Edwin M. Lemert

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Edwin M. Lemert war ein US-amerikanischer Soziologe und einer der zentralen Wegbereiter der Etikettierungstheorie (Labeling Approach) in der Kriminologie und Devianzsoziologie. Sein entscheidender Beitrag besteht in der analytischen Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Devianz, mit der er einen Perspektivwechsel innerhalb der Kriminalitätsforschung einleitete.

Während primäre Devianz alltägliche, häufig folgenlose Normabweichungen bezeichnet, entsteht sekundäre Devianz erst durch soziale Reaktionen, Zuschreibungen und institutionelle Interventionen. Kriminalität wird damit nicht als inhärente Eigenschaft von Handlungen oder Personen verstanden, sondern als Resultat sozialer Definitionsprozesse. Lemert verlagerte den Fokus von der Tat auf gesellschaftliche Kontrollmechanismen, Stigmatisierung und Identitätsdynamiken.

Seine Arbeiten bilden eine theoretische Brücke zwischen symbolischem Interaktionismus, Devianzsoziologie und kritischer Kriminologie. Lemerts Ansatz beeinflusste maßgeblich spätere Arbeiten von Howard S. Becker, Erving Goffman und Thomas J. Scheff und ist bis heute grundlegend für Debatten um Kriminalisierung, Strafrecht, Jugendkriminalität und soziale Ausgrenzung.

Schlüsselwerke

  • Social Pathology (1951)
  • Human Deviance, Social Problems, and Social Control (1967)