Natural Born Killers (1994)

Natural Born Killers erzählt die Geschichte des Liebespaares Mickey und Mallory Knox, das auf einem blutigen Amoklauf quer durch die Vereinigten Staaten zahlreiche Menschen tötet. Während die beiden zunächst von Polizei und Justiz verfolgt werden, verwandeln sie sich durch die sensationsorientierte Berichterstattung der Medien zunehmend in nationale Berühmtheiten. Der Film entwickelt sich damit zu einer satirischen und zugleich verstörenden Auseinandersetzung mit Gewalt, Prominenz und Massenmedien.

Film- / Serienprofil

  • Originaltitel: Natural Born Killers
  • Deutscher Titel: Natural Born Killers
  • Erscheinungsjahr: 1994
  • Land: USA
  • Regie / Creator / Showrunner: Oliver Stone
  • Medium: Spielfilm
  • Laufzeit / Umfang: 119 Minuten
  • Schwerpunkte: Kriminalitätstheorien im Film

Kriminologische Relevanz

Natural Born Killers gehört zu den bekanntesten filmischen Auseinandersetzungen mit der medialen Konstruktion von Kriminalität. Obwohl die Handlung von einem Serienmörderpaar ausgeht, steht nicht die Frage nach den Ursachen der Gewalt im Mittelpunkt, sondern die gesellschaftliche und mediale Reaktion auf spektakuläre Verbrechen.

Die Figuren Mickey und Mallory Knox knüpfen an die Tradition romantisierter Verbrecherpaare wie Bonnie Parker und Clyde Barrow an. Während diese bereits in den 1930er Jahren durch Zeitungsberichte und Fotografien zu medialen Ikonen wurden, überträgt Natural Born Killers dieses Motiv in das Zeitalter des Fernsehens. Mickey und Mallory werden nicht nur verfolgt, sondern zugleich vermarktet, kommentiert und inszeniert. Gewalt erscheint dabei als Ware, die Aufmerksamkeit erzeugt und Einschaltquoten steigert. Kriminalität wird nicht lediglich berichtet, sondern in ein mediales Spektakel verwandelt. Der Film zeigt, wie Gewaltverbrecher durch Massenmedien zu Prominenten werden können und erweitert damit die klassische Bonnie-und-Clyde-Erzählung um eine grundlegende Medienkritik.

Damit greift der Film zentrale Fragen der Medienkriminologie und der Cultural Criminology auf. Er verdeutlicht, dass Kriminalitätsbilder nicht einfach die Realität abbilden, sondern durch journalistische Auswahl, Dramatisierung und Wiederholung mitgestaltet werden. Die öffentliche Wahrnehmung von Kriminalität hängt daher nicht allein von tatsächlichen Straftaten ab, sondern auch von ihrer medialen Darstellung. Der Film stellt damit die Frage, inwieweit Medien Kriminalität nicht nur beobachten, sondern an ihrer gesellschaftlichen Bedeutung mitwirken.

Der Titel Natural Born Killers suggeriert zunächst, Mickey und Mallory seien als Mörder „geboren“. Der Film selbst stellt diese Annahme jedoch infrage. Statt biologische Ursachen zu betonen, verweist er auf familiäre Gewalt, gesellschaftliche Bedingungen und vor allem die Rolle der Medien. Der Titel kann daher als ironischer Kommentar auf populäre Vorstellungen vom „geborenen Verbrecher“ gelesen werden.

Besonders bemerkenswert ist die Parallele zu Mann beißt Hund. Während der belgische Film die Beteiligung von Medienakteuren an Gewalt thematisiert, zeigt Natural Born Killers, wie Massenmedien Täter zu Popkultur-Ikonen machen können. Gleichzeitig verweist der Film auf Debatten über Nachahmungseffekte, Sensationalismus und Moral Panics, bei denen einzelne spektakuläre Straftaten überproportionale öffentliche Aufmerksamkeit erhalten und gesellschaftliche Ängste verstärken können.

Darüber hinaus bietet der Film Anknüpfungspunkte zu Neutralisierungstechniken und Täterrationalisierungen. Mickey und Mallory erscheinen nicht als eindimensionale Monster, sondern entwickeln eigene Rechtfertigungen und Narrative, die ihr Handeln erklären und legitimieren sollen. Dadurch wird deutlich, wie Gewalt durch Deutungsmuster und Erzählungen gesellschaftlich vermittelt wird.

Der Film lässt sich zudem als erstaunlich frühe Vorwegnahme heutiger Aufmerksamkeitsökonomien lesen. Lange vor sozialen Medien thematisierte er die Frage, wie Reichweite, öffentliche Aufmerksamkeit und Prominenz selbst bei schwersten Straftaten zu einer Form gesellschaftlicher Belohnung werden können. Damit wirkt Natural Born Killers rückblickend wie eine düstere Prognose einer Medienwelt, in der Sichtbarkeit oft wichtiger wird als die Frage, wodurch sie erreicht wurde.

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser