M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: M - Eine Stadt sucht einen Mörder
- Deutscher Titel: M - Eine Stadt sucht einen Mörder
- Erscheinungsjahr: 1931
- Land: Deutschland
- Regie / Creator / Showrunner: Fritz Lang
- Medium: Spielfilm
- Laufzeit / Umfang: 117 Minuten
- Schwerpunkte: Serienmord und Gewalt
Kriminologische Relevanz
M – Eine Stadt sucht einen Mörder zählt zu den bedeutendsten Filmen der Kriminalgeschichte und gilt als Meilenstein des deutschen Kinos. Fritz Lang verbindet den Serienmörderfilm mit grundlegenden Fragen nach Schuld, Verantwortung und gesellschaftlicher Reaktion auf schwere Kriminalität. Der Film war seiner Zeit weit voraus und greift zahlreiche Themen auf, die bis heute die Kriminologie beschäftigen.
Bemerkenswert ist darüber hinaus die Darstellung kriminalpolizeilicher Ermittlungsarbeit. M zeigt zahlreiche kriminalistische Verfahren, die Anfang der 1930er-Jahre als modern galten und heute zum Standard polizeilicher Ermittlungen gehören. Dazu zählen systematische Tatortarbeit, Handschriftenvergleiche, Fingerabdruckanalysen, umfangreiche Fahndungsmaßnahmen sowie die enge Zusammenarbeit verschiedener Polizeidienststellen. Der Film vermittelt damit ein eindrucksvolles Bild der kriminalistischen Professionalisierung während der Weimarer Republik, in der sich viele heute selbstverständliche Ermittlungsmethoden erst etablierten. Gleichzeitig verdeutlicht er, dass auch moderne kriminalistische Verfahren an ihre Grenzen stoßen können und selbst umfangreiche Fahndungsmaßnahmen nicht zwangsläufig zur schnellen Aufklärung schwerer Straftaten führen.
Die anhaltenden erfolglosen Ermittlungen haben schließlich eine unerwartete Folge: Auch die organisierte Kriminalität beginnt nach dem Täter zu suchen, weil die intensiven Polizeikontrollen ihre eigenen illegalen Geschäfte beeinträchtigen. Der Film zeigt damit eindrucksvoll, wie unterschiedliche Formen sozialer Kontrolle nebeneinander bestehen und miteinander konkurrieren.
Besonders bemerkenswert ist das von der Unterwelt organisierte „Gericht“ über Hans Beckert. In dieser Schlüsselszene prallen rechtsstaatliche Prinzipien und Selbstjustiz unmittelbar aufeinander. Während die Unterwelt den Täter sofort hinrichten möchte, fordert ein Verteidiger ein rechtsstaatliches Verfahren und verweist auf Beckerts psychische Erkrankung. Damit stellt der Film grundlegende Fragen nach Schuldfähigkeit, Verantwortlichkeit und dem Verhältnis von Strafe und Vergeltung.
Darüber hinaus zeichnet M ein frühes Bild öffentlicher Kriminalitätsfurcht. Gerüchte, Verdächtigungen und moralische Panik breiten sich in der Bevölkerung aus und führen dazu, dass Unbeteiligte unter Generalverdacht geraten. Der Film verdeutlicht damit, wie spektakuläre Gewaltverbrechen gesellschaftliche Unsicherheit erzeugen und soziale Kontrollmechanismen verstärken können.
Kriminologisch ist M – Eine Stadt sucht einen Mörder deshalb weit mehr als ein Serienmörderfilm. Er behandelt die Grenzen staatlicher Strafverfolgung, die Entstehung informeller Kontrolle, Fragen der Schuldfähigkeit sowie den Konflikt zwischen Vergeltung und Rechtsstaatlichkeit. Gerade diese Vielschichtigkeit macht ihn bis heute zu einem der wichtigsten Filme der Kriminologie.
Kriminologische Einordnung
Kriminalitätstheorien
Labelling – primäre und sekundäre Devianz (Lemert)
Kontrolle
Cultural Criminology
Narrative Criminology
Schlüsselwerke
Lombrosos anthropologische (anthropogenetische) Kriminalitätstheorie
Michel Foucault – Überwachen und Strafen (1975)