Kurzdefinition
Ideologie bezeichnet ein System von Vorstellungen, Werten und Deutungen, das gesellschaftliche Verhältnisse erklärt, legitimiert oder kritisiert und dabei häufig Macht- und Herrschaftsverhältnisse stabilisiert.
Ausführliche Erklärung
Ideologien strukturieren Wahrnehmung und Deutung der sozialen Welt. Sie bieten scheinbar kohärente Antworten auf Fragen nach Ordnung, Gerechtigkeit und Identität und blenden dabei alternative Sichtweisen oft systematisch aus. In der kritischen Tradition (Marx, Frankfurter Schule, Cultural Studies) wird Ideologie als „verzerrte“ oder „selektive“ Sicht verstanden, die Herrschaftsverhältnisse verschleiert, naturalisiert oder moralisch auflädt. Im kriminalpolitischen Kontext zeigt sich Ideologie etwa in „Law-and-Order“-Diskursen, in rassistischen Deutungsmustern oder in neoliberalen Sicherheitsnarrativen, die Strafverschärfung als alternativlos darstellen.
Theoriebezug
Zentral in der Kritischen Theorie, im Marxismus, in den Cultural Studies und der kritischen Kriminologie; wichtig bei Marx, Gramsci, Adorno/Horkheimer, Hall, Wacquant u. a.