Robert J. Sampson

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Robert J. Sampson (*1956) ist ein US-amerikanischer Soziologe und Kriminologe, der zu den einflussreichsten Vertretern der modernen Kriminologie und Stadtsoziologie zählt. Bekannt wurde er zunächst durch die gemeinsam mit John H. Laub entwickelte Age-Graded Theory of Informal Social Control, die Kriminalität als dynamischen Prozess im Lebensverlauf versteht. Später prägte er mit seinen Arbeiten zu Collective Efficacy, Nachbarschaftseffekten und urbaner Ungleichheit die moderne Forschung zur Sozialen Desorganisation maßgeblich.

Im Mittelpunkt der Age-Graded Theory steht die Annahme, dass kriminelles Verhalten über den Lebensverlauf hinweg nicht linear, sondern von sozialen Bindungen und biografischen Wendepunkten abhängig verläuft. Sampson und Laub zeigen, dass Institutionen wie Familie, Erwerbsarbeit, Partnerschaft oder Militärdienst als sogenannte Turning Points wirken können, die selbst langjährige kriminelle Karrieren unterbrechen oder beenden. Kriminalität wird damit weder biologisch noch frühsozial deterministisch erklärt, sondern als grundsätzlich veränderbarer Prozess verstanden.

Darüber hinaus zählt Sampson zu den wichtigsten Vertretern der modernen Stadt- und Nachbarschaftsforschung. Gemeinsam mit Stephen W. Raudenbush und Felton Earls entwickelte er die Theorie der Collective Efficacy. Diese erklärt Unterschiede in der Kriminalitätsbelastung von Stadtteilen durch das Zusammenspiel von sozialem Vertrauen und informeller sozialer Kontrolle. Seine Forschungen zeigen, dass Kriminalität nicht allein von Armut oder sozialer Benachteiligung abhängt, sondern wesentlich davon beeinflusst wird, wie handlungsfähig Nachbarschaften als soziale Gemeinschaften sind.

Besondere Bedeutung erlangte dabei das Project on Human Development in Chicago Neighborhoods (PHDCN), das zu den einflussreichsten empirischen Untersuchungen der modernen Kriminologie zählt. Die daraus hervorgegangenen Arbeiten lieferten wichtige Erkenntnisse über den Zusammenhang von Segregation, sozialer Ungleichheit, Nachbarschaftsstrukturen und Kriminalität.

Sampsons Werk verbindet damit Lebensverlaufsforschung, Kontrolltheorien, Stadtsoziologie und Sozialstrukturanalyse. Seine Arbeiten bilden bis heute eine zentrale Grundlage für die Forschung zu Desistenz, sozialer Kontrolle, Nachbarschaftseffekten und Kriminalprävention und zählen zu den meistzitierten Beiträgen der zeitgenössischen Kriminologie.

Schlüsselwerke

  • Crime in the Making (1993, mit John H. Laub)
  • Neighborhoods and Violent Crime: A Multilevel Study of Collective Efficacy (1997, mit Raudenbush & Earls)
  • Great American City: Chicago and the Enduring Neighborhood Effect (2012)