Kurzdefinition
Bratwa (russisch: братва, „Bruderschaft“) ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für die russische bzw. postsowjetische Organisierte Kriminalität und ihre kriminellen Netzwerke.
Ausführliche Erklärung
Der Begriff Bratwa (russisch: братва, „Bruderschaft“) bezeichnet umgangssprachlich die russische beziehungsweise postsowjetische Organisierte Kriminalität. Anders als die italienische Mafia handelt es sich dabei nicht um eine einheitliche Organisation, sondern um ein Netzwerk verschiedener krimineller Gruppen und Familienverbände, die ihren Ursprung vor allem in Russland sowie den Staaten der ehemaligen Sowjetunion haben.
Die Wurzeln der Bratwa reichen bis in die sowjetische Gefängniskultur zurück. Insbesondere die sogenannten Wory w Sakone („Diebe im Gesetz“) entwickelten einen eigenen Ehrenkodex, strenge Loyalitätsregeln und interne Hierarchien, die bis heute Teile der russischen Organisierten Kriminalität prägen.
Kriminelle Aktivitäten der Bratwa umfassen unter anderem Drogenhandel, Waffenhandel, Menschenhandel, Geldwäsche, Schutzgelderpressung, Cyberkriminalität sowie Wirtschaftskriminalität. Viele Gruppen agieren transnational und verfügen über Verbindungen nach Europa, Nordamerika und Asien. Ihre Organisationsstrukturen gelten häufig als flexibel und anpassungsfähig.
Obwohl der Begriff „Bratwa“ in Medien und Popkultur häufig synonym für die russische Mafia verwendet wird, handelt es sich nicht um eine einzelne Organisation mit zentraler Führung, sondern um einen Sammelbegriff für unterschiedliche kriminelle Netzwerke.
Theoriebezug
Die Bratwa verdeutlicht, dass Organisierte Kriminalität häufig auf informellen sozialen Netzwerken, Vertrauen und persönlichen Loyalitäten beruht. Die Theorie der differentiellen Kontakte (Sutherland) erklärt, wie kriminelle Normen innerhalb enger sozialer Beziehungen vermittelt werden. Gleichzeitig zeigt die Bratwa, wie transnationale Netzwerke nationale Grenzen überwinden und sich flexibel an politische sowie wirtschaftliche Veränderungen anpassen können.
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