Michael R. Gottfredson

Michael R. Gottfredson, 2014
Michael R. Gottfredson, 2014
Capt. Brandon Hill, Oregon National Guard, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Personenprofil

Weitere Informationen

Michael R. Gottfredson ist ein US-amerikanischer Kriminologe, der vor allem durch die gemeinsam mit Travis Hirschi entwickelte General Theory of Crime international bekannt wurde. Er promovierte an der State University of New York at Albany und bekleidete verschiedene akademische Führungspositionen, u. a. als Professor an der University of Arizona und später als Chancellor der University of California, Irvine. Gottfredsons Forschung verbindet theoretische Modellbildung mit empirischer Analyse und beeinflusst seit den 1990er-Jahren zahlreiche Debatten über Selbstkontrolle, Devianzverläufe, Familienstrukturen und Prävention.

Gottfredson und Hirschi entwickelten mit der General Theory of Crime (1990) einen der einflussreichsten Ansätze der modernen Kriminologie. Die zentrale Annahme lautet, dass Kriminalität und andere problematische Verhaltensweisen im Kern auf niedriger Selbstkontrolle beruhen, die in der frühen Kindheit durch unzureichende Sozialisation entsteht.

Die Theorie verbindet damit psychologische Impulskontrollkonzepte mit soziologischen Mechanismen familiärer Überwachung, Bindung und Erziehung. Gottfredson argumentiert zudem, dass unterschiedliche Deliktsformen – von Eigentumsdelikten über Gewalt bis hin zu riskantem Verhalten – eine gemeinsame Ätiologie haben.

In späteren Arbeiten wandte Gottfredson die Theorie auf Lebenslaufforschung, Präventionspolitik und strukturelle Integritätsfragen des Strafrechtssystems an. Die Debatten um Messbarkeit, Universalität und kulturelle Variabilität des Selbstkontrollkonzepts gehören zu den wichtigsten Diskursen der internationalen Kriminologie.

Schlüsselwerke

  • A General Theory of Crime (mit Travis Hirschi, 1990)
  • Science, Public Policy, and the Criminal Justice System (1994)
  • Modern Control Theory and the Limits of Criminal Justice (diverse Aufsätze)
  • Beiträge zu Selbstkontrolle, Prävention, Jugendkriminalität und institutionellen Steuerungsproblemen