• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen
  • Zur Fußzeile springen

SozTheo

Sozialwissenschaftliche Theorien

  • Soziologie
    • Soziologische Theorien
    • Allgemeine Soziologie
    • Stadtsoziologie
    • Soziologie der Gewalt
    • Polizeigeschichte
    • Seminar: Polizei & Pop
    • Schlüsselwerke der Soziologie
  • Kriminologie
    • Schlüsselwerke der Kriminologie
  • Kriminalitätstheorien
    • Theorienfinder
    • Personenregister
    • Anomie-/ Druck-Theorien
    • Biologische Kriminalitätstheorien
    • Konflikttheorien
    • Karriere/ Entwicklung/ Lebenslauf
    • Kontrolle
    • Kultur/ Emotion/ Situation
    • Lernen/ Subkultur
    • Rational Choice
    • Sanktionierung
    • Soziale Desorganisation
  • Dossiers
    • Auditive Kriminologie
    • Cannabis: Artikelserie
    • Mode, Körper und Devianz
  • Empirische Sozialforschung
    • Forschungsdesign
    • Operationalisierung
    • Stichprobe (Sampling)
    • Quantitative Methoden
      • Standardisierte Befragungen
      • Experiment
    • Qualitative Methoden
      • Experteninterview
      • Beobachtung
      • Dokumentenanalyse
      • Inhaltsanalyse
      • Diskursanalyse
      • Grounded Theory
    • Qualitätskriterien für wissenschaftliches Arbeiten
  • Wissenschaftliches Arbeiten
    • Wie erstelle ich eine Hausarbeit/ Bachelorarbeit/ Masterarbeit?
    • Checkliste für Erstellung/ Abgabe wissenschaftlicher Arbeiten
    • Wie schreibe ich eine (sehr) gute Arbeit?
    • Systematische Literaturrecherche
    • Bachelorarbeit Thema finden
    • Wie erstelle ich ein Exposé?
    • Wie zitiere ich richtig im APA-Stil?
  • Glossar
Sie befinden sich hier: Home / Kriminalitätstheorien / Anomie-/ Druck-Theorien / Institutionelle Anomietheorie (IAT) (Messner & Rosenfeld)

Institutionelle Anomietheorie (IAT) (Messner & Rosenfeld)

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2026 | Veröffentlicht: 2. Juni 2018 von Christian Wickert

Nach der Institutionellen Anomietheorie (Institutional Anomie Theory, IAT) entsteht KriminalitätKriminalität bezeichnet gesellschaftlich normierte Handlungen, die gegen das Strafgesetz verstoßen. als Folge eines strukturellen Ungleichgewichts zwischen gesellschaftlichen Institutionen. Besonders problematisch ist eine Dominanz der Wirtschaft über andere gesellschaftliche Bereiche wie Familie, Bildung oder Politik. In solchen Gesellschaften durchdringt die Logik wirtschaftlicher Effizienz zunehmend andere Institutionen, etwa das Bildungssystem oder die Politik. Ein utilitaristisch geprägtes Verhalten der Gesellschaftsmitglieder, eine Abnahme der sozialen KontrolleKontrolle bezeichnet soziale Mechanismen, mit denen Verhalten überwacht, reguliert und an geltende Normen angepasst wird. und ein Anstieg der Kriminalität sind die Folge.

Inhaltsverzeichnis

Toggle
  • Merkzettel
    • Institutionelle Anomietheorie nach Messner und Rosenfeld
  • Die Institutionelle Anomietheorie nach Messner und Rosenfeld
    • Kritische Würdigung & Aktualitätsbezug
  • Kriminalpolitische Implikation der Institutionellen Anomietheorie nach Messner und Rosenfeld
  • Literatur
    • Primärliteratur
    • Sekundärliteratur
    • Weiterführende Informationen
      • Empirische Überprüfung der IAT

Merkzettel

Institutionelle AnomietheorieDie Anomietheorie beschreibt gesellschaftliche Zustände, in denen normative Orientierungen und soziale Regeln ihre Verbindlichkeit verlieren, was zu einem Anstieg von abweichendem Verhalten und Kriminalität führen kann. nach Messner und Rosenfeld

Hauptvertreter: Steven F. Messner und Richard Rosenfeld

Erstveröffentlichung: 1993

Land: USA

Idee/ Annahme: Die Institutionelle Anomietheorie (IAT) aktualisiert anomietheoretische Überlegungen mit Blick auf die moderne US-amerikanische GesellschaftEine Gesellschaft ist ein strukturiertes Gefüge von Menschen, die innerhalb eines geografischen Raumes unter gemeinsamen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen leben und durch institutionalisierte soziale Beziehungen miteinander verbunden sind.. Kriminalität ist nach der IAT Folge der Dominanz der Wirtschaft, der alle anderen gesellschaftlichen Strukturbereiche untergeordnet werden.

