Kurzdefinition
Partnerschaftsgewalt bezeichnet körperliche, psychische, sexuelle, soziale oder wirtschaftliche Gewalt zwischen aktuellen oder ehemaligen Intimpartnern.
Ausführliche Erklärung
Partnerschaftsgewalt umfasst alle Formen von Gewalt, die innerhalb bestehender oder beendeter Paarbeziehungen ausgeübt werden. Dazu zählen körperliche Übergriffe, Bedrohungen, Beleidigungen, Demütigungen, sexuelle Gewalt, Kontrolle sozialer Kontakte, finanzielle Kontrolle sowie Formen digitaler Überwachung oder Nachstellung (Stalking).
Im Gegensatz zur häuslichen Gewalt bezieht sich Partnerschaftsgewalt ausschließlich auf Gewalt zwischen Intimpartnern. Der Begriff ist dabei unabhängig von Familienstand, Geschlecht oder sexueller Orientierung. Partnerschaftsgewalt kann in heterosexuellen wie gleichgeschlechtlichen Beziehungen auftreten und endet häufig nicht mit der Trennung. Gerade Trennungsphasen gelten als besonders konflikt- und gewaltträchtig.
Kriminologisch wird Partnerschaftsgewalt als eigenständiges Deliktfeld untersucht, da sie sich in wichtigen Aspekten von Gewalt zwischen Fremden unterscheidet. Kennzeichnend sind wiederkehrende Gewaltmuster, emotionale Bindungen zwischen Täter und Opfer, Macht- und Kontrollstrategien sowie ein hohes Dunkelfeld. Viele Betroffene erstatten aus Angst, Scham, wirtschaftlicher Abhängigkeit oder emotionaler Verbundenheit keine Anzeige.
Partnerschaftsgewalt steht seit den 1970er Jahren im Zentrum feministischer Kriminologie und Viktimologie. Die Forschung zeigt, dass Frauen deutlich häufiger schwere und wiederholte Formen von Partnerschaftsgewalt erleben, während Männer häufiger Opfer situativer oder weniger schwerwiegender Gewaltformen werden. Gleichzeitig betonen neuere Ansätze die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung aller Betroffenengruppen.
Theoriebezug
Partnerschaftsgewalt ist ein zentrales Forschungsfeld der Feministischen Kriminologie, Viktimologie und Gewaltforschung. Analysiert werden insbesondere Macht- und Kontrollverhältnisse, geschlechtsspezifische Viktimisierungsrisiken, Täter-Opfer-Dynamiken sowie institutionelle Reaktionen von Polizei, Justiz und Opferschutzeinrichtungen.
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