• Zur Hauptnavigation springen
  • Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen
  • Zur Fußzeile springen

SozTheo

Sozialwissenschaftliche Theorien

  • Soziologie
    • Soziologische Theorien
    • Allgemeine Soziologie
    • Stadtsoziologie
    • Soziologie der Gewalt
    • Polizeigeschichte
    • Seminar: Polizei & Pop
    • Schlüsselwerke der Soziologie
  • Kriminologie
    • Schlüsselwerke der Kriminologie
  • Kriminalitätstheorien
    • Theorienfinder
    • Anomie-/ Druck-Theorien
    • Biologische Kriminalitätstheorien
    • Konflikttheorien
    • Karriere/ Entwicklung/ Lebenslauf
    • Kontrolle
    • Kultur/ Emotion/ Situation
    • Lernen/ Subkultur
    • Rational Choice
    • Sanktionierung
    • Soziale Desorganisation
  • Dossiers
    • Personenregister
    • Medien, Kultur & Kriminalität
    • Forschungsprojekt: Rap & Polizei
    • Cannabis: Artikelserie
    • Mode, Körper und Devianz
  • Forschung
    • Forschungsdesign
    • Operationalisierung
    • Stichprobe (Sampling)
    • Quantitative Methoden
      • Standardisierte Befragungen
      • Experiment
    • Qualitative Methoden
      • Experteninterview
      • Beobachtung
      • Dokumentenanalyse
      • Inhaltsanalyse
      • Diskursanalyse
      • Grounded Theory
    • Qualitätskriterien für wissenschaftliches Arbeiten
  • Wissenschaftliches Arbeiten
    • Bachelorarbeit Thema finden
    • Systematische Literaturrecherche
    • Exposé schreiben
    • Hausarbeit schreiben
    • Wissenschaftliche Arbeit schreiben
    • APA-Stil zitieren
    • Checkliste wissenschaftliche Arbeit
  • Film- und Serienkanon
  • Glossar
Sie befinden sich hier: Home / Glossar / Etikettierungstheorie (Labeling Approach)

Etikettierungstheorie (Labeling Approach)

Kurzdefinition

Die Etikettierungstheorie (Labeling Approach) ist eine soziologische Devianztheorie, nach der abweichendes Verhalten nicht allein durch die Tat selbst entsteht, sondern durch gesellschaftliche Zuschreibungen und Reaktionen. Erst durch soziale Bewertung wird Verhalten als „abweichend“ oder „kriminell“ definiert.

Ausführliche Erklärung

Die Etikettierungstheorie (auch: Labelling Ansatz oder Labeling Approach) gehört zu den zentralen soziologischen Theorien der Devianz und der Kriminologie. Sie geht davon aus, dass abweichendes Verhalten nicht objektiv in einer Handlung liegt, sondern durch gesellschaftliche Reaktionen entsteht.

Der Labelling-Ansatz ist nicht mit dem Begriff Labelling (Etikettierung) zu verwechseln. Während Labelling den sozialen Prozess der Zuschreibung von Devianz bezeichnet, untersucht der Labelling-Ansatz die Ursachen, Mechanismen und Folgen solcher Zuschreibungen.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie bestimmte Personen oder Gruppen als „abweichend“ definiert werden. Soziale Institutionen wie Polizei, Gerichte, Schule oder Medien tragen durch ihre Reaktionen dazu bei, Verhalten zu klassifizieren und bestimmte Personen mit dem Etikett „kriminell“ oder „deviant“ zu versehen.

Die Theorie entstand in den 1950er und 1960er Jahren im Umfeld des Symbolischen Interaktionismus. Besonders prägend waren die Arbeiten von Howard S. Becker sowie Edwin M. Lemert.

Eine ausführliche Darstellung der Theorie und ihrer historischen Entwicklung findet sich im Beitrag Labelling-Ansatz (Überblick).

Zentrale Annahmen der Etikettierungstheorie

  • Devianz ist keine objektive Eigenschaft. Verhalten wird erst durch soziale Bewertung als „abweichend“ definiert.
  • Soziale Gruppen schaffen Regeln. Gesellschaftliche Akteure bestimmen, welche Normen gelten und wer sie verletzt.
  • Soziale Reaktionen erzeugen Devianz. Polizei, Gerichte oder Öffentlichkeit entscheiden, welche Regelverstöße sanktioniert werden.
  • Etikettierung beeinflusst Identität. Wird eine Person wiederholt als deviant definiert, kann sie dieses Fremdbild übernehmen.
  • Soziale Kontrolle ist selektiv. Macht- und Statusunterschiede beeinflussen, wer tatsächlich als abweichend gilt.

Primäre und sekundäre Devianz

Der Soziologe Edwin M. Lemert unterschied zwei Formen der Abweichung.

Primäre Devianz bezeichnet gelegentliche Regelverstöße, die noch keine dauerhafte Veränderung der Identität nach sich ziehen. Viele Menschen begehen im Alltag kleinere Normverletzungen, ohne sich selbst als „abweichend“ zu verstehen.

