Kurzdefinition
Die Age-Graded Theory erklärt kriminelles Verhalten als lebensverlaufsabhängigen Prozess, der durch soziale Bindungen und Wendepunkte beeinflusst wird.
Ausführliche Erklärung
Die Age-Graded Theory of Informal Social Control wurde von Robert J. Sampson und John H. Laub entwickelt und gehört zu den einflussreichsten Ansätzen der modernen Lebensverlaufs-Kriminologie. Sie geht davon aus, dass kriminelles Verhalten nicht statisch ist, sondern sich über den Lebensverlauf hinweg verändern kann. Entscheidend sind dabei informelle soziale Bindungen – etwa an Familie, Arbeit oder Partnerschaft –, die je nach Lebensphase unterschiedlich stark wirken.
Zentrale Annahme ist, dass sogenannte Turning Points (z. B. stabile Erwerbsarbeit, Ehe, Militärdienst) bestehende kriminelle Karrieren unterbrechen oder beenden können. Kriminalität wird damit nicht primär durch frühe Sozialisation oder Persönlichkeitsmerkmale erklärt, sondern durch die Einbettung in soziale Strukturen im Erwachsenenalter.
Theoriebezug
Lebensverlaufs-Kriminologie; Kontrolltheorie (Weiterentwicklung nach Hirschi); Desistenzforschung