The Handmaid's Tale: Der Report der Magd (2017–2025)
The Handmaid’s Tale spielt in der dystopischen Republik Gilead, einem totalitären Regime, das auf dem Gebiet der ehemaligen Vereinigten Staaten entstanden ist. Angesichts stark gesunkener Geburtenraten errichtet die neue Ordnung eine religiös legitimierte Gesellschaft, in der Frauen weitgehend ihrer politischen, wirtschaftlichen und persönlichen Rechte beraubt und entsprechend ihrer zugeschriebenen gesellschaftlichen Funktion in unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden.
Im Mittelpunkt steht June Osborne, die aufgrund ihrer Fruchtbarkeit als sogenannte Handmaid einem hochrangigen Funktionär und dessen Ehefrau zugewiesen wird. Ihre Aufgabe besteht darin, für das Paar ein Kind auszutragen. Die Serie begleitet June bei ihrem Versuch, unter den Bedingungen umfassender sozialer Kontrolle zu überleben, ihre Familie wiederzufinden und sich zunehmend dem Regime von Gilead zu widersetzen.
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: The Handmaid's Tale
- Erscheinungsjahr: 2017–2025
- Land: USA
- Regie / Creator / Showrunner: Bruce Miller
- Medium: Serie
- Laufzeit / Umfang: 6 Staffeln, 66 Episoden
- Schwerpunkte:
Kriminologische Relevanz
Aus soziologischer Perspektive ist The Handmaid’s Tale insbesondere als Darstellung einer Gesellschaft interessant, in der Herrschaft, soziale Kontrolle und soziale Ungleichheit institutionell miteinander verbunden sind. Gilead organisiert die Bevölkerung über klar definierte soziale Positionen, denen unterschiedliche Rechte, Pflichten und Handlungsmöglichkeiten zugeordnet werden. Geschlecht, Fruchtbarkeit und politische Stellung bestimmen dabei wesentlich die Position eines Menschen innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung.
Besonders deutlich thematisiert die Serie die Institutionalisierung patriarchaler Herrschaft. Frauen werden rechtlich und wirtschaftlich abhängig gemacht, aus zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen und entsprechend ihrer zugeschriebenen Funktionen kategorisiert. Die Handmaids werden dabei auf ihre reproduktive Funktion reduziert. Schwangerschaft und Fortpflanzung erscheinen nicht mehr als private Angelegenheiten, sondern werden Gegenstand staatlicher Regulierung und Kontrolle.
Gileads Herrschaft beruht zugleich auf einem umfassenden System formeller und informeller sozialer Kontrolle. Gesetze, Überwachung, öffentliche Bestrafungen und staatliche Gewalt werden durch religiöse Normen, Rituale, Kleidungsvorschriften, Sprache und gegenseitige Beobachtung ergänzt. Die Serie zeigt damit, wie Herrschaft nicht ausschließlich durch unmittelbaren Zwang stabilisiert wird, sondern auch dadurch, dass gesellschaftliche Normen in alltägliche Routinen und soziale Beziehungen eingebettet werden.
Kriminologisch interessant ist insbesondere die Frage nach dem Verhältnis von Recht, Macht und Devianz. Handlungen wie Flucht, verbotene Beziehungen, Lesen oder politische Opposition werden innerhalb Gileads als schwere Normverletzungen beziehungsweise Straftaten behandelt. Die Serie macht dadurch besonders anschaulich, dass die Definition von Kriminalität von gesellschaftlichen Machtverhältnissen und der jeweiligen Rechtsordnung abhängig ist. Recht erscheint nicht automatisch als Begrenzung staatlicher Herrschaft, sondern kann selbst zu einem Instrument der Unterdrückung werden.
Eine besondere Aktualität erhält die Serie durch gegenwärtige gesellschaftliche Debatten über Geschlechterrollen, Geburtenraten und reproduktive Selbstbestimmung. Sinkende Geburtenraten haben insbesondere in den USA neue pronatalistische Diskurse ausgelöst, während sogenannte Tradwife-Bewegungen traditionelle Vorstellungen von Ehe, Mutterschaft und geschlechtlicher Arbeitsteilung propagieren. Zugleich hat die Aufhebung des bundesverfassungsrechtlich garantierten Rechts auf Abtreibung durch die Entscheidung Dobbs v. Jackson Women’s Health Organization die politische Auseinandersetzung um reproduktive Rechte erheblich verschärft. The Handmaid’s Tale erlaubt es, diese Entwicklungen nicht als unmittelbare Vorstufen der fiktionalen Gesellschaft Gileads zu verstehen, sondern grundlegender nach dem Verhältnis von individueller Selbstbestimmung, gesellschaftlichen Geschlechternormen, demografischen Interessen und staatlicher Regulierung von Reproduktion zu fragen.
Schließlich thematisiert The Handmaid’s Tale Widerstand gegen autoritäre Herrschaft. Individuelle Regelverletzungen entwickeln sich teilweise zu kollektivem und organisiertem Widerstand. Die Serie ermöglicht deshalb auch eine Analyse der Bedingungen, unter denen Menschen gesellschaftliche Normen befolgen, sich ihnen entziehen oder bestehende Herrschaftsordnungen offen infrage stellen.
Bildquelle:
Moshe Shalit – משה שליט, CC BY 3.0 , via Wikimedia Commons
Icewizie, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons
Kriminologische Einordnung
Schlüsselwerke