Kes (1969)

Kes erzählt die Geschichte des fünfzehnjährigen Billy Casper, der in einer englischen Bergarbeiterstadt aufwächst. Geprägt von Armut, familiären Konflikten und Perspektivlosigkeit findet der schüchterne Jugendliche Halt in der Aufzucht und Abrichtung eines jungen Turmfalken. Ken Loachs sozialrealistisches Drama basiert auf dem Roman A Kestrel for a Knave von Barry Hines und zählt zu den bedeutendsten Filmen des britischen Sozialrealismus.

Film- / Serienprofil

Kriminologische Relevanz

Kes ist kein Film über Kriminalität im engeren Sinne, sondern über die sozialen Bedingungen, unter denen sich Lebensverläufe entwickeln. Der Film schildert eindrucksvoll, wie familiäre Vernachlässigung, schulisches Scheitern und fehlende Zukunftsperspektiven das Leben eines Jugendlichen prägen. Gleichzeitig zeigt er, dass soziale Bindungen, Anerkennung und persönliche Verantwortung eine stabilisierende Wirkung entfalten können. Die Beziehung des Protagonisten zu seinem Falken eröffnet ihm erstmals Erfolgserlebnisse, Selbstvertrauen und einen positiven Bezug zur eigenen Umwelt.

Gerade diese Perspektive macht Kes kriminologisch besonders interessant. Der Film verdeutlicht, dass Delinquenz nicht allein durch soziale Benachteiligung erklärt werden kann, sondern auch von der Stärke sozialer Bindungen abhängt. Damit eignet sich Kes hervorragend zur Veranschaulichung der Bindungstheorie (Social Bond Theory) von Travis Hirschi, nach der enge Beziehungen zu Familie, Schule oder anderen gesellschaftlichen Institutionen das Risiko abweichenden Verhaltens verringern.

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser