Mr. Robot (2015–2019)

Mr. Robot (2015–2019) erzählt die Geschichte des jungen IT-Sicherheitsexperten Elliot Alderson, der für das Cybersecurity-Unternehmen Allsafe arbeitet und zugleich als Hacker in die digitalen Leben anderer Menschen eindringt. Über den geheimnisvollen Mr. Robot gerät er an die Hackergruppe fsociety, die einen Angriff auf den mächtigen Technologiekonzern E Corp plant. Ziel der Gruppe ist es, die bei E Corp gespeicherten Schuldendaten zu zerstören und damit eine radikale Umverteilung wirtschaftlicher Macht herbeizuführen. Der erfolgreiche Angriff löst jedoch weitreichende gesellschaftliche und politische Folgen aus und zieht Elliot immer tiefer in ein Geflecht aus Hacktivismus, Wirtschaftsmacht, Überwachung und internationaler Cyberkriminalität.

Film- / Serienprofil

Kriminologische Relevanz

Mr. Robot (2015–2019) verbindet Cybercrime, soziale Ungleichheit, Wirtschaftsmacht und politische Devianz. Im Zentrum steht der Hacker Elliot Alderson, der zunächst einzelne Personen digital überwacht und schließlich Teil einer Bewegung wird, die durch einen massiven Cyberangriff die gesellschaftliche Ordnung verändern will. Hacking erscheint damit nicht ausschließlich als instrumentelle Kriminalität zur persönlichen Bereicherung, sondern zugleich als Form politisch und moralisch begründeter Regelverletzung.

Besonders interessant ist die Darstellung von Hacktivismus und Selbstjustiz. Elliot nutzt seine technischen Fähigkeiten wiederholt, um Personen zu überwachen, Informationen über sie zu sammeln und von ihm als schädlich bewertetes Verhalten aufzudecken oder zu sanktionieren. Dabei übernimmt er Funktionen, die in rechtsstaatlichen Ordnungen Polizei und Justiz vorbehalten sind. Die Serie stellt damit die Frage, ob subjektiv als gerecht empfundene Ziele rechtswidrige Mittel legitimieren können – und wer in digitalen Räumen überhaupt darüber entscheidet, welche Formen von Überwachung und Kontrolle gerechtfertigt sind.

Eine zweite Ebene bildet die Kritik an ökonomischer Macht und sozialer Ungleichheit. E Corp erscheint als nahezu allgegenwärtiger Konzern, dessen wirtschaftlicher Einfluss weit über gewöhnliche Marktbeziehungen hinausreicht. Der von fsociety geplante Angriff auf die Schuldendaten soll diese Machtordnung zerstören und Millionen Menschen von ihren finanziellen Verpflichtungen befreien. Die Folgen verdeutlichen jedoch die Ambivalenz revolutionärer Devianz: Die Zerstörung bestehender Institutionen beseitigt gesellschaftliche Ungleichheit nicht automatisch und kann neue Formen von Unsicherheit, Abhängigkeit und Herrschaft hervorbringen.

Zugleich macht Mr. Robot die gesellschaftliche Bedeutung digitaler Überwachung und informationeller Macht sichtbar. Menschen hinterlassen kontinuierlich Daten, aus denen sich Beziehungen, Gewohnheiten und Geheimnisse rekonstruieren lassen. Wer Zugang zu diesen Informationen besitzt, verfügt über erhebliche Möglichkeiten der Kontrolle und Manipulation. Überwachung ist dabei keineswegs ausschließlich staatlich organisiert. Unternehmen, Hacker, Geheimdienste und Einzelpersonen konkurrieren um Daten und technische Infrastrukturen und verwischen dadurch die traditionelle Unterscheidung zwischen staatlicher und privater Kontrolle.

Kriminologisch bemerkenswert ist schließlich die fortwährende Verschiebung der Kategorien von Täter, Opfer und Kontrollinstanz. Hacker bekämpfen Unternehmen, Unternehmen überwachen ihre Nutzer und Beschäftigten, staatliche Akteure verfolgen Hacker und nutzen zugleich selbst digitale Überwachungsinstrumente. Die Serie zeigt Cybercrime dadurch weniger als isolierte neue Deliktsform denn als Ausdruck einer Gesellschaft, in der wirtschaftliche und politische Macht zunehmend von der Kontrolle über Daten, Netzwerke und technische Infrastrukturen abhängt.

Bildquelle:
Dark99 hacker, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser