Kurzdefinition
Eine soziale Rolle bezeichnet das Bündel normativer Erwartungen, das an das Verhalten einer Person in einer bestimmten sozialen Position geknüpft ist.
Ausführliche Erklärung
Rollen vermitteln zwischen individuellem Handeln und sozialer Struktur. Sie definieren, welches Verhalten als angemessen, legitim oder abweichend gilt. Rollen sind dabei nicht individuell erfunden, sondern sozial vorgegeben und kulturell erlernt – etwa die Rolle von Schüler:innen, Polizist:innen, Richter:innen, Eltern oder Täter:innen.
Rollen sind stets mit Normen, Rechten und Pflichten verbunden und werden im Prozess der Sozialisation internalisiert. Gleichzeitig lassen sie Handlungsspielräume, sodass Rollenerwartungen interpretiert, ausgehandelt oder auch bewusst verletzt werden können.
In der Soziologie und Kriminologie sind Rollenkonflikte, Rollenüberlastung oder Rollendistanz zentrale Konzepte, um Devianz, institutionelles Versagen oder polizeiliches Handeln zu erklären. Auch Zuschreibungen wie „Krimineller“, „Opfer“ oder „Gefährder“ sind rollenhafte Konstruktionen.
Theoriebezug
George H. Mead (Symbolischer Interaktionismus), Talcott Parsons (Rollensysteme), Erving Goffman (Rollenspiel), Ralf Dahrendorf (Rollenkonflikte)