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RICO Act

Kurzdefinition

Der RICO Act (Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act) ist ein US-amerikanisches Bundesgesetz von 1970, das die Strafverfolgung krimineller Organisationen erleichtert, indem nicht nur einzelne Straftaten, sondern ganze kriminelle Vereinigungen verfolgt werden können.

Ausführliche Erklärung

Der Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act (RICO Act) ist ein 1970 verabschiedetes Bundesgesetz der Vereinigten Staaten, das die strafrechtliche Verfolgung der Organisierten Kriminalität grundlegend veränderte. Ziel des Gesetzes ist es, nicht nur einzelne Straftaten zu ahnden, sondern kriminelle Organisationen als Ganzes strafrechtlich zu erfassen und ihre wirtschaftlichen Grundlagen zu zerstören.

Der RICO Act ermöglicht die Anklage von Personen, die wiederholt sogenannte Racketeering-Delikte im Rahmen einer kriminellen Vereinigung begehen oder daran mitwirken. Zu diesen Delikten zählen unter anderem Bestechung, Schutzgelderpressung, Drogenhandel, Geldwäsche, Betrug, Mord und andere schwere Straftaten. Voraussetzung ist, dass mindestens zwei solcher Straftaten innerhalb eines gesetzlich bestimmten Zeitraums nachgewiesen werden können und sie im Zusammenhang mit einer kriminellen Organisation stehen.

Das Gesetz wurde ursprünglich geschaffen, um die amerikanische Cosa Nostra wirksamer bekämpfen zu können. Inzwischen findet es jedoch auch Anwendung gegen andere Formen Organisierter Kriminalität sowie gegen Korruptions-, Wirtschafts- und Bandenkriminalität.

Neben hohen Freiheitsstrafen ermöglicht der RICO Act insbesondere die Einziehung kriminell erlangter Vermögenswerte sowie zivilrechtliche Schadensersatzklagen gegen beteiligte Organisationen. Das Gesetz gilt deshalb als Meilenstein der modernen Bekämpfung Organisierter Kriminalität.

Theoriebezug

Der RICO Act ist kein kriminalitätstheoretischer Ansatz, sondern ein kriminalpolitisches Instrument. Aus Sicht der Abschreckungstheorie erhöht das Gesetz die erwarteten Kosten organisierter Kriminalität durch empfindliche Freiheitsstrafen und Vermögensabschöpfung. Gleichzeitig trägt es der Erkenntnis Rechnung, dass Organisierte Kriminalität arbeitsteilig und dauerhaft organisiert ist und deshalb nicht allein durch die Verfolgung einzelner Täter wirksam bekämpft werden kann.

Verwandte Begriffe

Cosa Nostra Geldwäsche Korruption Kronzeuge Mafia Organisierte Kriminalität (OK) Pentito Racketeering

Weiterführende Beiträge

Galgen als historisches Symbol staatlicher Abschreckung durch Strafe.

Abschreckungstheorien (deterrence theories)

Die Abschreckungstheorie geht davon aus, dass Strafen eine präventive Wirkung auf kriminelles Verhalten haben. Durch die Androhung und Vollstreckung von Sanktionen sollen sowohl tatsächliche als auch potenzielle Täter davon abgehalten werden, Straftaten zu begehen. Merkzettel Deterrence Theory Hauptvertreter: Cesare Beccaria,…

Verwandte Filme und Serien

Die folgenden Filme, Serien und Dokumentationen greifen zentrale Aspekte dieses Begriffs auf und veranschaulichen sie anhand konkreter Beispiele. Sie eignen sich als anschauliche Ergänzung zu den wissenschaftlichen Erläuterungen.
Schwarze Rose als Symbol für Macht, Familie und Vergänglichkeit in Der Pate (1972).

The Godfather (1972)

Spielfilm

Das Oberhaupt der mächtigen Corleone-Familie wird Ziel eines Attentats. Während innerhalb der New Yorker Mafia ein Machtkampf eskaliert, übernimmt sein zunächst unbeteiligter Sohn Michael Corleone schrittweise die Führung der Familie und entwickelt sich vom Kriegsheimkehrer zum skrupellosen Mafiaboss.

Aufgefächerte US-Dollarscheine als Symbol für sozialen Aufstieg, Status und die Attraktivität organisierter Kriminalität in GoodFellas.

GoodFellas (1990)

Spielfilm

Der junge Henry Hill wächst in einem von der Mafia geprägten Umfeld in New York auf und träumt davon, selbst Teil dieser Welt zu werden. Über mehrere Jahrzehnte verfolgt der Film seinen Aufstieg innerhalb der italienisch-amerikanischen Unterwelt sowie die persönlichen und kriminellen Konsequenzen dieses Lebensstils. GoodFellas basiert auf realen Ereignissen und zählt zu den bekanntesten Mafiafilmen der Filmgeschichte.

Gestapelte Casino-Chips als Symbol für Glücksspiel, Geldströme und die Verbindung von legalem Geschäft und organisierter Kriminalität in Casino.

Casino (1995)

Spielfilm

Las Vegas in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren: Der professionelle Glücksspielmanager Sam „Ace“ Rothstein wird von der Mafia mit der Leitung eines großen Casinos betraut. Während er versucht, das Geschäft effizient und profitabel zu führen, sorgen sein impulsiver Freund Nicky Santoro und private Konflikte zunehmend für Spannungen. Martin Scorseses Film basiert auf realen Ereignissen und zeigt die Verflechtung von organisierter Kriminalität, Wirtschaft und Politik.

Historische Postkarte mit Badegästen an der Strandpromenade von Atlantic City als Sinnbild der Epoche von Boardwalk Empire.

Boardwalk Empire (2010–2014)

Serie

Atlantic City während der Prohibition. Der Politiker Enoch „Nucky“ Thompson kontrolliert als einflussreicher Machtbroker Politik, Polizei und organisierte Kriminalität. Die Serie zeigt den Aufstieg moderner Mafiaorganisationen sowie die enge Verflechtung von Korruption, Wirtschaft und staatlichen Institutionen.

FBI-Observationsfoto des Undercover-Ermittlers Joseph Pistone mit Mafiosi der Bonanno-Familie

Donnie Brasco (1997)

Spielfilm

Der FBI-Agent Joseph D. Pistone schleust sich unter dem Decknamen „Donnie Brasco“ in eine New Yorker Mafiafamilie ein. Während er das Vertrauen des alternden Gangsters Lefty Ruggiero gewinnt, verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen beruflicher Rolle und persönlicher Identität. Der auf einer wahren Geschichte beruhende Film zeigt eindrucksvoll die Funktionsweise organisierter Kriminalität und die psychischen Belastungen verdeckter Ermittlungen.

Skyline von Baltimore in Schwarz-Weiß mit dem Schriftzug „The Wire“ im Vordergrund. Die Serie thematisiert Kriminalität, Polizei, Drogenhandel und soziale Ungleichheit in der US-amerikanischen Großstadt.

The Wire (2002–2008)

Serie

Die vielfach ausgezeichnete HBO-Serie schildert die Verflechtung von Polizei, Drogenhandel, Politik, Bildungssystem und Medien in Baltimore. Aus kriminologischer Perspektive gilt sie als eine der realistischsten Darstellungen urbaner Kriminalität und sozialer Ungleichheit.



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Prof. Dr. Christian Wickert

Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

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