Abgrenzungen zu: Die Theorie kann als Erweiterung und Aktualisierung der Anomietheorie nach Merton verstanden werden.

Die Institutionelle Anomietheorie nach Messner und Rosenfeld

Die Institutionelle Anomietheorie (Institutional AnomieZustand der Normlosigkeit, in dem gesellschaftliche Normen und Werte ihre regulierende Wirkung verlieren. Theory, IAT) wurde von Steven F. Messner und Richard Rosenfeld entwickelt und stellt eine Erweiterung Mertons Anomietheorie dar. Messners und Rosenfelds Ansatz geht dabei von einer dem Strukturfunktionalismus entliehenen Gesellschaftsbild aus. Gesellschaft lässt sich demnach in vier institutionelle Strukturbereiche unterteilen:

  1. FamilieFamilie bezeichnet eine soziale Institution, in der Verwandtschafts-, Sorge- und Intimitätsbeziehungen organisiert sind und zentrale Prozesse der Sozialisation stattfinden. (Reproduktion, Pflege/ Unterstützung hilfebedürftiger Personen)
  2. Bildung (Vermittlung von NormenVerhaltensregeln und Erwartungen, die innerhalb einer Gesellschaft oder sozialen Gruppe als verbindlich gelten. und Werten)
  3. Politik (ÜberwachungÜberwachung beschreibt die systematische Sammlung, Beobachtung und Analyse von Informationen über Personen, Gruppen oder Institutionen, meist durch staatliche oder private Akteure., Steuerung kollektiver Ziele)
  4. Wirtschaft (Produktion und Verteilung wirtschaftlicher Güter)

Jede dieser Institutionen kommt eine Funktion zu (siehe Verweis in Klammern). Für ein geregeltes Zusammenleben ist ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen den unterschiedlichen Institutionen in der Gesellschaft entscheidend. Stehen die Institutionen aber in einem starken Ungleichgewicht und können nicht mehr gegenseitig regulierend aufeinander einwirken, verändern sich kollektive Handlungsmotive, WerteGrundlegende Vorstellungen darüber, was in einer Gesellschaft wünschenswert, gut oder erstrebenswert ist. und Ziele und Kriminalität tritt in Erscheinung.

Durch die Überbetonung des ökonomischen Sektors entstehen anomische gesellschaftliche Bedingungen, die die Entstehung von Kriminalität begünstigen. In den 80er Jahren im Zuge des Wunschs nach einem freien Markt kam es zur primären und somit überproportionalen Wirtschaftsförderung, welche ein Ungleichgewicht zu den anderen Institutionen zur Folge hatte. In der Gesellschaft entstand ein ungezügeltes Streben nach finanziellem Gewinn, um dem Druck, Wohlstand zu erreichen, standzuhalten. Die Beziehungen zu den anderen Institutionen werden immer lockerer und deren Normen und Werte nicht mehr erlernt. Der Fokus liegt auf dem Faktor der Ökonomie. Hieraus entsteht eine Orientierungslosigkeit, denn der Schutz der anderen Institutionen entfällt. Die Folge ist eine anomische Kriminalität.

Den Einfluss der Wirtschaft auf andere gesellschaftliche Institutionen beschreiben Messner und Rosenfeld anhand von drei zentralen Mechanismen:

  1. Devaluation
    Entwertung dessen, was nicht in Verbindung mit Geld steht. Z.B. von Bildung Abstand nehmen
  2. Accommodation
    Sektoren, die nicht mit Ökonomie in Berührung kommen, an wirtschaftlichen Effizienzkriterien messen. Universitäten wie Unternehmen
  3. Penetration
    Durchdringung des nicht ökonomischen Sektors mit der Sprache und Logik ökonomischer Effizienz: Wortprägungen aus dem Finanzsektor finden Einzug in Alltagssprache.

