William J. Chambliss

William J. Chambliss
William J. Chambliss
Rogerio.fdusp, CC0, via Wikimedia Commons

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William J. Chambliss zählt zu den einflussreichsten Vertretern der kritischen Kriminologie in den Vereinigten Staaten. Er war Professor an der University of Washington sowie später an der George Washington University und prägte die kriminalsoziologische Forschung über mehrere Jahrzehnte. Chambliss arbeitete ethnografisch, historisch und konfliktsoziologisch und setzte sich intensiv mit der Machtverteilung in modernen Gesellschaften auseinander. Seine Untersuchungen zu organisierter Kriminalität, Polizeiarbeit, Drogenpolitik und Klassenkonflikten machten ihn zu einer Schlüsselfigur einer macht- und interessenanalytischen Kriminologie.

Chambliss kritisierte traditionelle Ansätze der Kriminalitätserklärung als zu eng, sozial blind und strukturell konservativ. Er vertrat die These, dass Kriminalität nicht neutral definiert wird, sondern ein Produkt politischer und ökonomischer Interessen ist. Strafrecht und Polizei fungieren in seinem Ansatz als Instrumente zur Aufrechterhaltung sozialer Ungleichheit und zum Schutz ökonomisch mächtiger Gruppen. Berühmt wurde seine Studie The Saints and the Roughnecks, in der er zeigte, wie soziale Schichtzugehörigkeit das polizeiliche und gesellschaftliche Labeling junger Menschen prägt. Chambliss gilt als zentraler Vertreter der Konflikttheorie in der Kriminologie und Wegbereiter kritischer und marxistisch inspirierter Ansätze.

Schlüsselwerke

  • The Saints and the Roughnecks (1973)
  • Crime and the Legal Process (1969)
  • Power, Politics, and Crime (1999)
  • On the Take: From Petty Crooks to Presidents (1978)
  • Law, Order, and Power (mit Robert Seidman, diverse Auflagen)
  • Zahlreiche Beiträge zur kritischen Kriminologie, Drogenpolitik und Polizeiforschung

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