Kurzdefinition
Hegemonie bezeichnet die stabile, aber umkämpfte Vorherrschaft bestimmter Gruppen oder Deutungen, die nicht nur auf Zwang, sondern vor allem auf Zustimmung und Alltagsüberzeugungen basiert.
Ausführliche Erklärung
Nach Antonio Gramsci beruht Hegemonie darauf, dass herrschende Gruppen ihre Interessen als allgemeine, „vernünftige“ und „natürliche“ Ordnung darstellen und dafür aktive Zustimmung gewinnen. Diese Vorherrschaft wird in Institutionen, Medien, Alltagskultur und Sprache reproduziert. Im kriminalsoziologischen Kontext erklärt Hegemonie etwa, warum bestimmte Vorstellungen von Kriminalität, Sicherheit oder „gefährlichen Gruppen“ als selbstverständlich gelten, obwohl sie politisch umkämpft sind. Auch rassistische oder klassistische Strafpolitiken können hegemonial verankert sein, wenn sie in Medien, Politik und Alltagserfahrungen ständig bestätigt werden.
Theoriebezug
Gramsci, Cultural Studies (Hall), Kritische Kriminologie, Diskurstheorie; wichtig für Analysen von Strafdiskursen, Law-and-Order-Politik und Neoliberalismus.