der Begriff wurde insbesondere durch den kanadischen Forscher Steve Mann geprägt und wird häufig als „Überwachung von unten“ beschrieben.
Im Unterschied zur klassischen Surveillance, bei der staatliche oder private Institutionen Menschen überwachen, richtet sich Sousveillance auf diejenigen, die selbst über Kontroll- und Überwachungsmacht verfügen. Ein bekanntes Beispiel ist die Dokumentation polizeilicher Maßnahmen durch Bürger:innen mittels Smartphones oder körpernaher Kameras. Solche Aufnahmen können institutionelles Handeln öffentlich überprüfbar machen, Machtmissbrauch dokumentieren und gesellschaftliche Debatten über Verantwortlichkeit und Legitimität auslösen.
Sousveillance ist jedoch nicht grundsätzlich mit Widerstand oder demokratischer Kontrolle gleichzusetzen. Auch die Beobachtung von unten kann Persönlichkeitsrechte verletzen, selektive Darstellungen erzeugen oder zur öffentlichen Bloßstellung einzelner Personen beitragen. Zudem bleiben die Möglichkeiten der Veröffentlichung und Verbreitung häufig von digitalen Plattformen abhängig, deren Betreiber ihrerseits über erhebliche Kontrollmacht verfügen.
In der Überwachungsforschung, Polizeisoziologie und kritischen Kriminologie wird Sousveillance deshalb als ambivalente Form der Gegenbeobachtung diskutiert. Das Konzept erweitert die Analyse gesellschaftlicher Überwachungsverhältnisse um die Frage, wie technische Medien Machtasymmetrien verändern und unter welchen Bedingungen Beobachtung zur Kontrolle institutioneller Autorität beitragen kann.
Einordnung
Verwandte Begriffe
Literatur
- Mann, S., Nolan, J., & Wellman, B. (2003). Sousveillance: Inventing and using wearable computing devices for data collection in surveillance environments. Surveillance & Society, 1(3), 331–355.