Die Dominanz des ökonomischen Sektors findet auch Ausdruck in der Idee des „American Dream“, wonach materielle Erfolgsziele oberste Priorität haben („Vom Tellerwäscher zum Millionär“). Die IAT verbindet damit die anomietheoretische Perspektive Mertons (Überbetonung kultureller Erfolgsziele) mit kontrolltheoretischen Überlegungen zur regulierenden Funktion sozialer Institutionen.
Die Institutionelle Anomietheorie eignet sich besonders zur Erklärung hoher Kriminalitätsraten in Gesellschaften, in denen wirtschaftlicher Erfolg eine dominante kulturelle Leitnorm darstellt. Sie wird daher häufig zur Analyse der vergleichsweise hohen GewaltGewalt bezeichnet die absichtliche Anwendung körperlicher oder psychischer Kraft zur Schädigung von Personen oder Dingen.- und Eigentumskriminalität in den USA herangezogen.

Kritische Würdigung & Aktualitätsbezug

Der ökonomische Sektor findet auch in der heutigen Zeit eine starke Betonung. Aus heutiger Perspektive erscheint damit die Forderung von Messner und Rosenfeld nicht mehr als ein Wunschdenken und mahnender Appell an die Politik der meisten westlichen Länder zu sein. Vielerorts stehen die Gesellschaften unter dem Diktat der Wirtschaft und neoliberaler Gesellschaftsordnungen. Mit DuldungEine Duldung ist eine vorübergehende Aussetzung der Abschiebung bei ausreisepflichtigen Ausländern in Deutschland. der Politik vermeiden milliardenschwere börsennotierte Unternehmen Steuern zu entrichten, die als Staatseinnahmen für Investitionen in Sozialsysteme fehlen. Disruption (lateinisch: disrumpere – zerreißen, zerbrechen, zerschlagen) – also die Zerschlagung alter Geschäftsmodelle wird zum Maß aller Dinge – ungeachtet des Erhalts von Arbeitsplätzen, dem Einfluss von Gewerkschaften und tradierten Geschäftsbeziehungen.
In den USA steht ein (erfolgreicher) Geschäftsmann an der Spitze des Staates, der sich damit brüstet das Land analog zu einem Wirtschaftsunternehmen führen zu können. Millionen Wähler sind offenbar bereit, dieses Versprechen nicht nur abzunehmen sondern auch erhebliche Einschnitte in das Sozialsystem (z.B. Krankenversicherung) in Kauf zu nehmen.
Während sich global die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander bewegt, verspricht die Werbung InklusionInklusion bezeichnet das Prinzip der gleichberechtigten Teilhabe aller Menschen an den gesellschaftlichen Prozessen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Behinderung oder sozialem Status. aller durch Konsum, der auf Raten finanziert auch den Mittellosen Anschluss an den Mittelstand vorgaukelt.

Kriminalpolitische Implikation der Institutionellen Anomietheorie nach Messner und Rosenfeld

Messner & Rosenfelds Ausführungen zur Anomietheorie lassen auf eine Strategie zur Kriminalitätsreduzierung schließen. Die Bevölkerung müsse demnach mit einem gut ausgebauten ökonomischen Sicherheitsnetz (Sozialhilfe, Rente, Pensionen, gut ausgebautes Gesundheitssystem) ausgestattet werden, so dass man sich mit einem geringeren ökonomischen Status als Andere zufrieden geben würde.

Denkbar ist zudem eine politische und massenmediale Betonung der Sektoren Familie, Bildung und Politik, um die in der Gesellschaft verankerte Überbetonung des Wirtschaftssektors auszugleichen und den Menschen somit andere Lebenszwecke als nur rein ökonomische zu geben.

