The Farm: Angola, USA (1998)

The Farm: Angola, USA begleitet über einen längeren Zeitraum mehrere Gefangene und Bedienstete des Louisiana State Penitentiary, besser bekannt als Angola – eines der größten Hochsicherheitsgefängnisse der Vereinigten Staaten. Die Dokumentation verzichtet auf kommentierende Einordnungen und lässt Insassen, Angehörige und Vollzugsbedienstete selbst zu Wort kommen. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild des Gefängnisalltags zwischen Hoffnung, Resignation, Schuld und dem Wunsch nach einem Neuanfang.

Film- / Serienprofil

  • Originaltitel: The Farm: Angola, USA
  • Deutscher Titel: The Farm: Angola, USA
  • Erscheinungsjahr: 1998
  • Land: USA
  • Regie / Creator / Showrunner: Liz Garbus, Wilbert Rideau, Jonathan Stack
  • Medium: Dokumentation
  • Laufzeit / Umfang: 88 Minuten
  • Schwerpunkte: Gefängnis und Strafvollzug

Kriminologische Relevanz

The Farm: Angola, USA zeigt den Strafvollzug nicht als spektakulären Ausnahmezustand, sondern als dauerhaften sozialen Lebensraum. Die Dokumentation begleitet Gefangene über einen längeren Zeitraum und macht deutlich, wie sich das Leben unter den Bedingungen langjähriger oder lebenslanger Freiheitsentziehung verändert. Fragen nach Schuld, Verantwortung, Reue und Resozialisierung stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Beziehungen zwischen Gefangenen, Vollzugsbediensteten und Angehörigen.

Anders als viele Gefängnisfilme verzichtet The Farm auf dramatische Ausbrüche oder Gewaltexzesse. Stattdessen richtet die Dokumentation den Blick auf den Alltag einer Totalen Institution, in der nahezu alle Lebensbereiche geregelt und kontrolliert werden. Dadurch wird sichtbar, wie Haft Identität, soziale Beziehungen und Zukunftsperspektiven nachhaltig prägt.

Historisch steht Angola zudem für die Kontinuitäten rassistisch geprägter Zwangsarbeit nach dem Ende der Sklaverei. Die Haftanstalt entwickelte sich aus einer früheren Plantagen- und Strafarbeitsordnung und war eng mit dem südlichen Convict-Lease-System verbunden, in dem überwiegend afroamerikanische Gefangene an private Unternehmer überlassen und unter extremen Bedingungen zur Arbeit gezwungen wurden. Zugleich besitzt Angola eine besondere musikgeschichtliche Bedeutung: 1933 begegneten die Volksmusikforscher John und Alan Lomax dort dem inhaftierten Musiker Huddie Ledbetter, besser bekannt als Lead Belly, dessen Aufnahmen später die amerikanische Folk- und Bluesgeschichte maßgeblich beeinflussten.

Gleichzeitig wirft der Film grundlegende kriminalpolitische Fragen auf. Er thematisiert den Sinn lebenslanger Freiheitsstrafen, die Möglichkeiten von Resozialisierung sowie die menschlichen Folgen eines Strafvollzugs, der für viele Insassen kein Ende vorsieht. The Farm: Angola, USA eignet sich daher besonders zur Analyse von Strafvollzug, Totalen Institutionen, Resozialisierung, lebenslanger Freiheitsstrafe und den sozialen Folgen langfristiger Inhaftierung.

Bildquelle (Thumbnail): Tardickerson, CC0, via Wikimedia Commons

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser