Kurzdefinition
Positivismus bezeichnet eine wissenschaftstheoretische Position, die davon ausgeht, dass nur empirisch beobachtbare, messbare und überprüfbare Tatsachen als gültiges Wissen gelten.
Ausführliche Erklärung
Der Positivismus entstand im 19. Jahrhundert im Kontext der naturwissenschaftlichen Erfolge und wurde maßgeblich durch Auguste Comte geprägt. Er fordert, gesellschaftliche Phänomene nach dem Vorbild der Naturwissenschaften zu untersuchen: objektiv, wertfrei und kausal erklärend. Metaphysische, normative oder subjektive Deutungen werden dabei bewusst ausgeklammert.
In der Soziologie und Kriminologie führte der Positivismus zu einem starken Fokus auf Statistik, Messbarkeit und Ursachenforschung. Soziale Probleme wie Kriminalität wurden als objektiv bestimmbare Phänomene verstanden, deren Ursachen – biologisch, psychologisch oder sozial – identifiziert und technisch bearbeitet werden können. Kritiker bemängeln, dass der Positivismus soziale Bedeutungen, Machtverhältnisse und normative Fragen systematisch ausblendet.
Theoriebezug
Positivismus (Comte), Strukturfunktionalismus, Positivistische Kriminologie (Lombroso, Ferri)