Kurzdefinition
Problem-Oriented Policing bezeichnet einen Ansatz der Polizeiarbeit, bei dem wiederkehrende Kriminalitäts- und Ordnungsprobleme systematisch analysiert und ursachenorientiert bearbeitet werden.
Ausführliche Erklärung
Problem-Oriented Policing wurde in den 1970er-Jahren von Herman Goldstein entwickelt und stellt eine Abkehr von rein reaktiver Polizeiarbeit dar. Im Mittelpunkt steht nicht das einzelne Delikt, sondern das zugrunde liegende soziale Problem.
Kern des Ansatzes ist das SARA-Modell (Scanning, Analysis, Response, Assessment): Zunächst werden wiederkehrende Probleme identifiziert, anschließend ihre Ursachen analysiert, passgenaue Maßnahmen entwickelt und schließlich deren Wirkung evaluiert. Die Polizei agiert dabei häufig in Kooperation mit anderen Institutionen wie Kommunen, Sozialarbeit oder Wohnungswirtschaft.
Der Ansatz gilt als besonders kompatibel mit präventiven Strategien und evidenzbasierter Praxis, wird jedoch kritisiert, wenn problematische Zustände ausschließlich sicherheitslogisch interpretiert oder sozialpolitische Ursachen ausgeblendet werden.
Theoriebezug
Problem-Oriented Policing ist eng verbunden mit Kriminalprävention, Evidence-Based Policing, sozialökologischen Ansätzen sowie Theorien sozialer Kontrolle. Bezüge bestehen auch zur Defiance Theory, sofern polizeiliche Interventionen als illegitim wahrgenommen werden.