Die sozialkonstruktivistische Kriminalitätstheorie von Henner Hess und Sebastian Scheerer versteht Kriminalität als ein gesellschaftlich konstruiertes Phänomen. Straftaten entstehen demnach nicht allein durch individuelle Motive oder soziale Ursachen. Entscheidend ist vielmehr ein Zusammenspiel aus makrosoziologischen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, individuellen Handlungssituationen auf der Mikro-Ebene sowie gesellschaftlichen Zuschreibungsprozessen, durch die bestimmte Handlungen überhaupt erst
Kritische Kriminologie
Radikaler Labelling-Ansatz (Sack)
Der Soziologe Fritz Sack entwickelte Anfang der 1970er Jahre eine besonders radikale Variante der Labelling-Theorie, die häufig als radikaler Labeling-Ansatz bezeichnet wird. Nach Sack ist Kriminalität nicht primär das Resultat individueller Eigenschaften oder sozialer Ursachen, sondern entsteht vor allem durch gesellschaftliche Zuschreibungsprozesse. Kriminalität ist demnach kein objektives Merkmal bestimmter Handlungen,
Outsiders (Becker)
Howard S. Beckers Buch Outsiders (1963) gehört zu den wichtigsten Werken der Devianzsoziologie und bildet einen zentralen Bezugspunkt des Labelling-Ansatzes. Mit seinem Ansatz der sozialen Zuschreibung (Labelling) stellte Becker etablierte Vorstellungen von Devianz und Kriminalität infrage. Statt Devianz als inhärente Eigenschaft bestimmter Handlungen oder Personen zu betrachten, fokussierte er sich
Labelling-Ansatz (Überblick)
Der Labelling Ansatz (auch: Etikettierungstheorie oder Labeling Approach) ist eine soziologische Kriminalitätstheorie, die Devianz als Ergebnis gesellschaftlicher Zuschreibungsprozesse versteht. Im Mittelpunkt steht nicht die Frage, warum Menschen kriminell werden, sondern wie bestimmte Handlungen und Personen überhaupt als „abweichend“ oder „kriminell“ definiert werden. Während klassische ätiologische Theorien nach den Ursachen von
Feministische Kriminalitätstheorien
Feministische Kriminologie Feministische Kriminologie bezeichnet eine kriminologische Perspektive, die Kriminalität, Viktimisierung und Strafverfolgung als geschlechtlich geprägt analysiert. Eine einheitliche feministische Kriminalitätstheorie existiert nicht. Treffender ist es daher, von feministischer Kriminologie zu sprechen: einer kriminologischen Perspektive, die untersucht, wie Geschlecht und Geschlechterrollen Kriminalität, Viktimisierung und die Reaktionen sozialer Kontrollinstanzen prägen. Feministische
Marxistische Kriminalitätstheorien
Marxistische Kriminalitätstheorien Die marxistischen Kriminalitätstheorien basieren auf zentralen Annahmen des Marxismus, gehen jedoch nicht immer unmittelbar auf den Gesellschaftstheoretiker Karl Marx selbst zurück. Vielmehr wurden seine gesellschaftstheoretischen Überlegungen im 20. Jahrhundert von Vertreter:innen der kritischen und neomarxistischen Kriminologie weiterentwickelt. Ausgangspunkt ist die marxistische Analyse kapitalistischer Gesellschaften als Klassengesellschaften. Marx unterscheidet



