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Sekundärgruppe

Kurzdefinition

Bezeichnet eine soziale Gruppe, deren Mitglieder vor allem durch bestimmte Aufgaben, Zwecke oder soziale Rollen miteinander verbunden sind.

Ausführliche Erklärung

Als Sekundärgruppe wird eine soziale Gruppe bezeichnet, deren Mitglieder vor allem durch bestimmte Aufgaben, gemeinsame Zwecke oder soziale Rollen miteinander verbunden sind. Typische Beispiele sind Arbeitsgruppen, Vereine, politische Organisationen oder andere Zusammenschlüsse, in denen die Beziehungen zwischen den Mitgliedern zunächst auf bestimmte Tätigkeiten oder Ziele ausgerichtet sind.

Im Unterschied zur Primärgruppe beruhen die Beziehungen innerhalb einer Sekundärgruppe weniger auf persönlicher Nähe und emotionaler Verbundenheit. Mitglieder begegnen sich häufig vor allem in bestimmten sozialen Rollen, beispielsweise als Kolleginnen und Kollegen, Vereinsmitglieder oder Angehörige einer Organisation. Die Beziehungen können deshalb stärker durch Regeln, Zuständigkeiten und Erwartungen strukturiert sein.

Sekundärgruppen können größer und arbeitsteiliger organisiert sein als Primärgruppen. Die Mitglieder müssen sich nicht alle persönlich kennen, und ihre Zugehörigkeit kann auf bestimmte Lebensbereiche oder Zeiträume beschränkt bleiben. Entscheidend ist jedoch nicht die Größe einer Gruppe, sondern die Art der Beziehungen zwischen ihren Mitgliedern.

Die Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärgruppen ist idealtypisch. Auch innerhalb einer Sekundärgruppe können enge persönliche Beziehungen und Freundschaften entstehen. Umgekehrt können Beziehungen innerhalb von Primärgruppen unterschiedlich intensiv ausgeprägt sein. Eine ursprünglich zweckorientierte Gruppe kann daher zugleich primärgruppenartige Beziehungen zwischen einzelnen Mitgliedern hervorbringen.

Theoriebezug

Die Unterscheidung zwischen Primärgruppe und Sekundärgruppe knüpft an die klassische Gruppensoziologie an. Während Charles Horton Cooley mit dem Begriff der Primärgruppe insbesondere enge und persönliche Beziehungen hervorhob, bezeichnet der Begriff Sekundärgruppe stärker zweck- und rollenbezogene soziale Zusammenschlüsse.

Die Unterscheidung verdeutlicht, dass soziale Gruppen unterschiedliche Formen der Beziehung zwischen ihren Mitgliedern hervorbringen können. In Primärgruppen stehen persönliche Nähe, emotionale Bindung und umfassendere Beziehungen im Vordergrund. Sekundärgruppen beruhen dagegen stärker auf bestimmten Rollen, Aufgaben oder gemeinsamen Zielen. Das Handeln der Mitglieder wird deshalb häufig stärker durch festgelegte Erwartungen, Regeln oder Zuständigkeiten strukturiert.

Primär- und Sekundärgruppen bilden dabei keine sich gegenseitig ausschließenden Kategorien. Die Unterscheidung ist idealtypisch und bezieht sich auf die jeweils vorherrschende Form sozialer Beziehungen. Innerhalb einer Organisation, eines Vereins oder einer Arbeitsgruppe können sich beispielsweise persönliche Beziehungen entwickeln, die Merkmale einer Primärgruppe aufweisen.

Verwandte Begriffe

Bezugsgruppe Familie Normen Peer Group Primärgruppe Rolle Soziale Beziehungen Soziale Rolle Sozialisation Werte

Weiterführende Beiträge

Vier Spielfiguren in abgestuften Schwarz-Weiß-Tönen als Symbol für soziale Gruppen, Zugehörigkeit und Unterschiede innerhalb einer Gemeinschaft.

Soziologie der Gruppe

Was ist eine soziale Gruppe? Der Beitrag erklärt Definition, Gruppentypen, Dynamiken wie Konformität und Groupthink sowie die Bedeutung von Gruppen in Soziologie und Polizeipraxis. Der Mensch ist ein soziales Wesen – er wird in Gruppen geboren, lebt in Gruppen und…

Sozialisation

Sozialisation bezeichnet den Prozess, durch den Individuen zu handlungsfähigen Mitgliedern einer Gesellschaft werden. Sie lernen dabei nicht nur soziale Regeln und Normen kennen, sondern entwickeln auch Haltungen, Werte, Fähigkeiten und Identitäten, die für das Zusammenleben in der Gesellschaft notwendig sind.…

Der Begriff im Film

Fünf unterschiedliche Stühle nebeneinander vor einer dunklen Wand

The Breakfast Club (1985)

Spielfilm

The Breakfast Club (1985) erzählt von fünf Jugendlichen, die an einem Samstag gemeinsam in ihrer Highschool nachsitzen müssen. Auf den ersten Blick könnten sie unterschiedlicher kaum sein: Claire gilt als beliebte „Prinzessin“, Andrew als erfolgreicher Sportler, Brian als leistungsorientierter „Streber“, Allison als unangepasste Außenseiterin und Bender als rebellischer Problemjugendlicher. Im Verlauf des Tages geraten die Jugendlichen miteinander in Konflikt, beginnen jedoch zunehmend, die wechselseitigen Zuschreibungen und Erwartungen zu hinterfragen. Dabei zeigt sich, dass hinter den scheinbar eindeutigen sozialen Typen komplexere Identitäten und unterschiedliche familiäre und soziale Erwartungen stehen.



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Prof. Dr. Christian Wickert

Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

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