Kurzdefinition
Patriarchat bezeichnet ein gesellschaftliches Herrschaftssystem, in dem Männer strukturell dominante Positionen innehaben und Frauen systematisch benachteiligt werden.
Ausführliche Erklärung
Der Begriff Patriarchat beschreibt soziale Ordnungen, in denen Macht, Autorität und Ressourcen überwiegend Männern zugeschrieben werden. Diese Dominanz zeigt sich auf unterschiedlichen Ebenen – in Familie, Politik, Wirtschaft, Recht, Religion und Kultur. Patriarchale Strukturen sind dabei nicht auf individuelle Einstellungen reduzierbar, sondern institutionell verankert und historisch gewachsen.
In der Familie äußert sich Patriarchat klassisch in männlicher Entscheidungsgewalt, geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung und der Kontrolle über weibliche Sexualität und Reproduktion. In modernen Gesellschaften wirkt Patriarchat oft subtiler, etwa durch rechtliche Ungleichheiten, symbolische Abwertungen, Gewaltverhältnisse oder ungleiche Zugänge zu Machtpositionen.
In der Kriminologie ist der Patriarchatsbegriff zentral für das Verständnis geschlechtsspezifischer Gewalt, der Kontrolle weiblicher Devianz, der Konstruktion von Kriminalität sowie für feministische Kritik an Strafrecht und Strafverfolgung.
Theoriebezug
Der Patriarchatsbegriff ist zentral in der Feministischen Soziologie und Kriminologie (u. a. Carol Smart, Frances Heidensohn), in der Geschlechterforschung, in marxistischen und herrschaftssoziologischen Ansätzen sowie in intersektionalen Theorien.