Literatur

Primärliteratur

  • Messner, S.; Rosenfeld, R. (1993). Crime and the American Dream (1. Auflage). Belmont: Wadsworth.
  • Messner, S.; Rosenfeld, R. (2009). Institutional Anomie Theory: A Macro-sociological Explanation of Crime. In: Handbook on Crime and Deviance. Handbooks of Sociology and Social Research, Part 2, SpringerLink, S. 209-224.
  • Messner, S. (2003). Sozialstruktur und Anomie. An institutional Anomie Theory of crime: Continuities and elaborations in the study of social structure and anomie. In: Oberwittler, D./Karstedt, S. (Hrsg.): Soziologie der Kriminalität. S.93-109.
  • Messner, S.; Rosenfeld, R. (1996). An Institutional Anomie Theory of the Social Distribution of Crime. In: P. Cordella, L. Siegel (Hrsg.): Readings in Comtemporary Criminological Theory. Boston, S. 143-148.

Sekundärliteratur

  • Vito, G./Maahs, J./Holmes, R. (2007): Criminology. Theory, Research, and Policy. S. 158-160.
  • Larry J. Siegel 2009: Criminology (10th edition). Thomson Wadsworth; S.177-178.

Weiterführende Informationen

Theorie, Kritik, empirische Bewährungsprüfung und Fortentwicklung im Zusammenhang einer empirischen Studie zum Haftverlauf von Gefangenen des Jugendstrafvollzugs. –Forschungsprojekt Max-Planck-Institut (1979-1997)

http://www.mpicc.de/ww/de/pub/forschung/forschungsarbeit/kriminologie/archiv/anomietheorien.htm

Empirische Überprüfung der IAT

  • Chamlin, M. B.; Cochtan, J. (2007). An evaluation of the assumptions that underlie institutional anomie theory. Theoretical Criminology 11(1), S. 39-61.
  • Hirtenlehner, H./ Bacher, J. / Oberwittler, D. / Hummelsheim, D. / Jackson, J. (2010). Kultur, Institutionen und Kriminalität. Eine Prüfung der Institutionellen Anomietheorie mit Viktimisierungsdaten aus Europa. In: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform, 93(4), S. 274 – 299.
YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden


Teile diesen Beitrag
  • teilen 
  • teilen 
  • teilen 
  • E-Mail 

Verwandte Beiträge:

  • Druckanzeiger als Symbolbild für Drucktheorien (engl. strain) oder Anomietheorien
    Anomie-/ Druck-Theorien
  • Detailansicht von Kriminologiebüchern zur Erklärung kriminologischer Kriminalitätstheorien
    Kriminalitätstheorien
  • schematische Darstellung von Turning Points im Lebenslauf analog zur Kriminalitätstheorie von Sampson & Laub
    Age-Graded Theory of Crime (Sampson & Laub) – Turning Points
  • Ausschnitt aus einer Straßenkarte von Philadelphia.
    Code of the Street (Anderson)

Kategorie: Kriminalitätstheorien Tags: American Dream, Anomie und Drucktheorien, Crime and the American Dream, Institutional Anomie Theory, Institutionelle Anomietheorie, Kriminalitätstheorien, Richard Rosenfeld, soziale Institutionen, Steven F. Messner, Strukturfunktionalismus, Wirtschaft und Kriminalität

Seitenspalte

Lektionen

  • Anomiebegriff
    Émile Durkheim
  • Anomietheorie
    Robert K. Merton
  • General Strain Theory
    Robert Agnew
  • Institutionelle Anomietheorie
    Steven F. Messner & Richard Rosenfeld
  • Quiz zu Anomietheorien

Footer

Über SozTheo

SozTheo ist eine Informations- und Ressourcensammlung, die sich an alle an Soziologie und Kriminologie interessierten Leserinnen und Leser richtet.

SozTheo wurde als private Seite von Prof. Dr. Christian Wickert, Dozent für die Fächer Soziologie und Kriminologie an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen, erstellt. Die hier verfügbaren Beiträge und verlinkten Artikel spiegeln nicht die offizielle Meinung, Haltung oder Lehrpläne der HSPV NRW wider.

Impressum & Kontakt

  • Impressum & Datenschutz
  • Sitemap
  • zurück zur Startseite

Partnerseiten

Criminologia – Kriminologie-Blog

Krimpedia

Looking for the English version? Visit soztheo.com

Spread the word


Teile diesen Beitrag
  • teilen 
  • teilen 
  • teilen 
  • E-Mail 

Social Media

Besuche SozTheo auf Facebook

Besuche SozTheo auf Instagram

© 2026 · SozTheo · Admin