Glossarbegriff

War on Drugs (Krieg gegen Drogen)

Praktik & Handlung

Definition

Als War on Drugs (deutsch: Krieg gegen Drogen) wird eine vor allem in den USA entwickelte Strategie der Drogenbekämpfung bezeichnet, die auf strafrechtliche Repression, intensive Polizeikontrollen und harte Sanktionen gegen Herstellung, Handel und Besitz illegalisierter Drogen setzt. Der Begriff wurde insbesondere durch US-Präsident Richard Nixon geprägt, der 1971 den Drogenmissbrauch zu einem zentralen gesellschaftlichen Problem erklärte. Unter Ronald Reagan wurde die repressive Drogenpolitik in den 1980er-Jahren erheblich ausgeweitet.

Politische Entwicklung

Der War on Drugs führte zu einer Verschärfung strafrechtlicher Sanktionen, zur Ausweitung polizeilicher Befugnisse und zu einer verstärkten Verfolgung von Drogendelikten. Besonders folgenreich waren gesetzliche Mindeststrafen (mandatory minimum sentences) sowie die lange Zeit erheblich unterschiedliche strafrechtliche Behandlung von Crack und Kokainpulver.

Die amerikanische Drogenpolitik wurde zudem internationalisiert. Die USA unterstützten und förderten Maßnahmen zur Drogenbekämpfung in zahlreichen Ländern, insbesondere in Lateinamerika. Dabei kamen neben polizeilichen auch militärische Mittel zum Einsatz.

Kriminologische Bedeutung

In der kritischen Kriminologie gilt der War on Drugs als Beispiel dafür, wie staatliche Kriminalpolitik gesellschaftliche Ungleichheiten verstärken kann. Obwohl Drogenkonsum in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen verbreitet ist, waren insbesondere Schwarze und sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen in den USA überproportional von Verhaftungen und Inhaftierungen betroffen.

Michelle Alexander interpretiert den War on Drugs in The New Jim Crow (2010) als zentralen Mechanismus eines Strafjustizsystems, das rassistische Ungleichheiten reproduziert. Die langfristigen Folgen strafrechtlicher Verurteilungen reichen dabei weit über die eigentliche Strafe hinaus und betreffen unter anderem Beschäftigung, Wohnraum und politische Teilhaberechte.

Die kriminologische Kritik richtet sich außerdem gegen die begrenzte Wirksamkeit repressiver Drogenpolitik, ihre gesellschaftlichen Folgekosten und die Verlagerung gesundheitlicher Probleme in den Bereich strafrechtlicher Kontrolle. Als Alternativen werden unter anderem Entkriminalisierung, Schadensminimierung (Harm Reduction) und gesundheitsorientierte Ansätze diskutiert.

Bewertung durch die Vereinten Nationen

Auch innerhalb der Vereinten Nationen wird die repressive Drogenpolitik inzwischen grundsätzlich infrage gestellt. In einem Bericht von 2023 stellte das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte fest, dass der War on Drugs weder die Produktion noch den Konsum illegalisierter Drogen wirksam verhindert habe. Stattdessen hätten punitive Maßnahmen zur Verschärfung gesellschaftlicher Diskriminierung und zu erheblichen Menschenrechtsverletzungen beigetragen.

Im Dezember 2024 erklärte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, der sogenannte War on Drugs sei „vollständig und auf ganzer Linie gescheitert“. Er forderte eine grundlegende Neuausrichtung der Drogenpolitik, die sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen, öffentlicher Gesundheit und Menschenrechten orientiert. An die Stelle von Kriminalisierung und Bestrafung sollten verstärkt Prävention, freiwillige Behandlung, Schadensminimierung (Harm Reduction) und soziale Integration treten.

Film- und Serienkanon

Film-/Serien-Beispiele

Einordnung

Verwandte Begriffe