Kurzdefinition
Biopolitik bezeichnet die Form politischer Macht, die auf die Regulierung und Steuerung des Lebens von Menschen und Bevölkerungen abzielt.
Ausführliche Erklärung
Der Begriff wurde vor allem durch den französischen Philosophen Michel Foucault geprägt. Biopolitik beschreibt eine Form der Machtausübung, die nicht primär durch Repression, sondern durch die Regulierung von Leben, Körpern und Bevölkerungen wirkt. Sie umfasst Maßnahmen wie Gesundheits- und Hygienepolitiken, Geburtenkontrolle, Sexualmoral, Überwachung und Sicherheitsgesetze.
Im Kontext der Kriminologie macht die Biopolitik deutlich, dass „Kriminalität“ nicht nur eine Frage individueller Taten ist, sondern auch ein Produkt gesellschaftlicher Ordnungsvorstellungen. Welche Handlungen kriminalisiert oder toleriert werden, hängt von politischen Interessen, normativen Vorstellungen und Machtverhältnissen ab. So war etwa männliche Homosexualität in Deutschland über Jahrzehnte strafbar, während weibliche gleichgeschlechtliche Beziehungen nie rechtlich verfolgt wurden – ein Beispiel für geschlechtsspezifische und politische Konstruktionen von Devianz.
Theoriebezug
Biopolitik ist ein Schlüsselbegriff der foucaultschen Theorie. Sie steht in engem Zusammenhang mit Konzepten wie Gouvernementalität, Macht und sozialer Kontrolle. Auch in der Queer Criminology und im Abolitionismus spielt sie eine wichtige Rolle, etwa bei der Kritik an der Kriminalisierung von Sexualität oder deviantem Verhalten.