John L. Scotson
Personenprofil
- Name: John L. Scotson
- Geburtsjahr: 1930
- Sterbejahr: 2012
- Land: Vereinigtes Königreich
- Disziplin(en): Soziologie, Stadtsoziologie
Weitere Informationen
John L. Scotson war ein britischer Soziologe, der vor allem durch seine enge Zusammenarbeit mit Norbert Elias bekannt wurde. Internationale Bedeutung erlangte er als Ko-Autor des Klassikers The Established and the Outsiders (1965), einer empirisch fundierten Studie über Macht, Status und soziale Ausgrenzung in einer englischen Vorstadtsiedlung („Winston Parva“). Scotson war maßgeblich an der Feldforschung, Datenerhebung und empirischen Auswertung beteiligt und trug entscheidend zur soziologischen Präzision des Werkes bei.
Gemeinsam mit Elias entwickelte Scotson das Konzept der Etablierten-Außenseiter-Figuration, das soziale Ungleichheit nicht primär über ökonomische Klassen, sondern über Machtbalancen, Gruppenkohäsion, Moralzuschreibungen und Stigmatisierungsprozesse erklärt. Zentrale These ist, dass etablierte Gruppen ihre dominante Position durch symbolische Abwertung, Gerüchte, moralische Überlegenheit und kollektive Selbstidealisierung sichern, während Außenseitergruppen internalisierte Stigmata entwickeln.
Für Kriminologie und Polizeiforschung ist Scotsons Arbeit besonders relevant, weil sie zeigt, wie Devianz, Kriminalitätszuschreibungen und soziale Kontrolle gruppendynamisch entstehen, ohne dass objektiv höhere Normabweichungen vorliegen müssen. Das Werk bildet eine wichtige theoretische Brücke zwischen Figurationssoziologie, Labeling Approach, Stigmatisierung und Stadtsoziologie.
Schlüsselwerke
- The Established and the Outsiders (mit Norbert Elias, 1965)