The Act of Killing (2012)

The Act of Killing ist eine außergewöhnliche Dokumentation über die Massenmorde in Indonesien nach dem Militärputsch von 1965. Ehemalige Angehörige paramilitärischer Gruppen rekonstruieren ihre eigenen Taten vor der Kamera – häufig in Form selbst inszenierter Filmszenen. Dadurch entsteht eine verstörende Auseinandersetzung mit Gewalt, Straflosigkeit und gesellschaftlicher Erinnerungskultur.

Film- / Serienprofil

  • Originaltitel: The Act of Killing
  • Deutscher Titel: The Act of Killing
  • Erscheinungsjahr: 2012
  • Land: USA
  • Regie / Creator / Showrunner: Christine Cynn, Joshua Oppenheimer
  • Medium: Dokumentation
  • Laufzeit / Umfang: 117 Minuten
  • Schwerpunkte: Krieg, Staat und politische Gewalt

Kriminologische Relevanz

The Act of Killing zählt zu den eindrucksvollsten Dokumentarfilmen über staatlich geduldete Massengewalt und politische Kriminalität. Im Mittelpunkt stehen ehemalige Angehörige paramilitärischer Gruppen, die an den Massenmorden in Indonesien nach 1965 beteiligt waren und ihre Taten Jahrzehnte später vor der Kamera nachstellen. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Offenheit der Täter, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz, die ihnen bis heute entgegengebracht wird. Der Film macht deutlich, dass schwerste Verbrechen nicht zwangsläufig zu gesellschaftlicher Ächtung oder strafrechtlicher Verfolgung führen.

Aus kriminologischer Perspektive eignet sich der Film insbesondere zur Auseinandersetzung mit politischer Kriminalität und Staatskriminalität. Die Gewalttaten erscheinen nicht als individuelles Fehlverhalten einzelner Täter, sondern als Bestandteil eines politischen Systems, das Gewalt legitimiert, fördert oder bewusst toleriert. The Act of Killing verdeutlicht damit, wie eng staatliche Macht, Ideologie und organisierte Gewalt miteinander verflochten sein können.

Darüber hinaus zeigt der Film eindrucksvoll die Bedeutung gesellschaftlicher Deutungsmuster für den Umgang mit vergangenen Verbrechen. Die Täter präsentieren sich vielfach als Helden, während ihre Opfer aus der öffentlichen Erinnerung verdrängt werden. Damit verweist die Dokumentation auf die Rolle von Propaganda, gesellschaftlicher Legitimation und kollektiven Narrativen bei der Konstruktion von Kriminalität und Schuld. Kriminologisches Interesse gilt hier nicht allein den Gewalttaten selbst, sondern auch den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen sie gerechtfertigt oder verschwiegen werden.

Schließlich wirft The Act of Killing grundlegende Fragen nach Verantwortung, Schuld und den Folgen ausbleibender Strafverfolgung auf. Der Film zeigt, dass Straflosigkeit nicht nur individuelle Täter schützt, sondern auch die gesellschaftliche Aufarbeitung massiver Menschenrechtsverletzungen erschwert. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zum Verständnis staatlicher Gewalt, institutioneller Verantwortung und der Grenzen strafrechtlicher Aufarbeitung.

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser