The Wolf of Wall Street (2013)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: The Wolf of Wall Street
- Deutscher Titel: The Wolf of Wall Street
- Erscheinungsjahr: 2013
- Land: USA
- Regie / Creator / Showrunner: Martin Scorsese
- Medium: Spielfilm
- Laufzeit / Umfang: 180 Minten
- Schwerpunkte: Gericht, Recht und Justiz
Kriminologische Relevanz
The Wolf of Wall Street gehört zu den bekanntesten filmischen Darstellungen von Wirtschaftskriminalität und illustriert eindrucksvoll, dass Kriminalität keineswegs nur in sozial benachteiligten Milieus entsteht. Im Mittelpunkt stehen hochgebildete und finanziell erfolgreiche Akteure, die Straftaten nicht aus Not, sondern aus Gewinnstreben, Statuskonkurrenz und Gier begehen.
Besonders interessant ist die Darstellung der Unternehmenskultur. Kriminelles Verhalten erscheint nicht als individuelles Fehlverhalten einzelner Personen, sondern als kollektiv akzeptierte und sogar belohnte Praxis innerhalb einer Organisation. Der Film zeigt damit zentrale Einsichten der White-Collar-Crime-Forschung: Straftaten können auch dort entstehen, wo gesellschaftliche Anerkennung, wirtschaftlicher Erfolg und sozialer Status bereits vorhanden sind.
Kriminologisch lässt sich der Film eng mit Edwin Sutherlands Konzept der Wirtschaftskriminalität verbinden. Sutherland kritisierte die Vorstellung, Kriminalität sei vor allem ein Problem sozial benachteiligter Gruppen, und machte auf die oft erheblichen Schäden aufmerksam, die durch Straftaten wirtschaftlicher Eliten verursacht werden. The Wolf of Wall Street veranschaulicht diese Perspektive eindrucksvoll.
Darüber hinaus bietet der Film zahlreiche Anknüpfungspunkte zu Rational-Choice-Ansätzen und Neutralisierungstechniken. Die Beteiligten rechtfertigen ihr Handeln häufig mit wirtschaftlichem Erfolg, persönlicher Freiheit oder den vermeintlichen Spielregeln des Marktes. Gleichzeitig verdeutlicht der Film, wie Gruppendynamiken und Organisationskulturen moralische Grenzen verschieben können.
Bemerkenswert ist zudem die ambivalente Wirkung des Films. Obwohl Betrug, Manipulation und Korruption im Zentrum stehen, werden die Täter charismatisch und oftmals unterhaltsam dargestellt. Dadurch wirft der Film selbst Fragen auf, die auch die Cultural Criminology beschäftigen: Warum üben bestimmte Täterfiguren gesellschaftliche Faszination aus? Und weshalb erscheinen manche Formen von Kriminalität attraktiver als andere?
Kriminologische Einordnung
Kriminalitätstheorien
Rational Choice Theory
Theorie der differentiellen Kontakte (Sutherland)
Neutralisierungsthese (Sykes und Matza)
Cultural Criminology
Schlüsselwerke
Edwin H. Sutherland – White Collar Crime (1949)
Richard Quinney – Class, State, and Crime (1977)