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Transitional Justice

Kurzdefinition

Transitional Justice umfasst rechtliche, politische und gesellschaftliche Maßnahmen zur Aufarbeitung schwerer Menschenrechtsverletzungen nach Diktaturen, Bürgerkriegen oder bewaffneten Konflikten.

Ausführliche Erklärung

Als Transitional Justice werden Maßnahmen bezeichnet, mit denen Gesellschaften nach Diktaturen, Bürgerkriegen oder anderen Phasen massiver Menschenrechtsverletzungen Vergangenheit aufarbeiten und den Übergang zu Frieden und Demokratie gestalten. Ziel ist es, Verantwortung festzustellen, Opfer anzuerkennen und langfristig gesellschaftliche Versöhnung zu ermöglichen.

Zur Transitional Justice gehören strafrechtliche Verfahren ebenso wie Wahrheitskommissionen, Entschädigungsprogramme, institutionelle Reformen oder traditionelle Formen der Konfliktbearbeitung. Welche Instrumente eingesetzt werden, hängt von den politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen der jeweiligen Gesellschaft ab.

Im Unterschied zum klassischen Strafrecht verfolgt Transitional Justice nicht ausschließlich das Ziel individueller Bestrafung. Ebenso bedeutsam sind Wahrheitsfindung, gesellschaftliche Anerkennung des erlittenen Unrechts sowie die Verhinderung zukünftiger Gewalt.

Theoriebezug

Transitional Justice verbindet strafrechtliche, politische und sozialwissenschaftliche Perspektiven. Kriminologisch steht die Frage im Mittelpunkt, wie Gesellschaften nach massiver Gewalt Legitimität wiederherstellen und neue rechtsstaatliche Institutionen aufbauen können.

Besondere Bedeutung besitzen Konzepte der Restorative Justice sowie des Reintegrative Shaming. Beide betonen die Bedeutung von Verantwortungsübernahme, Wiedergutmachung und gesellschaftlicher Reintegration gegenüber einer ausschließlich straforientierten Reaktion.

Zu den bekanntesten Beispielen zählen die südafrikanische Wahrheits- und Versöhnungskommission nach dem Ende der Apartheid sowie die ruandischen Gacaca-Gerichte nach dem Genozid von 1994.

Verwandte Begriffe

Genozid Restorative Justice Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Weiterführende Beiträge

Gemeinschaft und Reintegration als Prinzip der Reintegrative Shaming Theory nach John Braithwaite

Reintegrative Shaming (Braithwaite)

Unter Shaming versteht John Braithwaite soziale Reaktionen auf deviantes Verhalten, die darauf abzielen, beim Täter Scham auszulösen. Braithwaite unterscheidet zwei grundsätzlich unterschiedliche Formen der Beschämung. Beim desintegrativen Shaming wird nicht nur die Tat missbilligt, sondern die Person selbst dauerhaft stigmatisiert…

Hund beobachtet aus einem Fenster – Sinnbild für informelle soziale Kontrolle und soziale Beobachtung im Alltag

Sanktionen und soziale Kontrolle: Formen, Funktionen und Bedeutung

Gesellschaften funktionieren nicht allein deshalb, weil Menschen Gesetze kennen oder moralische Werte teilen. Soziale Ordnung entsteht auch dadurch, dass normgerechtes Verhalten belohnt und Normverletzungen sanktioniert werden. Wer sich an gesellschaftliche Erwartungen hält, erhält häufig Anerkennung, Vertrauen oder soziale Zugehörigkeit. Wer…

Verwandte Filme und Serien

Die folgenden Filme, Serien und Dokumentationen greifen zentrale Aspekte dieses Begriffs auf und veranschaulichen sie anhand konkreter Beispiele. Sie eignen sich als anschauliche Ergänzung zu den wissenschaftlichen Erläuterungen.
Eingangsschild des Hôtel des Mille Collines in Kigali, bekannt als Schauplatz des Films Hotel Rwanda (2004).

Hotel Rwanda (2004)

Spielfilm

Während des Völkermords in Ruanda im Jahr 1994 nutzt der Hotelmanager Paul Rusesabagina seine Stellung und sein diplomatisches Geschick, um mehr als tausend Menschen vor den Massakern zu schützen. Der Film erzählt die Geschichte einer außergewöhnlichen Zivilcourage inmitten des Zusammenbruchs staatlicher Ordnung.

The Act of Killing

Dokumentation


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Prof. Dr. Christian Wickert

Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

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