Richard Rosenfeld
Personenprofil
- Name: Richard Rosenfeld
- Geburtsjahr: 1948
- Sterbejahr: 2024
- Land: Vereinigte Staaten
- Disziplin(en): Kriminologie, Soziologie
Weitere Informationen
Richard Rosenfeld war ein US-amerikanischer Kriminologe und Soziologe und zählt zu den zentralen Vertretern einer makrostrukturellen und empirisch fundierten Kriminalitätsforschung. Er war langjähriger Professor an der University of Missouri–St. Louis und Präsident der American Society of Criminology. Seine Arbeiten verbinden theoretische Ansätze der Sozialstrukturanalyse mit anspruchsvoller quantitativer Forschung.
Rosenfeld ist insbesondere für seine Weiterentwicklung und empirische Präzisierung der Institutionellen Anomietheorie (Institutional Anomie Theory, IAT) bekannt, die er gemeinsam mit Steven F. Messner maßgeblich geprägt hat. Aufbauend auf Durkheim und Merton argumentiert Rosenfeld, dass hohe Kriminalitätsraten vor allem dort entstehen, wo ökonomische Werte und Marktlogiken andere gesellschaftliche Institutionen – Familie, Bildung, Politik – systematisch dominieren. Kriminalität erscheint damit nicht als individuelles Fehlverhalten, sondern als strukturelles Nebenprodukt kapitalistischer Gesellschaftsordnungen.
Ein weiterer Schwerpunkt Rosenfelds liegt in der Analyse langfristiger Kriminalitätstrends, insbesondere der Entwicklung von Gewaltkriminalität. Er hat entscheidend dazu beigetragen, den Rückgang der Kriminalität seit den 1990er Jahren sowie jüngere Schwankungen kritisch einzuordnen. Dabei wendet er sich gegen einfache Erklärungen wie Polizeitaktiken oder Strafverschärfungen und betont stattdessen ökonomische Ungleichheit, soziale Sicherheit und institutionelle Stabilität als zentrale Einflussfaktoren.
Besonders relevant für SozTheo ist Rosenfelds Rolle als Brückenfigur zwischen Theorie, Empirie und Kriminalpolitik. Seine Arbeiten zeigen exemplarisch, wie kriminologische Theorien quantitativ überprüft und zugleich gesellschaftskritisch interpretiert werden können. Damit steht Rosenfeld für eine Kriminologie, die empirische Strenge mit normativer Sensibilität verbindet – ohne in technokratischen Positivismus abzugleiten.
Schlüsselwerke
- Crime and the American Dream (mit Steven F. Messner, 1994; mehrfach überarbeitet)
- Crime Trends and Economic Conditions (verschiedene Aufsätze)
- Institutional Anomie Theory: Contributions, Challenges, and Directions (mit Steven F. Messner, Sammelband)
- Explaining Crime Trends: Theoretical and Empirical Perspectives (Aufsätze)