Kurzdefinition
Racketeering bezeichnet die systematische Begehung verschiedener Straftaten im Rahmen einer dauerhaft angelegten kriminellen Organisation zur Erzielung wirtschaftlicher Vorteile.
Ausführliche Erklärung
Der Begriff Racketeering bezeichnet die planmäßige und fortgesetzte Begehung verschiedener Straftaten durch eine kriminelle Organisation zur Erzielung wirtschaftlicher Gewinne. Anders als einzelne Delikte beschreibt Racketeering ein dauerhaftes kriminelles Geschäftsmodell, das auf einer Vielzahl miteinander verbundener Straftaten beruht.
Der Begriff entstand in den Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit der Bekämpfung der amerikanischen Cosa Nostra. Typische Erscheinungsformen sind Schutzgelderpressung, illegales Glücksspiel, Drogenhandel, Geldwäsche, Korruption, Betrug oder die Unterwanderung legaler Unternehmen und Gewerkschaften. Charakteristisch ist, dass verschiedene Straftaten systematisch miteinander kombiniert werden und der langfristigen Finanzierung einer kriminellen Organisation dienen.
Eine zentrale Rolle spielt Racketeering im amerikanischen Strafrecht durch den Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act (RICO Act) von 1970. Das Gesetz ermöglicht es, nicht nur einzelne Straftaten, sondern ganze kriminelle Organisationen strafrechtlich zu verfolgen und deren Vermögenswerte einzuziehen.
Kriminologisch verdeutlicht Racketeering, dass Organisierte Kriminalität nicht auf spektakuläre Gewalttaten reduziert werden kann. Im Mittelpunkt stehen vielmehr dauerhafte illegale Geschäftsmodelle, die häufig eng mit der legalen Wirtschaft verflochten sind und erhebliche Gewinne erzielen.
Theoriebezug
Racketeering lässt sich insbesondere mit Rational-Choice-Ansätzen erklären, da organisierte Tätergruppen unterschiedliche illegale Geschäftsfelder nach ihrer Rentabilität und ihrem Entdeckungsrisiko kombinieren. Zugleich zeigen Ansätze der Organisations- und Netzwerktheorie, dass langfristiger wirtschaftlicher Erfolg weniger von individueller Gewalt als von arbeitsteiliger Kooperation, Spezialisierung und stabilen sozialen Beziehungen innerhalb krimineller Netzwerke abhängt.
Verwandte Begriffe
Weiterführende Beiträge
Rational Choice Theory
Die Rational Choice Theory in der Kriminologie erklärt Kriminalität als Ergebnis rationaler Kosten-Nutzen-Abwägungen. Eine Straftat wird wahrscheinlicher, wenn der erwartete Nutzen der Tat – etwa der Wert des Diebesguts – höher eingeschätzt wird als die möglichen Kosten, etwa das Entdeckungsrisiko,…
Verwandte Filme und Serien
The Godfather (1972)
SpielfilmDas Oberhaupt der mächtigen Corleone-Familie wird Ziel eines Attentats. Während innerhalb der New Yorker Mafia ein Machtkampf eskaliert, übernimmt sein zunächst unbeteiligter Sohn Michael Corleone schrittweise die Führung der Familie und entwickelt sich vom Kriegsheimkehrer zum skrupellosen Mafiaboss.
Casino (1995)
SpielfilmLas Vegas in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren: Der professionelle Glücksspielmanager Sam „Ace“ Rothstein wird von der Mafia mit der Leitung eines großen Casinos betraut. Während er versucht, das Geschäft effizient und profitabel zu führen, sorgen sein impulsiver Freund Nicky Santoro und private Konflikte zunehmend für Spannungen. Martin Scorseses Film basiert auf realen Ereignissen und zeigt die Verflechtung von organisierter Kriminalität, Wirtschaft und Politik.
Boardwalk Empire (2010–2014)
SerieAtlantic City während der Prohibition. Der Politiker Enoch „Nucky“ Thompson kontrolliert als einflussreicher Machtbroker Politik, Polizei und organisierte Kriminalität. Die Serie zeigt den Aufstieg moderner Mafiaorganisationen sowie die enge Verflechtung von Korruption, Wirtschaft und staatlichen Institutionen.
GoodFellas (1990)
SpielfilmDer junge Henry Hill wächst in einem von der Mafia geprägten Umfeld in New York auf und träumt davon, selbst Teil dieser Welt zu werden. Über mehrere Jahrzehnte verfolgt der Film seinen Aufstieg innerhalb der italienisch-amerikanischen Unterwelt sowie die persönlichen und kriminellen Konsequenzen dieses Lebensstils. GoodFellas basiert auf realen Ereignissen und zählt zu den bekanntesten Mafiafilmen der Filmgeschichte.
Gomorrha (2008)
SpielfilmGomorrha erzählt in mehreren miteinander verflochtenen Handlungssträngen vom Einfluss der Camorra auf das gesellschaftliche Leben in Neapel und Umgebung. Der Film begleitet Jugendliche, Auftragsmörder, Unternehmer, Drogenhändler und einfache Boten und zeigt, wie organisierte Kriminalität nahezu alle Bereiche des Alltags prägt. Basierend auf dem gleichnamigen Sachbuch von Roberto Saviano verzichtet Gomorrha bewusst auf klassische Heldenfiguren und inszeniert die Camorra als allgegenwärtiges soziales System.
The Wire (2002–2008)
SerieDie vielfach ausgezeichnete HBO-Serie schildert die Verflechtung von Polizei, Drogenhandel, Politik, Bildungssystem und Medien in Baltimore. Aus kriminologischer Perspektive gilt sie als eine der realistischsten Darstellungen urbaner Kriminalität und sozialer Ungleichheit.