Sekundäre Devianz entsteht dagegen, wenn gesellschaftliche Reaktionen – etwa strafrechtliche Sanktionen oder Labelling – dazu führen, dass eine Person das Etikett „abweichend“ übernimmt und ihr Verhalten entsprechend anpasst. Abweichung wird dann Teil der sozialen Identität.

Theoriebezug

Die Etikettierungstheorie ist eng mit dem Symbolischen Interaktionismus verbunden, aus dessen theoretischem Umfeld sie hervorgegangen ist. Maßgeblich geprägt wurde sie durch Howard S. Becker, der Devianz als Ergebnis gesellschaftlicher Zuschreibungsprozesse verstand, sowie durch Edwin M. Lemert, der zwischen primärer und sekundärer Devianz unterschied. Darüber hinaus bildet der Labelling-Ansatz eine wichtige Grundlage der Kritischen Kriminologie, die die Rolle gesellschaftlicher Macht- und Kontrollverhältnisse bei der Definition von Kriminalität untersucht.

Verwandte Begriffe

Abweichendes Verhalten (Devianz) Devianz Etikettierungstheorie (Labeling Approach) Hegemonie Kritische Kriminologie Labelling (Etikettierung) Neutralisierung (Neutralisierungstechniken) Othering Polizei Soziale Kontrolle Stigmatisierung Symbolischer Interaktionismus

Weiterführende Beiträge

Etiketten als Symbol für den Labelling-Ansatz (deutsch: Etikettierungsansatz) der Kriminologie

Labelling-Ansatz (Überblick)

Der Labelling Ansatz (auch: Etikettierungstheorie oder Labeling Approach) ist eine soziologische Kriminalitätstheorie, die Devianz als Ergebnis gesellschaftlicher Zuschreibungsprozesse versteht. Im Mittelpunkt steht nicht die Frage, warum Menschen kriminell werden, sondern wie bestimmte Handlungen und Personen überhaupt als „abweichend“ oder „kriminell“…

primäre und sekundäre Devianz nach Lemert

Labelling – primäre und sekundäre Devianz (Lemert)

Edwin M. Lemert entwickelte mit der Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Devianz einen zentralen Baustein des Labelling Ansatzes. Während primäre Devianz erste Normverletzungen bezeichnet, beschreibt sekundäre Devianz die Stabilisierung abweichenden Verhaltens infolge gesellschaftlicher Reaktionen und Etikettierungen. Ein Individuum begeht zunächst…

Der Soziologe Howard S. Becker gilt mit seinem Buch "Outsiders" als einer der Erfinder des Labelling-Ansatzes

Outsiders (Becker)

Howard S. Beckers Buch Outsiders (1963) gehört zu den wichtigsten Werken der Devianzsoziologie und bildet einen zentralen Bezugspunkt des Labelling-Ansatzes. Mit seinem Ansatz der sozialen Zuschreibung (Labelling) stellte Becker etablierte Vorstellungen von Devianz und Kriminalität infrage. Statt Devianz als inhärente…

Instanzenforschung/ Kritische Kriminologie

Kritische Kriminologie Die Kritische Kriminologie bezeichnet eine Richtung der Kriminologie, die Kriminalität im Zusammenhang mit Macht, sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Kontrolle untersucht. Im Unterschied zu traditionellen, ätiologischen Ansätzen richtet sie den Blick weniger auf individuelle Täterursachen als auf Prozesse der…



← Zur Glossarübersicht

Seitenspalte

Über SozTheo

Prof. Dr. Christian Wickert

Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

→ Zur Profilseite

Beliebte Inhalte

Links

SozTheo.com Logo
SozTheo.com (englisch)
Criminologia Logo
Criminologia Kriminologie-Blog
Krimpedia Logo
Krimpedia

Webseite durchsuchen

Footer

Über SozTheo

SozTheo ist eine Informations- und Ressourcensammlung, die sich an alle an Soziologie und Kriminologie interessierten Leserinnen und Leser richtet.

SozTheo wurde als private Seite von Prof. Dr. Christian Wickert, Dozent für die Fächer Soziologie und Kriminologie an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen, erstellt. Die hier verfügbaren Beiträge und verlinkten Artikel spiegeln nicht die offizielle Meinung, Haltung oder Lehrpläne der HSPV NRW wider.

Impressum & Kontakt

  • Impressum & Datenschutz
  • Sitemap
  • zurück zur Startseite

Partnerseiten

Criminologia – Kriminologie-Blog

Krimpedia

Looking for the English version? Visit soztheo.com

Spread the word


Teile diesen Beitrag
  • teilen 
  • teilen 
  • teilen 
  • E-Mail 

Social Media

Besuche SozTheo auf Facebook

Besuche SozTheo auf Instagram

© 2026 · SozTheo · Admin