Peter Kürten

Personenprofil
- Name
- Peter Kürten
- Geboren
- 26.05.1883
- Gestorben
- 02.07.1931
- Land
- Deutschland
Peter Kürten (1883–1931) war ein deutscher Serienmörder, der durch eine Reihe schwerer Gewalt- und Sexualverbrechen im Rheinland bekannt wurde. Die zwischen 1929 und 1930 begangenen Taten versetzten insbesondere Düsseldorf in Angst und Schrecken. Kürten wurde als „Vampir von Düsseldorf“ bezeichnet und 1931 wegen neun Morden zum Tode verurteilt. Sein Fall zählt zu den bekanntesten Kriminalfällen der Weimarer Republik und wurde Gegenstand umfangreicher kriminalpsychologischer Untersuchungen.
Biografie und Verbrechen
Peter Kürten wurde am 26. Mai 1883 in Mülheim am Rhein geboren. Er wuchs in schwierigen familiären und wirtschaftlichen Verhältnissen auf und geriet bereits als Jugendlicher wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt. In den folgenden Jahrzehnten verbrachte er längere Zeiträume in Haft. Schon vor der späteren Mordserie hatte er schwere Gewalttaten begangen.
Besondere Bekanntheit erlangte Kürten durch eine Serie von Angriffen, Sexualdelikten und Tötungsdelikten, die sich vor allem zwischen Februar 1929 und November 1929 im Raum Düsseldorf ereigneten. Seine Opfer waren Frauen, Männer und Kinder unterschiedlichen Alters. Kürten verwendete verschiedene Tatmittel, darunter Messer, Scheren und Hämmer. Die wechselnden Vorgehensweisen erschwerten es der Polizei zunächst, die Taten einem einzigen Täter zuzuordnen.
Die Verbrechen lösten eine intensive öffentliche Fahndung aus. Zeitungen berichteten ausführlich über die Ermittlungen, während zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung bei der Polizei eingingen. Die Bezeichnung „Vampir von Düsseldorf“ entstand im Zusammenhang mit Kürtens Gewalttaten und seinen späteren Schilderungen über das Trinken von Blut.
Im Mai 1930 wurde Kürten festgenommen, nachdem seine Ehefrau der Polizei entscheidende Informationen übermittelt hatte. Während der anschließenden Ermittlungen gestand er zahlreiche Verbrechen. Im April 1931 verurteilte ihn das Düsseldorfer Schwurgericht wegen neun Morden und weiterer Straftaten zum Tode. Am 2. Juli 1931 wurde er in Köln hingerichtet.
Kriminologische Bedeutung
Der Fall Kürten besitzt besondere Bedeutung für die Geschichte der Kriminalpsychologie und forensischen Psychiatrie. Der Psychiater Karl Berg führte umfangreiche Gespräche mit Kürten, die 1932 unter dem Titel Der Sadist veröffentlicht wurden. Die Untersuchung dokumentiert einen frühen Versuch, die Biografie, die sexuellen Vorstellungen und die Tatmotive eines Serienmörders systematisch zu erfassen.
Von besonderem Interesse ist dabei das Verhältnis zwischen psychischer Auffälligkeit und strafrechtlicher Schuldfähigkeit. Obwohl Kürtens Taten durch extreme Gewalt und sexualisierte Motive gekennzeichnet waren, wurde er als strafrechtlich verantwortlich beurteilt. Der Fall verdeutlicht, dass die Feststellung einer psychischen Störung nicht automatisch die Aufhebung der Schuldfähigkeit bedeutet.
Eine weitere Perspektive betrifft die mediale Konstruktion des Serienmörders. Die intensive Berichterstattung über die Düsseldorfer Mordserie trug dazu bei, Kürten zu einer überregional bekannten Täterfigur zu machen. Die öffentliche Aufmerksamkeit konzentrierte sich dabei stark auf die vermeintliche Monstrosität des Täters, während die Opfer und ihre Lebensgeschichten häufig in den Hintergrund traten.
Schließlich ist der Fall auch für die Geschichte polizeilicher Ermittlungen bedeutsam. Die Fahndung verdeutlicht die Schwierigkeiten, räumlich und zeitlich verteilte Gewalttaten als zusammenhängende Serie zu erkennen. Zugleich zeigt sie, welche Bedeutung der Zusammenarbeit verschiedener Ermittlungsstellen, der Auswertung von Hinweisen und der öffentlichen Kommunikation bei der Aufklärung schwerer Gewaltverbrechen zukommt.
Peter Kürten gilt als eine der historischen Inspirationsquellen für Fritz Langs Film M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931). Die Filmfigur Hans Beckert ist jedoch keine unmittelbare Darstellung Kürtens, sondern verarbeitet Motive verschiedener zeitgenössischer Kriminalfälle.
Werk & Wirkung
Wichtigste Publikationen
- Berg, K. (1932). Der Sadist: Der Fall Peter Kürten. Berlin: Kriminalistik-Verlag.