Kurzdefinition
Die Mara Salvatrucha (MS-13) ist eine transnationale Straßengang, die in den USA entstand und heute vor allem in El Salvador, Honduras, Guatemala, Mexiko und den Vereinigten Staaten aktiv ist.
Ausführliche Erklärung
Die Mara Salvatrucha (MS-13) ist eine transnationale kriminelle Gruppierung, die Anfang der 1980er Jahre von salvadorianischen Migranten in Los Angeles gegründet wurde. Ursprünglich diente die Gang dem Schutz junger Migranten in einem von rivalisierenden Straßengangs geprägten Umfeld. Im Laufe der Zeit entwickelte sie sich jedoch zu einer international agierenden kriminellen Organisation mit Ablegern in zahlreichen Staaten Mittel- und Nordamerikas.
Die Ausbreitung der MS-13 wurde maßgeblich durch die Abschiebung straffällig gewordener Gangmitglieder aus den USA nach Mittelamerika begünstigt. Dort trafen sie auf fragile staatliche Strukturen, soziale Ungleichheit und weit verbreitete Gewalt. In diesem Umfeld entstanden neue Ableger der Gang, die heute unter anderem in El Salvador, Honduras und Guatemala erheblichen Einfluss ausüben.
Zu den typischen Deliktsfeldern der Mara Salvatrucha zählen Schutzgelderpressung, Drogenhandel, Waffenhandel, Menschenhandel, Auftragsmorde und Erpressung. Die Gang ist für ihre hohe Gewaltbereitschaft bekannt und nutzt Einschüchterung sowie symbolische Rituale, Tätowierungen und strenge Loyalitätsregeln zur Festigung ihrer Gruppenidentität.
Kriminologisch nimmt die MS-13 eine Zwischenstellung zwischen Straßengang und Organisierter Kriminalität ein. Während lokale Cliquen häufig relativ autonom handeln, bestehen zugleich transnationale Verbindungen und gemeinsame Identitätsmerkmale, die die Mara Salvatrucha zu einer der bekanntesten kriminellen Gruppierungen der Gegenwart machen.
Theoriebezug
Die Mara Salvatrucha lässt sich besonders gut mit der Subkulturtheorie (Cohen), der Theorie der differentiellen Gelegenheiten (Cloward & Ohlin) sowie der Theorie der differentiellen Kontakte (Sutherland) erklären. Die Gang bietet Zugehörigkeit, Anerkennung und Schutz in sozial benachteiligten Lebenslagen. Gleichzeitig werden Gewalt, Loyalität und kriminelle Handlungsmuster innerhalb der Gruppe erlernt und stabilisiert. Auch die Soziale Desorganisation liefert Erklärungsansätze für die Entstehung solcher Gangs in sozial belasteten Stadtvierteln.
Verwandte Begriffe
Weiterführende Beiträge
Theorie der differentiellen Kontakte (Sutherland)
Mit der Theorie der differentiellen Assoziation entwickelte Edwin H. Sutherland eine der einflussreichsten kriminalsoziologischen Lerntheorien des 20. Jahrhunderts. Ihre zentrale Annahme lautet: Kriminalität ist kein angeborenes Merkmal, sondern ein sozial erlerntes Verhalten. Die sogenannte Differential Association Theory gilt heute als Grundlage…
Theorie der differentiellen Gelegenheiten (Cloward & Ohlin)
Die Theorie der differentiellen Gelegenheiten von Richard Cloward und Lloyd Ohlin verbindet Elemente der Anomie-, Lern- und Subkulturtheorien mit Überlegungen der sozialen Desorganisation. Ihre zentrale Erweiterung besteht in der Annahme, dass nicht nur legale, sondern auch illegale Gelegenheitsstrukturen sozial ungleich…
Subkulturtheorie (Cohen)
Die Subkulturtheorie von Albert K. Cohen erklärt Jugenddelinquenz als kollektive Reaktion auf soziale Statusprobleme und die daraus entstehende Statusfrustration. Cohen geht davon aus, dass sich Jugendliche – insbesondere Jungen aus benachteiligten sozialen Milieus – zu sogenannten delinquenten Subkulturen zusammenschließen, in denen…
Soziale Desorganisation (Shaw & McKay)
Die Theorie der sozialen Desorganisation ist auch bekannt unter den Namen Social Ecology, Ökologischer Ansatz, Kriminalökologie, Area Approach, kulturelle Transmission. Soziale Raumtheorien gehen davon aus, dass Kriminalität nicht zufällig über den städtischen Raum verteilt ist. In bestimmten Stadtgebieten treten dauerhaft…
Verwandte Filme und Serien
Sin Nombre
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