Thomas J. Scheffs Werk Being Mentally Ill gilt als ein zentraler Beitrag zur Etikettierungstheorie und zur Soziologie psychischer Abweichung. Aufbauend auf den theoretischen Überlegungen von Howard S. Becker und Erving Goffman, entwickelt Scheff die These, dass “Geisteskrankheit” nicht (nur) medizinisch-biologisch erklärbar sei, sondern wesentlich durch soziale Zuschreibungsprozesse hervorgebracht werde. Das
Labeling Approach
Erving Goffman – Stigma: Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität (1963)
Goffmans Ansatz: Von der sichtbaren Abweichung zur sozialen Ausgrenzung Erving Goffman beschreibt in Stigma die Mechanismen, mit denen Gesellschaften Personen markieren, deren äußeres Erscheinungsbild, Verhalten oder Herkunft als normabweichend gilt. Das Stigma ist dabei keine Eigenschaft per se, sondern ein soziales Urteil, das Menschen zugeschrieben wird. Körperliche Stigmata (z. B. sichtbare
Reintegrative Shaming (Braithwaite)
Unter Shaming versteht John Braithwaite soziale Reaktionen auf deviantes Verhalten, die darauf abzielen, beim Täter Scham auszulösen. Braithwaite unterscheidet zwei grundsätzlich unterschiedliche Formen der Beschämung. Beim desintegrativen Shaming wird nicht nur die Tat missbilligt, sondern die Person selbst dauerhaft stigmatisiert und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Diese Form der Beschämung kann
Defiance Theory (Sherman)
Nach der Defiance Theory (dt. Trotz-Theorie) können strafrechtliche Sanktionen unterschiedliche Wirkungen entfalten. Während klassische Abschreckungstheorien davon ausgehen, dass Strafe zukünftige Straftaten verhindert, argumentiert Lawrence W. Sherman, dass Sanktionen unter bestimmten Umständen sogar zu mehr Kriminalität führen können. Strafe kann demnach drei unterschiedliche Wirkungen haben: Abschreckung (Deterrence): Die Strafe verhindert zukünftige
Sanktionierung
Sanktionierungstheorien Kernidee der Sanktionierungstheorien Sanktionierungstheorien untersuchen die Wirkung von Strafen auf Täter. Sie gehen davon aus, dass Sanktionen je nach sozialem Kontext unterschiedliche Effekte haben können: Strafe kann abschreckend wirken, aber auch Trotzreaktionen oder weitere Devianz auslösen. Sanktionierungstheorien beschäftigen sich mit der Frage, welche Folgen staatliche oder gesellschaftliche Strafen für
Sozialkonstruktivistische Kriminalitätstheorie (Hess & Scheerer)
Die sozialkonstruktivistische Kriminalitätstheorie von Henner Hess und Sebastian Scheerer versteht Kriminalität als ein gesellschaftlich konstruiertes Phänomen. Straftaten entstehen demnach nicht allein durch individuelle Motive oder soziale Ursachen. Entscheidend ist vielmehr ein Zusammenspiel aus makrosoziologischen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, individuellen Handlungssituationen auf der Mikro-Ebene sowie gesellschaftlichen Zuschreibungsprozessen, durch die bestimmte Handlungen überhaupt erst
